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Wenn zwei sich streiten, ...

Eine Frau arbeitet am Schreibtisch.
Rechtliche Streitigkeiten müssen nicht unbedingt vor Gericht ausgefochten werden. Mediatoren helfen dabei, außergerichtliche Lösungen zu finden.
Foto: Friso Gentsch

Mediator

Wenn zwei sich streiten, ...

... freut er sich nicht, sondern erarbeitet gemeinsam mit den Streithähnen eine Lösung: der Mediator. Rechtsanwalt Jan Koch (34) ist so ein neutraler Vermittler. Er unterstützt Hilfesuchende vor allem im Bereich Familienrecht.

Sein Faible für die Juristerei wurde Jan Koch quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater, der ebenfalls Anwalt ist, nahm den Sohn schon früh mit in die Kanzlei und zu Anhörungen. „Darüber hinaus hatte ich seit jeher einen großen Gerechtigkeitssinn, dem ich als Anwalt natürlich nachkommen kann“, so der 34-Jährige, der nach dem Studium der Rechtswissenschaften seine eigene Fachanwalts- und Mediationskanzlei in Konstanz am Bodensee eröffnete. Dort arbeitet er als Fachanwalt für Familienrecht und Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie als Mediator.

Fachwissen kombiniert mit Zusatzausbildung

Ein Porträt-Foto von Jan Koch.

Jan Koch

Foto: privat

Seine Expertise als Fachanwalt ist ihm, wenn es um die Vermeidung eines teuren und langwierigen Rechtsstreits geht, natürlich sehr nützlich. Doch da das allein noch keinen guten Mediator ausmacht, hat Jan Koch im Jahr 2014 eine Ausbildung zum Mediator mit dem Schwerpunkt Familienrecht am Fortbildungsinstitut Stuttgart-Sonnenberg absolviert. „Dort habe ich mir das nötige Know-how für die professionelle Begleitung von Konfliktparteien und zur konstruktiven Konfliktlösung praxisorientiert angeeignet, etwa Kommunikationstechniken, Interventionsmethoden und wie eine Mediation abläuft.“ Neben fundiertem Wissen seien aber auch einige Soft Skills für den Beruf des Mediators relevant: „Neben der Freude an der Arbeit mit Menschen und an der Kommunikation, muss man auch in der Lage sein, ausreichend Distanz zu den Medianten zu bewahren. Man darf nicht in die Rolle des Psychologen oder Paartherapeuten schlüpfen, was gerade im Familienrecht nicht immer einfach ist.“

Positionen verstehen und Interessen ausloten

Ziel der Mediation, an der übrigens alle Beteiligten freiwillig teilnehmen müssen, ist es, zu kooperieren statt ein Gericht entscheiden zu lassen. Das bedeute laut Jan Koch auch, dass er den beiden Parteien keine fertigen Lösungen vorgibt, sondern die Medianten die Lösungen mit seiner Unterstützung selbst erarbeiten, sodass dies für beide Seiten zufriedenstellend ist. Auch habe er als Mediator keine Entscheidungsbefugnis.

Streit kann zum Beispiel im Rahmen einer Scheidung entstehen, wenn es um Regelungen des Vermögens, Unterhaltszahlungen oder die Aufteilung gemeinsamer Haushaltsgegenstände geht, aber auch um das Umgangs- und Sorgerecht für die Kinder. Im Detail läuft die Mediation in verschiedenen Phasen über mehrere Sitzungen ab – von der Zielbestimmung über die Themensammlung und Abklärung der jeweiligen Interessen und Bedürfnisse bis hin zur nachhaltigen Lösungsfindung. Das Ganze, also quasi der entstandene Kompromiss, wird dann am Ende vom Mediator in eine juristische Form gebracht, die dann auch vor Gericht Bestand hätte.

Teil der Lösung sein

„Eine Trennung ist, insbesondere wenn Kinder im Spiel sind, ein sehr emotionales Thema. Umso schöner ist es, wenn die Parteien nicht im Streit vor Gericht landen, wo die Situation dann oft eskaliert“, erklärt der Mediator. Zum Glück bleibt das den meisten seiner Medianten erspart. Ein Teil dieser Lösungsfindung zu sein, sei ein sehr befriedigender Part seiner herausfordernden Arbeit – vor allem wenn es zu Beginn noch aussichtslos erscheint. „Wenn alle als Gewinner aus dem Streit hervorgehen, macht mich das sehr glücklich.“

abi>> 21.05.2018