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Als Jurist bei der Polizei

Die Leiterin der Regionalen Kriminalinspektion bei einer Einsatzplanung mit ihren Mitarbeitern
Die Mitarbeiter beim BKA sind für die Kriminalitätsbekämpfung auf nationaler und internationaler Ebene zuständig.
Foto: Thomas Lohnes

Kriminaloberrat beim Bundeskriminalamt

Als Jurist bei der Polizei

Seit sieben Jahren arbeitet Christoph Becker (36) beim Bundeskriminalamt (BKA) in der Abteilung „Schwere und Organisierte Kriminalität“. Sein Beruf ist kaum zu vergleichen mit dem eines Schutzpolizisten, der täglich auf Streife geht – auch wenn beide das gleiche Ziel haben: Verbrechen verhindern und aufklären.

Die wichtigsten Aufgaben des BKA sind der Staatsschutz und die Bekämpfung von organisierter Kriminalität. Damit ist das BKA so etwas wie die zentrale Kriminalpolizei in Deutschland. Christoph Becker und seine Kollegen sind für die Kriminalitätsbekämpfung nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene zuständig, die sie vom Hauptsitz des BKA in Wiesbaden aus koordinieren. Alle Straftaten, die eine überregionale Bedeutung haben, werden hier gesammelt und ausgewertet. Anschließend werden die Informationen anderen nationalen und internationalen Polizeidienststellen zur Verfügung gestellt.

Als Quereinsteiger zum Kriminaloberrat

Ein Porträt-Foto von Christoph Becker

Christoph Becker

Foto: privat

In bestimmen Fällen ermittelt das BKA auch selbst, zum Beispiel, wenn es um besondere Fälle der Waffenkriminalität geht. „Wird in Deutschland eine Waffe sichergestellt, müssen wir herausfinden, woher sie stammt und ob dieser Typ Waffe schon öfter in Zusammenhang mit Gewaltverbrechen oder anderen Straftaten aufgetaucht ist. Denn potenziell geht von jeder Waffe eine Gefahr aus“, sagt Kriminaloberrat Christoph Becker. Regelmäßig kooperiert das BKA mit anderen Polizeidienststellen oder ausländischen Behörden. Neben Wiesbaden verfügt das BKA über zwei weitere Standorte in Berlin und Meckenheim bei Bonn. Die Abteilung, für die Christoph Becker arbeitet, ermittelt in erster Linie in den Bereichen Cyberkriminalität, Gewalt- und Schwerkriminalität, Eigentumskriminalität, Rauschgiftkriminalität sowie Wirtschafts- und Finanzkriminalität.

Anders als viele Kollegen ist der Jurist nicht über ein Studium bei der Polizei zu dem Beruf gekommen, sondern hat sich als Seiteneinsteiger beworben. Nach seinem Jurastudium in Marburg arbeitete er zunächst zwei Jahre in der Rechtsabteilung der Stadtwerke Gießen. „Ich hatte schon früher mit dem Gedanken gespielt, zur Polizei zu gehen. Dass es letztendlich das BKA wurde, war aber Zufall.“ In einer Juristenzeitung entdeckte er eine Ausschreibung, in der nach Seiteneinsteigern für den höheren Dienst gesucht wurde. „Zu dem Zeitpunkt war das noch nicht regelmäßig der Fall, aktuell stellt das BKA fast jedes Jahr Quereinsteiger ein.“

Voraussetzung für seine Bewerbung war eine Abschlussnote von mindestens „befriedigend“ für beide Staatsexamen, außerdem musste er Fremdsprachenkenntnisse nachweisen. Zum mehrtägigen Bewerbungsverfahren gehörte neben einem Assessment-Center, einem Sporttest und einer ärztlichen Untersuchung ein psycho-diagnostischer Test. Seitdem war er in verschiedenen Bereichen des BKA eingesetzt und wurde bereits vom Kriminalrat zum Kriminaloberrat befördert.

Jede Menge Verantwortung

Komplexe Sachverhalte verstehen, wichtige Entscheidungen treffen – als Kriminaloberrat trägt der 36-Jährige viel Verantwortung. „Die größte Herausforderung für mich als Quereinsteiger war der Sprung ins kalte Wasser. Von Beginn an war ich gemeinsam mit meinem Vorgesetzten für 50 Mitarbeiter zuständig – das ist eine Menge Verantwortung.“ Mittlerweile weiß er, dass die Personalführung das ist, was ihm besonders Spaß macht.

Sein Fachwissen als Jurist ist vor allem im Bereich Waffenrecht gefragt. Derzeit führt ihn sein Weg regelmäßig nach Berlin, um dort die ministerielle Ebene bei der Einführung eines neuen Waffengesetzes zu beraten. „Der Job ist nichts für Leute, die gerne viel auf der Straße unterwegs sein wollen. Da das BKA auch polizeiliche Zentralstelle ist, das heißt koordinierend für die deutschen Polizeien tätig ist, gehört viel Gremienarbeit dazu“, erklärt Christoph Becker. So mühsam die Schreibtischarbeit manchmal sein kann, umso toller findet er es, „aus der Praxis heraus kriminalpolizeilich zu beraten“. Sein nächstes Ziel ist nun eine Beförderung zum Kriminaldirektor. „Und möglichst bald würde ich gerne ein eigenes Referat im BKA leiten.“

abi>> 05.09.2016