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Das Gesicht einer Stadt bewahren

Ein Architekt spricht mit einem Handwerker über einen Plan. Im Hintergrund ist ein altes Gebäude zu sehen.
Denkmalpfleger sorgen dafür, dass Baudenkmäler sachgerecht dokumentiert, renoviert und genutzt werden.
Foto: Rietschel

Denkmalpfleger

Das Gesicht einer Stadt bewahren

Jens Kotte ist mit Leib und Seele Denkmalpfleger. Der 35-Jährige arbeitet im Denkmalschutzamt Hamburg und ist dafür zuständig, in einer stetig wachsenden Großstadt historische Gebäude zu bewahren.

Seit gut zwei Jahren ist Jens Kotte als Gebietsreferent in der Bau- und Kunstdenkmalpflege tätig und für bestimmte Hamburger Stadtteile zuständig. „Ich bin zu 50 Prozent im Büro und zu 50 Prozent im Außendienst tätig“, sagt er. „Ich treffe mich häufig mit Architekten und Hauseigentümern und spreche mit ihnen über den Erhalt, die Sanierung, den Umbau oder über neue Nutzungskonzepte von Baudenkmälern.“

Sowohl für die Außenfassaden als auch für das Innere eines Denkmals muss der Eigentümer geplante Veränderungen genehmigen lassen. „Er darf zum Beispiel nicht einfach die Fassade abbeizen und dann nach Belieben streichen. Diese muss zuvor ein Diplomrestaurator untersuchen, die ursprüngliche Farbigkeit dokumentieren und die Farbbefunde sichern“, erläutert Jens Kotte.

Kompromisse finden

Ein Porträtbild von Jens Kotte

Jens Kotte

Foto: privat

Seine Arbeit ist vielseitig und anspruchsvoll: „Die Sanierung der Krugkoppelbrücke in Hamburg etwa, die in den 1920er Jahren gebaut wurde, war sehr komplex.“ In der Stahlbetonbogenbrücke wurden Beton, Klinker und Terrakotten verbaut, die unterschiedlich thermisch reagieren. Im Zusammenspiel mit einer ungenügenden Ableitung des Regenwassers führte dies zu einer Reihe von Schäden. Hinzu kamen Graffiti. „Um die Brücke dauerhaft zu sichern, mussten zuerst die Schadensursachen genau erforscht werden“, erzählt er.

Bei vielen Restaurierungen und Umbauten müssen Kompromisse gefunden oder Interessen abgewogen werden. „Hamburg ist eine begehrte Stadt, die unter dem Druck steht, sich ständig weiterzuentwickeln und Lebensraum für immer mehr Menschen zu bieten. Wenn Wohnraum dringend benötigt wird, müssen wir zum Beispiel überlegen, ob das Dachgeschoss eines denkmalgeschützten Gebäudes zu Wohnungen umgebaut werden darf.“ Weil sein Herz für die alten Bauwerke schlägt, sind diese Kompromisse manchmal schmerzlich für ihn. „Dem gegenüber steht jedoch die Freude über viele gelungene Erhaltungsprojekte“, betont er.

Auf Umwegen zum Wunschberuf

Zu seinem jetzigen Beruf kam Jens Kotte über Umwege: Nach einer Ausbildung zum Forstwirt studierte er zunächst Arboristik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Mit einem Magisterstudium in Ur- und Frühgeschichte, in Europäischer Volkskunde sowie in Mittlerer und Neuerer Geschichte an der Uni Kiel folgte er dann jedoch seinem geschichtlichem Interesse. Zusätzlich besuchte er Kunstgeschichtsseminare.

Bei einem Studienaufenthalt an der Universität Köln, wo der heute 35-Jährige ein Gastsemester absolvierte, war Jens Kotte neben dem Studium am Dendrochronologischen Institut und bei archäologischen Grabungen beschäftigt. Bei dendrochonologischen Untersuchungen wird das verbaute Holz analysiert, um Rückschlüsse auf das Alter des Gebäudes zu treffen. „Ich habe bald gemerkt, dass ich im Herzen Bauforscher bin“, erinnert sich der 35-Jährige. Diese untersuchen die konstruktive oder die künstlerisch-architektonische Baugeschichte von Einzelbauwerken wie Kirchen und Wohnhäusern oder von städtebaulichen Ensembles.

Karriere bis zum Landeskonservator möglich

Bei einem Architekten und Bauforscher in Lübeck war Jens Kotte nach dem Studium vier Jahre lang freiberuflich tätig, bevor er ein Volontariat im Denkmalschutzamt in Hamburg begann – ein notwendiger Schritt, um in der Behörde zu arbeiten. Die Volontäre erhalten Einblicke in alle Abteilungen und Arbeitsbereiche des Denkmalamtes. Dazu gehören in Hamburg das Referat Inventarisation, wo Denkmäler erfasst und bewertet werden, sowie das Referat Bau- und Kunstdenkmalpflege, das Sanierungs- und Restaurierungskonzepte erarbeitet, Bauanfragen prüft und deren Umsetzungen begleitet. Auch die Sachgebiete Gartendenkmalpflege und Restaurierung hat Jens Kotte durchlaufen.

Teilweise wird eine Promotion für den Berufseinstieg vorausgesetzt, in der Hamburger Behörde jedoch nicht. Weitere Karriereschritte innerhalb des öffentlichen Dienstes wären für den Bauforscher der Aufstieg zum Referatsleiter und zum Landeskonservator.

Jens Kotte hat seinen Wunschberuf gefunden, der es ihm ermöglicht, historische Bauten bewahren zu helfen. „Die Menschen identifizieren sich mit dem Bild ihrer Stadt, mit den alten Gebäuden. Das ist ihre Heimat. Es ist wichtig, das zu schützen“, findet er.

abi>> 18.10.2018

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