Von Leseratten und Bücherwürmern

Eine Buchhändlerin hilft einer Kundin bei der Auswahl eines Buchs.
Wer sich für die Ausbildung zum Buchhändler entscheidet, sollte nicht nur ein Bücherwurm sein. Kommunikationsfreude und Verkaufstaltent gehören ebenso zu den Anforderungen.
Foto: Thomas Lohnes

Buchhändler – Hintergrund

Von Leseratten und Bücherwürmern

Den ganzen Tag zwischen tausenden von Büchern verbringen, in den neuesten Krimis schmökern und über aktuelle Bestseller diskutieren: Was für Literaturfans nach einer traumhaften Vorstellung klingt, ist für Buchhändler Realität. Doch um als Buchhändler erfolgreich zu sein, ist weit mehr als die Liebe zum gedruckten Wort gefragt.

Natürlich, Buchhändler lieben Bücher und lesen gerne. Das bestätigt auch Monika Kolb-Klausch: „Die Liebe zum Buch und die Kompetenz im Bereich der Literatur ist der Hauptgrund für diese Berufswahl. Das ist richtig, wichtig und notwendig.“ Monika Kolb-Klausch ist Bildungsdirektorin im Börsenverein des deutschen Buchhandels und Geschäftsführerin des Mediacampus. Das Tochterunternehmen des Börsenvereins ist die zentrale Aus- und Weiterbildungseinrichtung der Buchbranche.

Die Expertin weist aber auch auf die Anforderungen hin, die an junge Menschen gestellt werden, die sich für diesen Beruf interessieren: „Der Buchhandelsmarkt hat sich enorm verändert. Der Wettbewerb ist vielfältiger geworden, daher sind auch weitergehende Kompetenzen notwendig, die während der Ausbildung vermittelt werden“, betont sie und ergänzt: „Wichtig sind eine wirtschaftliche Herangehensweise, eine hohe Affinität zu unterschiedlichen Medien sowie Organisationsgeschick. Und sehr wichtig ist, dass man als Buchhändler leidenschaftlich und erfolgreich Bücher an die Kunden bringt. Die Verkaufskompetenz darf nicht fehlen!“ Mehr über den Berufsalltag erfährst du in der Reportage „Leidenschaft für Literatur“.

Von Sortimentsgestaltung bis Verkauf

Ein Porträt-Foto von Monika Kolb-Klausch

Monika Kolb-Klausch

Foto: privat

Ein angehender Buchhändler lernt alles, was in einer Buchhandlung ansteht – von der Sortimentsgestaltung über die Beratung von Kunden bis hin zum Verkauf. Aber auch das Erstellen von Marketingkonzepten sowie die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen wie Autorenlesungen gehören zum Aufgabenspektrum.

Begleitend zur beruflichen Ausbildung besuchen die angehenden Buchhändler eine Berufsschule. In Deutschland gibt es in verschiedenen Städten Fachklassen für Buchhändler. Der Unterricht kann wöchentlich an festgelegten Tagen stattfinden oder sich als Blockunterricht über verschiedene Zeiträume erstrecken. „Rund zwei Drittel der Buchhändler-Auszubildenden werden derzeit an unserer brancheneigenen privaten Berufsschule, dem Mediacampus Frankfurt, ausgebildet“, sagt Monika Kolb-Klausch.

In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre, bei entsprechend guten Noten kann sie in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb auch um ein halbes oder ganzes Jahr verkürzt werden. Mehr über die Inhalte und Abläufe erfährst du im Beitrag „Rund ums Buch“ sowie im typischen Tagesablauf.

Veränderungsprozesse nutzen

2016 gab es insgesamt rund 1.100 laufende Ausbildungsverhältnisse und knapp 400 neue Ausbildungsverträge für Buchhändler. Die Betriebe stellen überwiegend Abiturienten ein. Rund 80 Prozent der angehenden Buchhändler sind weiblich. „Entgegen mancher pessimistischer Einschätzungen bleibt die Buchhandelsbranche stabil“, ist sich Monika Kolb-Klausch sicher. Sie erklärt: „Das Online-Geschäft der Buchhandlungen gewinnt weiter an Bedeutung. Der Kunde verbindet dabei die Online-Präsenz mit dem Besuch in seiner Buchhandlung und gibt gerne mehr Geld für sein Buch aus.“ Wie die Expertin erklärt, sei es die Aufgabe eines modernen Buchhändlers, sich diesen dynamischen Veränderungsprozessen der Branche mit Fachkompetenz und Begeisterung zu stellen.

