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Vorhang auf und Bühne frei!

Mann arbeitet im Atelier an einem Modell der Oper "Die Karmelitinnen"
Ideen für ein Bühnenbild entstehen zunächst auf dem Papier und werden danach in ein Modell übertragen.
Foto: Sonja Brüggemann

Bühnenbildnerin

Vorhang auf und Bühne frei!

Die Bühnenbildnerin Maria Pfeiffer (34) entwirft für Theaterstücke die passenden Kulissen. Ihre Arbeit endet mit der Premierenaufführung. Vom ersten Entwurf bis zum fertigen Bühnenbild braucht es oft mehrere Monate.

Ob Landschaft, Zirkusarena oder Dorfstraße – Bühnenbilder regen die Fantasie an und versetzen uns in andere Welten. „Ich gestalte eher eine Atmosphäre als einen konkreten Raum, denn meistens bekommt man ja mit, wann und an welchem Ort ein Stück spielt“, sagt Maria Pfeiffer, die seit mehr als acht Jahren als freiberufliche Bühnenbildnerin für große und kleine Theater arbeitet.

Ein Porträt-Foto von Maria Pfeiffer

Maria Pfeiffer

Foto: Johannes Schmitz

Bei jedem neuen Projekt heißt es erstmal, sich in den Text zu vertiefen und zum Thema zu recherchieren. „Danach gehe ich gedanklich nochmal einen Schritt zurück und überlege mir, was eigentlich das Grundthema der Geschichte ist und wie ich das über Formen, Farben und Materialien ausdrücken kann“, beschreibt sie. So habe sie etwa bei „Kaschtanka“ – ein Stück von Anton Tschechow über einen kleinen Hund, der von zu Hause wegläuft und später wieder zu seinem Herrchen findet – vor allem Farben vor Augen gehabt. „Wir wollten das Stück ohne große Umbauten spielen. Mir war es wichtig, dass die Zuschauer gleich zu Beginn etwas vom Zirkus spüren, obwohl der eigentlich erst am Ende kommt. Durch die bunten, nach unten hängenden Stoffstreifen wird nicht nur eine Zirkusarena angedeutet, sondern auch eine wohlige Atmosphäre geschaffen, die daran erinnert, wie schön das Zuhause-Sein ist“, erklärt sie.

Viel Kreativarbeit und Organisationstalent

Für ihre Ideen lässt sich Maria Pfeiffer zum Beispiel von Bildbänden oder Zeitschriften inspirieren, durchstöbert Antikläden oder auch mal den Theaterkeller nach Dingen, die eine Geschichte erzählen. Und natürlich müssen auch die Anforderungen der Regie berücksichtigt werden.

Nachdem sich die Bühnenbildnerin mit einem Stück beschäftigt hat, skizziert sie erste Ideen auf dem Papier und fertigt danach ein Modell an: „Bei jedem neuen Projekt baue ich den Theaterraum nach und kann dann dreidimensional mit der Raumstruktur, Objekten, Größen oder Farben experimentieren. Meine Ideen muss ich dem Team später ja auch vermitteln können“, führt sie aus.

Das Bühnenbild selbst baut sie nicht, plant und koordiniert aber die Umsetzung in einer Werkstatt. Dafür erstellt sie technische Zeichnungen am Computer und recherchiert geeignete Materialien. Außerdem kümmert sich die 34-Jährige um alle kleinen und großen Requisiten, also die beweglichen Gegenstände, die die Darsteller beim Spielen benötigen. „Während der Proben ergeben sich manchmal noch Änderungen fürs Bühnenbild, da muss man flexibel sein“, weiß sie aus Erfahrung.

Projektbezogenes Arbeiten statt fester Arbeitszeiten

Für ihre Ausbildung ist die gebürtige Bambergerin nach Dresden gegangen, um dort an der Hochschule für Bildende Künste Bühnen- und Kostümbild zu studieren. Für einen der wenigen Studienplätze musste sie Theatererfahrung durch Praktika vorweisen, eine Mappe mit eigenen künstlerischen Arbeiten einreichen und eine mehrtägige Eignungsprüfung absolvieren. Die Zulassungsvoraussetzungen sind jedoch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. „Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte gerne zeichnen und Interesse für den Raum, Farben und Formen mitbringen. Es braucht auch viel Engagement und Herzblut, denn von diesem Beruf leben zu können, wird nicht leichter“, sagt sie.

Genauso wie Maria Pfeiffer arbeiten die meisten Bühnenbildner freiberuflich und werden in der Regel nicht von den Spielstätten, sondern direkt von den Theaterregisseuren engagiert. Auch Architekten, Innenarchitekten oder Designer sind gefragt: „Bühnenbildner ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Wenn ein Regisseur mit einer bestimmten Person zusammenarbeiten will, ist es egal, was der- oder diejenige studiert hat“, weiß die Bühnenbildnerin, die sich im Laufe der Jahre mehrere Standbeine erarbeitet hat. So bietet sie unter anderem auch Workshops für Kinder und Jugendliche an, mit denen sie zum Beispiel kleine Modellbühnen baut.

abi>> 09.07.2018

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