Beziehungen aufbauen

Drei Mitarbeiter vor dem PC versammelt zu einer Teambesprechung
Headhunter stehen ihren Kunden beratend zur Seite, um den perfekten Kandidaten für ihr Unternehmen zu finden.
Foto: Axel Jusseit

Headhunter

Beziehungen aufbauen

Sein Hobby ist der Gleitflug – und auch beruflich ist Cornelius Then ein Überflieger. Mit 31 Jahren kümmert er sich bereits als selbstständiger Headhunter und Partner der Pape Consulting Group in München um die Besetzung von Führungspositionen.

Das Telefon klingelt. Eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung fragt: „Können Sie ungestört sprechen?“ und erkundigt sich, ob man für neue berufliche Perspektiven offen ist. Die Stimme gehört zu Cornelius Then. Ein Anruf bei möglichen Kandidaten ist für ihn als Headhunter Routine. Aber es gibt auch andere Wege. „Im technischen Bereich kann es sinnvoll sein, über ein soziales Netzwerk Kontakt aufzunehmen“, meint der 31-Jährige.
Fragen, Zuhören, Vermitteln

Ein Porträt-Foto von Cornelius Then

Cornelius Then

Foto: privat

Gibt es eine Stelle zu besetzen, ist sein erster Schritt, ein Profil des Wunschkandidaten zu erstellen: Welche fachlichen Anforderungen muss er erfüllen, welche Erfahrungen mitbringen? Mit seinen Auftraggebern bespricht er dabei auch die Hintergründe: „Warum ist die Position vakant? Wo gab es Schwierigkeiten mit den bisherigen Stelleninhabern?“ Die richtigen Fragen zu stellen, sei sein Erfolgsrezept, sagt Cornelius Then.

Nach dem Kundenbriefing müssen passende Kandidaten gefunden werden. Der Headhunter nutzt dafür soziale und berufliche Netzwerke, setzt vor allem aber auf seine persönlichen Kontakte. Im Gespräch prüft er, ob ein Kandidat zu der Position passt, die der Kunde besetzen will. Dabei geht es um mehr als Fachwissen – Cornelius Then macht sich „ein Bild von der gesamten Persönlichkeit“. Er sitzt auch mit am Tisch, wenn das Unternehmen den Kandidaten kennenlernt – als „stiller Beobachter, der im Nachhinein Unstimmigkeiten in der Kommunikation ausgleichen kann“ und so den Auswahlprozess begleitet.

Alltag? Flexibilität

Auf die Frage nach einem typischen Arbeitstag lacht Cornelius Then: „Den gibt es nicht, und das genieße ich. Jeder Auftrag ist unterschiedlich, auch was den zeitlichen Aufwand angeht, der ganz von den Anforderungen des Kunden abhängt.“ Für ihn sei Qualität wichtig, daher arbeitet er nur an wenigen Projekten gleichzeitig.

Wie jeder selbständige Berater verwendet er viel Zeit darauf, Kunden zu finden. „Ein überzeugender Internetauftritt ist wichtig. Aber Personalberatung ist ein ‚People Business‘, sagt er. „Persönlichkeit und Wertschätzung zählen, daraus entstehen Netzwerke und häufig auch Empfehlungen.“ Selbstständig zu sein, bedeute für ihn viel Arbeit und Eigenverantwortung, aber auch Flexibilität. Für seine Kunden muss er rund um die Uhr erreichbar sein. Und er muss gut organisiert sein, „sonst verliert man schnell den Überblick“, weiß er.

„Finde einen Beruf, den du liebst…“

Cornelius Then übt seinen Beruf mit Herzblut aus. Geplant hatte er diesen Berufsweg allerdings nicht. Früher wollte er Lehrer werden. Menschen lagen ihm immer – aber ihm war auch Unabhängigkeit wichtig. An ein Bachelorstudium der Betriebswissenschaft schloss er den Master in „Human Resource Management“ an und arbeitete studienbegleitend in der Personalabteilung eines Automobilzulieferers. Die ersten Erfahrungen als Personalberater sammelte er als Angestellter, bevor er den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Unternehmergeist sei dafür unverzichtbar, um voranzukommen, brauche man außerdem Disziplin und Ehrgeiz. Headhunter haben zudem eine Vertrauensposition inne. „Diskretion und Integrität sind entscheidend für den Beruf“, sagt Cornelius Then. „Wir arbeiten schließlich mit sehr sensiblen Informationen.“

Mehr Infos zu Cornelius Then
www.pape.de/wirueberuns/ct.html

 

Headhunter/in – Hintergrund

Köpfe jagen – was steckt dahinter?

