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"Beim Zeichnen habe ich die besten Ideen"

Ein Mann arbeitet mit einem Grafiktablet (interaktives Display).
Inzwischen arbeiten Zeichner zwar hauptsächlich digital, mit Stift und Papier sollten sie dennoch umgehen können.
Foto: Helge Gerischer

Animatorin

"Beim Zeichnen habe ich die besten Ideen"

Die Animatorin Ulrike Niedlich (35) kreiert Zeichentrickwelten. Früher hat sie Kinderlieblinge wie Rabe Socke oder Ritter Rost zum Leben erweckt, heute ist sie auf Erklärvideos spezialisiert. Ihre ersten Ideen entwickelt sie jedoch nicht am Computer, sondern auf dem Papier.

Das ist Nabiel. Er kommt aus Syrien. Nun möchte er als Lebensmittelhändler durchstarten. Was muss Nabiel dafür alles tun und wer hilft ihm dabei?“, sagt eine Sprecherstimme, die in den folgenden zwei Minuten Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt. Zu sehen ist eine Zeichentrickwelt aus Amtsgebäuden, durch die sich eine Cartoonfigur bewegt. „Ich habe mir im Internet Bilder von syrischen Männern angeschaut und überlegt, wie eine passende Hauptfigur aussehen könnte“, erklärt Ulrike Niedlich.

Nach der Recherche beginnt für sie der schönste Teil ihrer Arbeit: „Als erstes mache ich Bleistiftskizzen von den wichtigsten Figuren und Szenen, um den passenden Stil fürs Thema zu finden. Das ist die kreativste Phase während eines Projektes“, findet sie. Man müsse viel und regelmäßig üben, um genau nach seinen Vorstellungen zeichnen zu können. Schon als Jugendliche hatte Ulrike Niedlich ein Faible für genaues Beobachten und Abzeichnen. „In jede Idee für eine neue Figur fließen Erfahrungen ein, also eigentlich alles, was man mal gesehen und gemalt hat. Das hat für mich weniger etwas mit Fantasie, sondern mehr mit Kreativität zu tun, weil ich mich letztlich an der realen Welt orientiere“, meint die 35-Jährige.

Freiberuflich arbeiten für ein Trickfilmstudio

Ein Porträt-Foto von Ulrike Niedlich

Ulrike Niedlich

Foto: Sven Peter/Agentur Plan B

Die Grundlagen fürs Zeichnen erlernte die gebürtige Potsdamerin an der privaten Internationalen Filmschule Köln, die damals eine einjährige Weiterbildung im Bereich Animation anbot. „Dazu gehören zum Beispiel das Naturstudium oder Aktzeichnen, und natürlich die Basics der verschiedenen Animationstechniken. Wir haben sehr viel Zeichentrick, also 2-D-Animation, gemacht“, erinnert sie sich. Danach arbeitete Ulrike Niedlich freiberuflich für ein Kölner Trickfilmstudio und animierte Figuren und Szenen für Kino- und Fernsehproduktionen wie „Ritter Rost“, „Rabe Socke“ oder „Siebenstein“.

Da sie einen Studienabschluss wollte, bewarb sie sich an der renommierten Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf für den Bachelorstudiengang Animation. „Das Studium fokussierte sehr auf 3-D-Animationen, da war ich dann eigentlich ganz weg vom Stift. Irgendwann merkte ich, diese hochtechnisierten Prozesse sind eigentlich doch nicht mein Ding“, sagt sie.

Erklärvideos für unterschiedliche Kunden

Daher kreiert, zeichnet und animiert sie heute lieber zweidimensionale Bilderwelten für erklärungsbedürftige Produkte und Themen, im Auftrag von Unternehmen, Organisationen oder öffentlichen Einrichtungen. Das Themenspektrum ist sehr vielseitig und reicht von Erzählcafés für Schwangere und Mütter über die Erläuterung der verschiedenen Energielabels für ein Ministerium bis hin zur Funktionsweise von Unfallmeldesteckern eines Versicherungsunternehmens. „Ich bespreche mit den Kunden die Inhalte und die Zielgruppe des jeweiligen Videos. In der Regel bekomme ich auch ein paar gestalterische Vorgaben zum Stil oder zu den Farben, die sich oft am Logo oder der Webseite orientieren“ erklärt sie. Innerhalb dieses Rahmens könne sie sich dann austoben.

Bevor sie mit den ersten Zeichnungen beginnt, googelt sie oft Fotoaufnahmen und lässt sich inspirieren. Ist sie von einem Entwurf überzeugt, überträgt sie die Figuren und Objekte auf ihr digitales Zeichenbrett und arbeitet ein Storyboard mit allen Szenen aus. Danach werden die Bilder am Computer koloriert und zum Schluss mit Hilfe von Animationsprogrammen in Bewegung gebracht.

„Ich mag meine Arbeit sehr, aber es ist schon ein bisschen verrückt: Um beruflich zeichnen zu können, bin ich Animatorin geworden“, sagt Ulrike Niedlich, die selbst auch stets in Bewegung bleibt. So hat sie kürzlich eine Weiterbildung zur Illustratorin abgeschlossen und würde nun gerne auch Kinderbücher gestalten.

abi>> 09.07.2018