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Immer auf der Suche

Eine Hand greift nach einer Akte.
Erbenforscher müssen neben Organisationstalent auch einen „detektivischen Spürsinn“ sowie Durchhaltevermögen aufbringen.
Foto: Axel Jusseit

Hintergrund: Erbenforschung

Immer auf der Suche

Wenn selbst Nachlassgerichte, Rechtsanwälte oder Erbengemeinschaften Haupt- oder Miterben nicht mehr ausfindig machen können, kommen sie ins Spiel: Erbenforscher übernehmen die oft langwierige Recherche – und das über Grenzen hinweg.

Was passiert, wenn eine Person stirbt, aber weder ein Testament hinterlassen wird noch ein direkter Verwandter ermittelt werden kann? In diesem Fall übernehmen häufig Erbenforscher oder -ermittler die Suche nach dem rechtmäßigen Empfänger des Nachlasses. Sie kennen sich mit den gesetzlichen Vorgaben aus, recherchieren in Archiven und werten alte Quellen aus. Sie durchforsten Standesamts- und Melderegister, Adress- und Kirchenbücher, Fotoalben und Briefe, immer auf der Suche nach dem rechtmäßigen Erben. Auch mit den neuen Medien sind sie vertraut: Für ihre Arbeit nutzen sie neben Facebook und Twitter auch genealogische Websites, die speziell für Familiengeschichtsforscher und Ahnenforscher betrieben werden.

Porträt von Manfred Lack

Manfred Lack

Foto: privat

Wer hier erfolgreich sein will, muss also neben Organisationstalent auch einen „detektivischen Spürsinn“ mitbringen. Auch Erbrechtskenntnisse sowie Spaß an Archivarbeit sind ein Muss – genauso wie die Bereitschaft, für die Recherche mit Erbenforschern in anderen Ländern zusammenzuarbeiten beziehungsweise selbst zu reisen. Auch Fremdsprachenkenntnisse sind demnach von Vorteil: „Sie sind mitunter von entscheidender Bedeutung, da oft auch im Ausland ermittelt werden muss“, erläutert Manfred Lack, Berater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Das Wissen um Wanderbewegungen in Europa oder die Auswirkungen von Kriegseinflüssen zu unterschiedlichen Zeiten hilft zudem, familiäre Entwicklungen nachvollziehen zu können.

Quereinsteiger sind die Regel

Trotz des langen Anforderungskatalogs: Eine geregelte Ausbildung oder ein Studium, das gezielt auf diesen Beruf vorbereitet, gibt es in Deutschland aktuell nicht. Das weiß auch Manfred Lack: „Erbenforscher oder -ermittler ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Somit gibt es auch keine verbindliche Beschreibung notwendiger Vorkenntnisse. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Berufsfelder, die als Basis für einen Quereinstieg behilflich sein können. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise Juristen, Historiker oder auch Fremdsprachensekretäre von Bedeutung.“ Wer also Geschichte, Rechtswissenschaften oder Archivwesen studiert hat, hat einen guten Grundstein gelegt, um als Erbenforscher erfolgreich zu sein.

Nicht immer muss es jedoch ein Studium sein: Auch ausgebildete Fachangestellte für Medien- und Informationstechnik haben in ihrer Ausbildung Kenntnisse erworben, die ihnen bei einer Tätigkeit als Erbenforscher helfen können. Über eine Ausbildung zum Bürokaufmann (heute: Kaufmann für Büromanagement) gelangte Christian Andreas Hoske in den Beruf (siehe hierzu das Porträt „Vom Suchen und Finden der Erben“). Gezielte Vorbereitungskurse gibt es etwa vom Verband deutscher Erbenermittler sowie vom Weinsberger Forum der Gesellschaft für Wissensarbeit und Kommunikation. Hier werden den Teilnehmern die Grundlagen des Erbrechts, die Methoden zum Anfertigen eines Stammbaums sowie die Möglichkeiten der Erbenermittlung vermittelt.

Honorar nur im Erfolgsfall?

Erbenforscher arbeiten häufig selbstständig, können aber auch in einer Agentur angestellt sein. Ihre Aufträge erhalten sie in der Regel von Gerichten oder Privatpersonen, wobei letzteres weniger lukrativ ist. Privat angeheuerte Erbenermittler treten in der Regel in Vorleistung, das heißt: Ein Honorar wird erst fällig, wenn alle Erben gefunden sind. Üblich sind dann 30 bis 35 Prozent des Erbanteils. Gerichtlich bestellte Erbenermittler werden jedoch nach Stunden bezahlt – und zwar unabhängig vom Erfolg.

Weitere Informationen

Verband deutscher Erbenermittler e.V.

www.vdee-ev.de

Erbrecht heute

www.erbrecht-heute.de

Weinsberger Forum

Gesellschaft für Wissensarbeit und Kommunikation e.V.
www.seminar-erbenermittler.de/berufsbild-des-erbenermittlers.html 

abi>> 08.07.2016