Für jeden Topf gibt es den richtigen Deckel – das gilt auch im Berufsleben. Menschen zu finden, die perfekt auf eine vakante Position in einem Unternehmen passen, ist die Aufgabe von Headhuntern.

Früher ging es beim Headhunting ausschließlich um die Besetzung von Führungspositionen, meist in großen Unternehmen. Dieses Geschäft teilte sich eine kleine Zahl von Personaldienstleistern. Heute ist die Branche gewachsen und breit aufgestellt. Unternehmen besetzen immer häufiger Stellen mit Hilfe von Personaldienstleistern. Das Prinzip heißt: gezielt vorgehen statt auf gut Glück mit einer Stellenanzeige suchen. Viele Beratungsunternehmen haben sich daher spezialisiert und kümmern sich um bestimmte Branchen oder um internationale Märkte. Andere arbeiten als Generalisten mit regionalen Niederlassungen.

Gezielter Berufswunsch oder Quereinstieg?

Headhunting klingt nach Abenteuer – aber dieser Beruf erfordert eine solide Ausbildung. Grundsätzlich gibt es zwei Einstiegsmöglichkeiten. Ein Studium in Psychologie oder Personalmanagement ist eine gute fachliche Basis und eine Visitenkarte beim Start ins Berufsleben. Psychologische Kenntnisse können vor allem bei Auswahlverfahren hilfreich sein. Wer Personalwesen studiert, weiß über Personalentwicklung in Unternehmen Bescheid. Das Branchenwissen, das bei Kundenaufträgen gefragt ist, eignet man sich dann im Laufe der Zeit an.

Aber auch ein Quereinstieg nach einem Fachstudium ist möglich. Wer beispielweise ein Studium im Ingenieurwesen absolviert hat und im Studium oder Beruf sein Talent für Kommunikation und den Umgang mit Menschen entdeckt, kann im Headhunting ebenso erfolgreich sein.

Menschenkenntnis ist gefragt

Welche Eigenschaften sollte man unabhängig vom fachlichen Hintergrund mitbringen? Gespür für Menschen und sehr gute Kommunikationsfähigkeit sind unverzichtbar. Schon beim Briefing durch den Kunden geht es darum, die genauen Anforderungen im Dialog auszuloten. Ein grundlegendes Talent muss vorhanden sein, alles weitere kommt mit der Erfahrung: „Der Berater reift beim Kunden“, beschreibt Reinhard Kolvenbach, erfahrener Headhunter und Managing Partner bei DHR International Neumann. Im Recruiting spielen zudem zunehmend Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eine Rolle, etwa um Bewerberprofile auszuwerten. Wer heute seine Karriere als Headhunter plant, muss dafür offen sein.

Wie jeder Unternehmensberater muss auch ein Headhunter viel Zeit und Energie darauf verwenden, Kunden zu gewinnen. Als Recruiter muss man grundsätzlich gern in Netzwerken arbeiten und „gut mit Menschen können“ – aber eben auch Verkaufstalent haben. „Menschenkenntnis, Analyse und Stärke in der Kommunikation nützen nichts, wenn man sie nicht an den Kunden bringen kann“, bestätigt Reinhard Kolvenbach.

Karriereleitern

In großen Personalberatungsagenturen haben Berufseinsteiger die Möglichkeit, als Assistent, in der Recherche und bei Teilaufgaben in Projekten Erfahrungen zu sammeln und sich nach oben zu arbeiten. Kleinere Beratungsunternehmen haben einen solchen Mitarbeiterstab in der Regel nicht – hier steigt man eher nach einigen Jahren Berufserfahrung im Personalmanagement oder einer Fachposition ein.

Weitere Informationen

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z.B. Recruiter, Personalberater/in)
berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null

 

Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP)
www.personaldienstleister.de

 

Bundesverband deutscher Unternehmensberater (BDU)
www.bdu.de


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Stand: 21.09.2019