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Wie interagieren zwei Sprachen in einem Kopf?

Eine junge Frau steht in der Bibliothek und liest
Ein Übersetzungsprojekt erfordert Freude an Sprache und intensiver Recherche.
Foto: Swen Reichhold

Anglist

Wie interagieren zwei Sprachen in einem Kopf?

Recherchieren, akquirieren, Versuche leiten, Daten auswerten: Diese Tätigkeiten gehören zu Arndt Heilmanns Forschungsalltag am Lehrstuhl für Anglistische Sprachwissenschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. abi>> erzählt der 31-Jährige von dem Übersetzungs-Projekt, seiner Doktorarbeit und seinen Zukunftsplänen.

Wie lange hat ein Übersetzer benötigt, um einen Text zu lesen? Und wie lange, um ein einzelnes Wort zu tippen? Solche Fragen stellt sich Arndt Heilmann bei seiner Arbeit. „Tricklet“ ist der Titel des Projekts, an dem er mit vier Kollegen arbeitet. Die Abkürzung steht für „Translation Research in Corpora, Keystroke Logging and Eye Tracking“. Das „ganz große Ziel“ ihrer Forschung sei es, herauszufinden, welche Faktoren welchen Einfluss auf den Übersetzungsprozess haben und eine empirische Übersetzungstheorie zu entwickeln, erklärt der 31-Jährige.

Disziplin und Sorgfalt

Ein Porträt-Foto von Arndt Heilmann

Arndt Heilmann

Foto: privat

Arndt Heilmanns Aufgabe besteht darin, Probanden für das Projekt zu akquirieren und zu briefen und nach geeignetem Stimulus-Material zu recherchieren, also Texte zu finden oder zu generieren, die vom Englischen ins Deutsche übersetzt werden sollen. Bei den Versuchen arbeitet des Team unter anderem mit einem sogenannten Remote Eye Tracker: Am Computerbildschirm eingelassen registriert das Gerät Blickbewegungen – und zwar ohne die Versuchsperson bei ihrer Arbeit zu beeinflussen. Die gewonnenen Daten müssen anschließend eingepflegt und ausgewertet werden. Vor allem seien dabei Disziplin und Sorgfalt gefragt, betont Heilmann: „Die Experimente generieren enorm viele Daten, die in eine riesige Excel-Tabelle übertragen werden. Schon ein kleiner Fehler kann dabei die gesamte Auswertung unbrauchbar machen …“

Studien für Dissertation

Sein „English Studies“-Studium habe ihm für seine jetzige Aufgabe eine solide Basis geliefert, vor allem die sprachwissenschaftlichen Komponenten. Manche Fähigkeiten musste er sich allerdings selbst aneignen, etwa das Programmieren: „Dies macht das Leben deutlich einfacher beziehungsweise manches erst möglich: Bei der Masse an Daten ist die Arbeit manuell gar nicht mehr zu stemmen.“

Im Rahmen des „Tricklet“-Projekts führt Arndt Heilmann eigene Studien für seine Dissertation durch, die wiederum inhaltlich an die Abschlussarbeit anschließt, mit der er 2015 sein Zweifach-Masterstudium in Politikwissenschaften und English Studies beendete. Direkt im Anschluss erhielt er die sogenannte Qualifikationsstelle: Insgesamt sechs Jahre hat er Zeit, um seinen Doktor zu machen. Er will bereits in diesem Jahr fertig werden – und dann weiterziehen, um an anderen Lehrstühlen Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzubilden. „Die Hochschulen vergeben derzeit nur ungern lange oder gar unbefristete Verträge, und als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist man relativ prekär beschäftigt“, schildert Arndt Heilmann die Arbeitsmarktsituation.

Mehr als Geld und Sicherheit

Sein nächstes Ziel ist der Professorentitel. Das bedeutet, sich für die Habilitation erneut auf eine Qualifikationsstelle zu bewerben. Eine Alternative zur Professur sei es, selbst Forschungsanträge zu stellen und sich darüber an einem Lehrstuhl zu finanzieren – dann aber sei an eine langfristige Lebensplanung nicht zu denken, meint der 31-Jährige. Auch aufgrund dieser „schwierigen Jobsituation für Nicht-Professoren“ sei es ganz wichtig, dass man für seine Arbeit einen anderen Anreiz als Geld oder Absicherung habe und eine Motivation aus sich heraus entwickle. Ihn selbst treiben Fragen an wie: Wieso können wir überhaupt sprechen? Und wie interagieren zwei Sprachen in einem Kopf? „Das finde ich ungeheuer aufregend“, schwärmt er und fügt hinzu: „Wenn man dann noch einen Lehrstuhl findet, der es einem ermöglicht, entsprechende Experimente durchzuführen, ist das eine tolle Sache.“

abi>> 01.05.2019

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