Nach der Ausbildung gibt es verschiedene Perspektiven für eine berufliche Weiterentwicklung. Betriebsintern ist durch Weiterbildungen der Aufstieg zum Abteilungs- und später zum Filialleiter möglich. Absolventen mit Abitur können aber ebenso ein Studium mit Schwerpunkten wie Buchhandels-, Verlags- oder Medienmanagement sowie Buchwissenschaften in Erwägung ziehen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Buchhändler/in)

https://berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

https://jobboerse.arbeitsagentur.de

AusbildungPlus

Die Plattform des Bundesinstituts für Berufsbildung bietet einen Überblick über duale Studiengänge und Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen.
www.ausbildungplus.de

Börsenverein des deutschen Buchhandels

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels vertritt unter anderem die Interessen von Verlagen und Buchhandlungen, veranstaltet die Frankfurter Buchmesse und engagiert sich in der Leseförderung. Unter „Ausbildung“ findest du Infos zu Ausbildungsberufen in der Buchbranche.
www.boersenverein.de

 

Buchhändlerin

Leidenschaft für Literatur

Catharina Schölzel liest selbst sehr gerne, schätzt an ihrem Beruf aber noch weit mehr als das. Seit drei Jahren arbeitet die 26-jährige Buchhändlerin in einer unabhängigen kleineren Buchhandlung in Bruchsal.

Ihr Arbeitsspektrum reicht von der Kundenberatung über die Organisation von Lesungen bis hin zum Gestalten der Schaufenster. „Man macht von allem etwas. Wir sind sehr nah am Kunden und so etwas wie eine kulturelle Anlaufstelle in der Stadt“, erzählt Catharina Schölzel, die mit drei Kolleginnen in einer Buchhandlung in Bruchsal zusammenarbeitet.

Ein Porträt-Foto von Catharina Schölzel

Catharina Schölzel

Foto: privat

„Wir beraten unsere Kunden, wir erfragen ihre Wünsche, empfehlen ihnen Bücher und helfen auch mal weiter, wenn sie Probleme mit ihrem E-Reader haben“, berichtet die 26-Jährige von ihrem abwechslungsreichen Tagesablauf. „Zweimal im Jahr kommen die Verlagskataloge. Die schauen wir durch und überlegen, was unseren Stammkunden gefallen könnte. Da wir nicht so viel Platz haben, ist es wichtig, einschätzen zu können, was gut ankommt, schließlich sind wir nicht nur Bücherfreunde, sondern müssen auch kaufmännisch denken.“ Dazu kommen dann die „Schmankerl“, wie Catharina Schölzel unterschiedliche Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Fahrten zur Buchmesse oder Leseförderungs-Aktionen nennt. „Unsere Buchhandlung ist in diesem Bereich sehr aktiv“, sagt sie. „Es gibt immer etwas zu organisieren.“

Zu ihrem Traumberuf hat die junge Frau nicht gleich nach ihrem Abitur 2009 gefunden. Auf der Suche nach dem richtigen Berufsziel hat sie noch eine Weile gejobbt. „Als ich mich über eine schlechte Verfilmung eines meiner Lieblingsbücher aufgeregt habe, hat mich ein Freund gefragt, warum ich nicht was mit Büchern mache, das sei doch wohl meine Leidenschaft.“ Mit viel Hartnäckigkeit und häufigem persönlichen Nachfragen hat Catharina Schölzel dann 2012 die gewünschte Ausbildungsstelle bei einer großen Buchhandlungskette in Karlsruhe bekommen.

