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Einmal Gerichtssaal und zurück

Eine junge Frau in einer Richterrobe bespricht sich mit zwei Kollegen in einem Verhandlungssaal.
Die Voraussetzungen, um als Richterin oder Richter arbeiten zu können, sind je nach Bundesland unterschiedlich.
Foto: Martin Magunia

Jurist im öffentlichen Dienst

Einmal Gerichtssaal und zurück

Zwischen schwäbischer Provinz und hauptstädtischer Bundespolitik: Benjamin Köhnlein durfte bereits zahlreiche juristische Tätigkeiten kennenlernen. Derzeit arbeitet der 34-jährige Jurist beim Justizministerium Baden-Württemberg.

Als Referent für Bundesrats-, Landtags- und Kabinettsangelegenheiten im Stuttgarter Ministerbüro fliegt er beispielsweise einmal im Monat nach Berlin zum Rechtsausschuss des Bundesrats und wirkt dort als Vertreter seines Bundeslandes an der Bundesgesetzgebung mit. Die Plenarsitzungen des Landtags müssen natürlich auch vorbereitet werden. Außerdem hat der 34-Jährige die Justizministerkonferenz in Stuttgart und Berlin begleitet, bei der das Land Baden-Württemberg derzeit den Vorsitz hat.

Sehnsucht nach Gerichtsverhandlungen

Ein Porträt-Foto von Benjamin Köhnlein

Benjamin Köhnlein

Foto: Steffen Ganninger

Bevor Benjamin Köhnlein im Ministerium ankam, übte er bereits viele verschiedene juristische Tätigkeiten aus: Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen absolvierte er zunächst sein Referendariat beim Landgericht, bei der Staatsanwaltschaft und bei der Stadt Bamberg sowie bei einem örtlichen Rechtsanwalt. Außerdem war er bei einer internationalen Großkanzlei in Frankfurt am Main tätig.

„Nach dem Zweiten Staatsexamen war ich in dieser Großkanzlei, die ich schon aus dem Referendariat kannte, im Bankenbereich als Rechtsanwalt tätig“, berichtet der Jurist. Nach einem Jahr wurde Benjamin Köhnlein allerdings klar, dass ihm die Aufgaben in der Kanzlei zu spezialisiert waren, ihm die Verhandlungen im Gerichtssaal fehlten und er sich intensiver mit juristisch geprägten Fragestellungen befassen wollte. Daher entschied er sich für einen Wechsel in den öffentlichen Dienst, der ebenfalls anspruchsvolle Aufgaben für ihn bereithielt.

Nachbarschaftsstreit und Totschlag

„Ich bewarb mich beim Justizministerium Baden-Württemberg, weil ich als Staatsanwalt und Richter eigenständiger arbeiten kann und frei von Mandanteninteressen bin“, sagt der Jurist, der zunächst rund eineinhalb Jahre als Zivilrichter am Amtsgericht Crailsheim eingesetzt war. „Dort ging es um Fälle mitten aus dem Leben – von Nachbarschafts- über Mietstreitigkeiten bis hin zu Verkehrsunfällen. Häufig bin ich mit den streitenden Parteien ins Gespräch gekommen und konnte sie zu einer außergerichtlichen Einigung bewegen“, berichtet Benjamin Köhnlein.
Anschließend war er ein Jahr lang als Staatsanwalt in Ellwangen unter anderem für Verkehrsdelikte, Körperverletzungen, Raub- und Betrugsfälle, aber auch für Kapitaldelikte, beispielsweise einen Totschlagsfall, zuständig. „Hier fand ich die Zusammenarbeit mit der Polizei bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen besonders interessant. Außerdem haben wir uns unter den 23 Staatsanwälten immer über unsere Fälle ausgetauscht und uns gegenseitig unterstützt. Dabei habe ich viel gelernt“, erinnert er sich.

Über den Zeugenschutz ins Büro des Ministers

Vor rund zwei Jahren ist Benjamin Köhnlein für vier Jahre ins Justizministerium nach Stuttgart abgeordnet worden. „In der Strafrechtsabteilung war ich zunächst unter anderem für eine Zeugen- und Opferschutzkommission zuständig, aber auch mit der Dienstaufsicht über die rund 150 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte in Stuttgart befasst. Von ihnen ausgewählte Fälle habe ich für den Justizminister aufbereitet und an ihn berichtet.“ Anschließend verschlug es Benjamin Köhnlein direkt ins Ministerbüro.

Nach seinem Einsatz im Justizministerium möchte der Jurist, der mittlerweile auf Lebenszeit verbeamtet ist, gerne wieder ins Strafrecht zurückkehren, am liebsten als Richter an einem Landgericht. „Am meisten mag ich an der Justiz die Vielseitigkeit. Die Themen, auf die man trifft, sind so breit, dass es niemals langweilig wird“, schwärmt der 34-Jährige.

abi>> 25.01.2016