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Datenanalyse für aktuelle politische Debatten

Ein Mann telefoniert an seinem Arbeitsplatz im Büro.
Volkswirte kümmern sich etwa um die Analyse und Präsentation von wirtschaftlichen Daten. Zudem sind sie oftmals in beratender Funktion tätig.
Foto: Susanne Erler

Volkswirtin

Datenanalyse für aktuelle politische Debatten

Banken, Finanzkrise, gesamtwirtschaftliche Stabilität: Wann immer es in politischen Diskussionen um wirtschaftliche Prozesse geht, sind Experten gefragt – zum Beispiel Volkswirte. Sie erforschen gesamt- und einzelökonomische Phänomene, vor allem durch die Analyse von Daten. Eine von ihnen ist Franziska Bremus (36).

Sie arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Makroökonomie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Volkswirtin hat sich auf die Themenbereiche Finanzmärkte, gesamtwirtschaftliche Stabilität und Finanzmarktregulierung spezialisiert: „Mich interessiert besonders die Verbindung von einzel- und gesamtwirtschaftlichen Aspekten“, erzählt sie. „Zum Beispiel kann man untersuchen, wie sich die Stabilität einzelner Banken auf das Wirtschaftswachstum auswirkt.“

Für Fachwelt und Laien

Ein Porträt-Foto von Franziska Bremus

Franziska Bremus

Foto: Florian Schuh

Fragen wie diese erforscht sie durch die Analyse von Daten, beispielsweise aus Banken- und Unternehmensbilanzen, also deren Übersicht über Einnahmen und Ausgaben, Vermögen und Schulden. „Meine Ergebnisse stelle ich auf Fachtagungen vor und verfasse wissenschaftliche Texte“, berichtet die Volkswirtin. „Ein Teil meiner Arbeit besteht aber auch darin, die Ergebnisse allgemeinverständlich für Außenstehende zu präsentieren. Wir im DIW Berlin sind in der Politikberatung tätig und sprechen mit Vertretern von Ministerien oder Parlamentariern, auch aus internationalem Umfeld. Wir erklären Besuchergruppen unsere Arbeit und erläutern Medienvertretern wirtschaftliche Sachverhalte.“ Um ihre Forschung betreiben zu können, muss Franziska Bremus außerdem Drittmittel einwerben. „Unsere Tätigkeit ist zu etwa zwei Dritteln aus staatlichen Mitteln von Bund und Ländern finanziert“, erläutert sie. „Um das letzte Drittel müssen wir uns selbst kümmern.“

Außerdem koordiniert die 36-Jährige eine Nachwuchsforschergruppe, die ein Projekt der Leibniz-Gemeinschaft zum Thema Europäische Kapitalmarktintegration bearbeitet. Weiterhin ist sie in der Redaktion des DIW Wochenberichts tätig: „Mir gefällt die Vielfalt der Aufgaben in meinem Beruf“, erzählt Franziska Bremus. „Man analysiert Daten, schreibt Texte, arbeitet allein und auch viel im Team. Man ist oft auf Reisen, um sich mit anderen in der Welt, beispielsweise an Universitäten oder Zentralbanken, auszutauschen und wird gehört, wenn eine Expertenmeinung in einer aktuellen politischen Debatte gefragt ist.“

Mathe, Deutsch und Englisch

Für diese vielfältige Tätigkeit sind unterschiedliche Kenntnisse nötig: „Ich mag besonders die Kombination aus mathematischer Analyse, den geisteswissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen sowie der Textarbeit“, erläutert die Volkswirtin ihre Arbeit. „Wenn man das in Schulfächern ausdrückt, sollte man gerne Mathe, Deutsch, Sozialkunde und Englisch gemacht haben.“ Neben Deutsch ist Englisch die Arbeitssprache, in der viele Texte verfasst, Tagungen sowie Vorlesungen an der Universität abgehalten werden.

Franziska Bremus hat ihre Sprachkenntnisse bei einem zweijährigen Auslandsaufenthalt in Kanada vertieft, wo sie ihren Master gemacht hat. In Deutschland hatte sie nach dem Abitur Internationale Volkswirtschaftslehre an der Uni Tübingen studiert und mit dem Diplom abgeschlossen. Nach einem Forschungspraktikum bei der Bundesbank hat sie am Doktorandenprogramm des DIW Berlin teilgenommen und in der Makroökonomie- und Konjunkturabteilung ihre Promotion abgeschlossen. Auf ihre Forschungstätigkeit wurde sie im Studium bestens vorbereitet: „Das Studium ist inhaltlich und methodisch wissenschaftlich orientiert“, berichtet sie. „Man lernt da sehr gut, wie man wissenschaftlich arbeitet. Allerdings kommen andere Bereiche wie Projektmanagement, Textarbeit, Öffentlichkeitsarbeit oder Soft Skills eher zu kurz. Das muss man sich dann später selbst aneignen.“

„Viele Freiheiten“

Die Promotion ist für die Arbeit in der Forschung unbedingte Voraussetzung. „Nach der Doktorarbeit eine Stelle ohne Befristung im Forschungsbereich zu finden, ist nicht immer ganz einfach.“ Die promovierte Volkswirtin hat mittlerweile einen unbefristeten Arbeitsvertrag und mag ihre Arbeit sehr: „Man muss sich und seine Aufgaben selbst organisieren können, denn man hat viele Freiheiten. Wem das liegt, für den ist es ein dynamischer und vielfältiger Job.“

abi>> 19.09.2018