Auf Menschen zugehen können

Da sie bei ihrem Ausbildungsbetrieb keine Festanstellung bekam, hat sich Catharina Schölzel nach der dreijährigen Ausbildung bei vielen Buchhandlungen im Raum Karlsruhe beworben. „Zunächst gab es nur Absagen, aber dann hat es doch noch geklappt“, freut sie sich und merkt an: „Das ist überhaupt etwas, was man anderen jungen Leuten, die sich wirklich für den Beruf interessieren, immer wieder sagen sollte: Lass dich nicht entmutigen.“

Allerdings, räumt sie ein, müsse man schon Einiges mitbringen, um in dem Beruf Fuß zu fassen. Ganz wichtig sei neben einer guten Allgemeinbildung und der Begeisterung fürs Lesen auch der richtige Umgang mit den Kunden. „Freundlich sein, gute Umgangsformen haben, auf Menschen zugehen, mit Empathie beraten und Gespräche führen können, aufgeschlossen sein für Interessen und Vorlieben anderer. Das ist zwingend notwendig. Und dazu sollte man auch digital affin sein, egal ob es um E-Reader oder Bestellsysteme am PC geht“, fasst Catharina Schölzel zusammen. Außerdem solle man stressresistent sein und keine Probleme damit haben, überwiegend im Stehen zu arbeiten.

Für ihre nahe Zukunft hat Catharina Schölzel momentan keine beruflichen Veränderungswünsche. „Ich bin zufrieden und glücklich wie es ist – was will man mehr“, freut sich die 26-Jährige.

 

Buchhändler

Rund ums Buch

Kommunikationsfreude, Verkaufstalent, Engagement und Kreativität – diese Eigenschaften sind in Philipp Nawroths Ausbildung jeden Tag aufs Neue gefragt. Der 27-Jährige erlernt bei Osiander in Tübingen den Beruf des Buchhändlers.

Über Umwege kam Philipp Nawroth zu seinem Berufswunsch: Zunächst studierte er nach dem Abitur sechs Semester BWL. Nachdem er anschließend eineinhalb Jahre selbstständig im Dienstleistungsbereich tätig war, suchte er eine neue Herausforderung und stieß schließlich auf den Beruf des Buchhändlers: „Ich hatte den Wunsch, im Verkauf tätig zu sein. Die Affinität zum Buch und zur Literatur stand eher an zweiter Stelle“, erinnert er sich.

Der 27-Jährige bewarb sich bei Osiander, einem Familienunternehmen, das im süddeutschen Raum mit knapp 40 Filialen vertreten ist und seinen Hauptsitz in Tübingen hat. Nach einem Bewerbungsgespräch, einer Gesprächsrunde mit anderen Bewerbern, einer Buchvorstellung und einer Woche Probearbeiten hatte er den Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Kundenkontakt ab dem ersten Tag

Ein Porträt-Foto von Philipp Nawroth

Philipp Nawroth

Foto: Steffen Sixt

Mittlerweile befindet sich Phillip Nawroth im zweiten Jahr der dreijährigen Ausbildung. Besonders gut gefällt ihm, dass er von Beginn an in alle Tätigkeiten eingebunden wurde: „Vom ersten Tag an arbeitet man voll in der Filiale mit und hat Kontakt zu den Kunden. Am Anfang muss man natürlich noch viel nachfragen, aber mit der Zeit wird man an alle Aufgaben herangeführt“, erklärt der Auszubildende.

Das Gespür, welche Bücher bei welchen Kunden gut ankommen, kommt mit der Erfahrung: „Wenn es etwa um die Bestellungen geht, muss man seinen Kundenstamm kennen und einschätzen können, welche Titel sich besonders gut verkaufen.“

Online-Shops und E-Books

Philipp Nawroths Ausbildung findet überwiegend in der Filiale in Reutlingen statt, er lernt aber auch verschiedene Abteilungen in der Zentrale kennen. Einblick hat er bereits in den Einkauf, in die Logistik und in den Versand des Online-Shops erhalten. Zwei Monate war er im E-Book-Support, wodurch er viel Erfahrung im Umgang mit Kunden gesammelt hat. Dort musste er Geduld und Einfühlungsvermögen unter Beweis stellen, denn „in der Regel wenden sich Kunden nur an den Support, wenn es Probleme oder Ärger gibt“. Dabei hat er auch viel über die Technik und Anwendungsmöglichkeiten eines E-Books gelernt.

Etwas anstrengend findet es Philipp Nawroth, wenn er Dienst an der Kasse hat, „aber auch das gehöre eben dazu“. Grundsätzlich findet er den Beruf des Buchhändlers aber sehr spannend: „Gerade weil die Branche im Umbruch ist und sich neuen Herausforderungen stellen muss, hat man als Mitarbeiter die Chance, diese Veränderungen aktiv mitzugestalten und eigene Ideen einzubringen“, freut sich der Auszubildende.

