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CO2-neutrale Tomaten

Ein Gemüsebauer betrachtet die Tomatenpflanzen.
Wolfang Steiner (26) produziert regionales Gemüse klimaneutral durch Erdwärme und Photovoltaik.
Foto: Manfred Huber

Geschäftsleiter eines Gemüsebaubetriebs

CO2-neutrale Tomaten

Tomaten, Paprika, Erdbeeren – im bayerischen Kirchweidach leitet Wolfgang Steiner (26) einen Gemüsebaubetrieb mit rund 20 Hektar Gesamtfläche, in denen das ganze Jahr über mithilfe von Geothermie Gemüse wächst.

Eine Dreiviertelstunde dauert ein zügiger Rundgang durch die Gewächshäuser von Wolfgang Steiner. Der 26-Jährige plant mindestens zwei Stunden ein, weil er das Vier-Augen-Gespräch mit seinen Mitarbeitern schätzt. Diese Zeit würde er sich gerne jeden Tag nehmen, aber das klappt nicht immer: Als Geschäftsleiter hat er eine Vielzahl an Terminen zu bewältigen. Seit 2016 kümmert er sich um das operative Geschäft des Familienbetriebs Gemüsebau Steiner.

Auf rund 20 Hektar Fläche wachsen Roma-, Minirispen- und Snacktomaten, rote, gelbe und orange Paprika, Gurken und Erdbeeren. Die Besonderheit: Im Unterschied zu anderen Gemüseanbaubetrieben, die Gewächshäuser mit Millionen Kubikmetern Erdgas beheizen, produziert der Betrieb klimafreundlich hauptsächlich durch Erdwärme und Photovoltaik. Regionales Gemüse klimaneutral zu produzieren, war die Idee seines Vaters. Den bezeichnet Wolfgang Steiner als Visionär, sich selbst sieht er mehr als hemdsärmeligen Unternehmertyp.

Quereinsteiger mit technischem Know-how

Ein Porträt-Foto von Wolfgang Steiner

Wolfgang Steiner

Foto: Manfred Huber

Der 26-Jährige hat weder in Landwirtschaft noch im Gartenbau ein entsprechendes Fach studiert, ist aber in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. „Wir hatten früher eine Baumschule und auch Heidelbeerplantagen“, erzählt er. Mitgearbeitet hat er dort von Kindesbeinen an. Da er sich für Technik interessierte, ging er zur Ausbildung nach Salzburg an die Höhere Technische Lehranstalt (HTL), wo er sich für Elektronik und Technische Informatik entschied. Die Ausbildung bereitet auf eine Tätigkeit als Ingenieur für Entwurf, Projektierung, Fertigung, Montage, Inbetriebnahme von elektronischen und informationstechnischen Geräten und Anlagen sowie die Entwicklung, Inbetriebnahme und Schulung softwaretechnischer Produkten vor.

Als sein Vater das neue ökologische Unternehmen in Kirchweidach gründete, stieg Wolfgang Steiner mit ein und brachte dank seiner Ausbildung ein hohes Maß an technisches Verständnis mit. Denn beim Anbau von Tomaten und Co. spielen Steuerungs-, Regelungs- und Messtechnik sowie die Betriebsdatenerfassung eine große Rolle. Wolfgang Steiner weiß genau, wo welche Leitungen verlegt sind und kennt die Gewächshaustechnik vom Schaltschrank bis zur computergesteuerten Anlage.

Prima Klima

Die Steuerung für ein optimales Gewächshausklima ist das Herzstück des Betriebs. Ein zentraler Klimacomputer steuert und misst automatisch die vier wichtigsten Parameter im Gewächshaus: Temperatur, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit. Die Heizungsanlage wird größtenteils über Erdwärme gespeist, ein kleiner Anteil kommt von einer Biogasanlage. Eine Photovoltaikanlage auf den Dächern der Betriebsgebäude liefert den Strom für das Gewächshaus. Auch beim Wässern der Pflanzen setzen die Steiners auf Nachhaltigkeit. Über das Dach des Gewächshauses wird Regenwasser aufgefangen, in ein großes Außenbecken und weiter in Wassertanks geleitet. „Ich reise viel und informiere mich über Innovationen, von Anbauversuchen mit neuen Sorten bis hin zur LED-Beleuchtung. Nicht alle Projekte, die ich anschiebe, gelingen, aber man muss am Ball bleiben und frischen Wind reinbringen“, erzählt Wolfgang Steiner.

Als Geschäftsleiter ist er für die Betreuung der Kunden, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die das Geothermie-Projekt auf den Weg gebracht hat, das Qualitätsmanagement, die Mitarbeiterführung und die Budgetplanung verantwortlich. Um die gartenbautechnischen Aspekte kümmert sich Fachpersonal. Wichtig findet er auch die Unterstützung von externen Fachkräften: „Es gibt viele Themen, bei denen wir uns Hilfe geholt haben.“ Dass man nicht alles alleine abdecken kann, ist für den jungen Chef eine wichtige Erkenntnis.

abi>> 06.05.2019

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