BWL und Literaturlisten in der Berufsschule

Philipp Nawroth besucht während seiner Ausbildungszeit zweimal neun Wochen am Stück den Mediacampus Frankfurt, die private Berufsschule des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. „Vor dem ersten Berufsschulblock haben wir eine Liste mit Büchern bekommen, die wir dann im Unterricht durchgesprochen haben“, erklärt er. Schließlich muss ein Buchhändler über umfangreiches literarisches Wissen verfügen. Daneben setzen sich die Azubis vor allem mit betriebswirtschaftlichen Inhalten auseinander.

Zusätzlich zu seiner Ausbildung engagiert sich Philipp Nawroth als Nachwuchssprecher im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Hier setzt er sich unter anderem für Fragen der Vergütung, der Ausbildungsqualität und der Vernetzung des Nachwuchses in der Buchbranche ein.

Verantwortung übernehmen

Am Ende des Jahres wartet eine besondere Herausforderung auf Philipp Nawroth: Zusammen mit einem weiteren Auszubildenden wird er für zwei bis drei Monate eine Azubi-Filiale in Tübingen selbständig leiten. Das bedeutet, sie sind verantwortlich für den Umsatz, den Verkauf, die Sortimentsgestaltung und alles, was in einer Buchhandlung anfällt. Auf diese Weise kann der 27-Jährige seine bereits erlernten Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Wenn er seine Ausbildung 2018 beendet hat, möchte Philipp Nawroth nach Möglichkeit in seinem jetzigen Betrieb bleiben. Auf längere Sicht kann er sich interne Fortbildungen zur Führungskraft vorstellen, aber auch der Weg in die Selbstständigkeit würde ihn reizen.

Hier gehts zum typischen Tagesablauf >>

 

Buchhändler

Typischer Tagesablauf

In der Osiander-Filiale in Reutlingen lernt Philipp Nawroth den Beruf des Buchhändlers von der Pike auf. Für abi>> schildert der 27-Jährige einen typischen Arbeitstag während der Frühschicht.

8.30 Uhr

Philipp Nawroth beginnt seinen Arbeitstag. Neue Ware ist angeliefert worden, geordnet in Wannen nach Abteilungen. Er räumt sie auf Buchwagen und fährt damit nach einem definierten Weg die Regale an, sortiert Einzeltitel ein und gestaltet Auslagen und Verkaufstische mit Stapelware. Das sind Bücher, von denen mehrere Exemplare angeliefert wurden.

9.30 Uhr

Erste Kunden warten bereits vor der Tür. Heute ist der 27-Jährige dafür zuständig, die Kassen zu bestücken und dort alles für den Verkauf vorzubereiten, bevor die Filiale öffnet. Anschließend fährt er Postkartenständer und Büchertische vor den Laden und stellt Schirme auf.

10 Uhr

Der Auszubildende ordnet einzelne Büchertische im Verkaufsraum, bei einigen dekoriert er passende Geschenkartikel dazu.

11 Uhr

Nun beginnt die sogenannte Power-Selling-Zeit: Philipp Nawroth und seine Kollegen kümmern sich nun ausschließlich um den Verkauf, die Beratung und das Gespräch mit den Kunden.

12 Uhr

Mittagspause

13 Uhr

Fortsetzung der Power-Selling-Zeit

14 Uhr

Philipp Nawroth räumt Bücher und andere Ware, etwa Geschenkartikel, Tassen oder Spielwaren, auf. Er gestaltet Auslagen neu oder dekoriert sie um. Außerdem ordnet und bestückt er heute die Tische mit den Bestseller-Büchern nach den einmal wöchentlich aktualisierten Listen neu. Der Kunde ist bei alldem weiterhin im Fokus, die genannten Tätigkeiten werden nebenher ausgeführt.

15 Uhr

Nun heißt es nochmal Power-Selling-Zeit. Philipp Nawroth geht aktiv auf Kunden zu, fragt sie nach ihren Wünschen, stellt ihnen Bücher vor und zeigt ihnen dazu auch passende Artikel, zum Beispiel Küchengeräte zu speziellen Kochbüchern.

17 Uhr

Feierabend

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Stand: 24.08.2019