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Mit Bildern Geschichten erzählen

Junge Frau steht vor gelbem Hintergrund in einem Studio und wird fotografiert.
Unter Zeitdruck professionell und hochwertig arbeiten - ihr Beruf stellt Fotografen wie Nora Klein immer wieder vor echte Herausforderungen.
Foto: Julien Fertl

Fotografin

Mit Bildern Geschichten erzählen

Politiker, Wirtschaftsbosse, Künstler: Nora Klein (32) fotografiert echte Persönlichkeiten für bekannte überregionale Zeitschriften und Zeitungen. Die Kontakte zu den Redaktionen hat sie bereits während ihres Studiums des Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie geknüpft.

„Je bekannter der Porträtierte, umso weniger Zeit habe ich fürs Foto“, erklärt Nora Klein. Die freiberufliche Fotografin wird von Tageszeitungsredaktionen oft kurzfristig zu einem Termin geschickt und muss beispielsweise Politiker zwischen Tür und Angel innerhalb von Sekunden ablichten. Dann wiederum beauftragt sie ein Magazin mit einer Fotoreportage. Erst kürzlich hat sie eine junge Frau, die als Baby einen Schlaganfall hatte, über mehrere Tage hinweg begleitet. „Beide Auftragsarten haben ihren Reiz“, sagt sie, „ich finde die Abwechslung gut und freue mich über jede neue Herausforderung.“ Die Honorare verhandelt die Freiberuflerin von Auftrag zu Auftrag neu und stellt jedes Mal Rechnungen.

Die Fotografin Nora Klein steht auf einem kleinen Heizkörper und fotografiert durch ein Fenster hindurch.

Fotografin Nora Klein bei der Arbeit

Foto: Fabian Fichter

Nora Klein ist nicht immer mit ihrer Kamera unterwegs. Manchmal ist sie auch über mehrere Wochen in ihrem Erfurter Büro, bearbeitet Fotos, organisiert Shootings und Workshops. „Eigentlich ist das Fotografieren nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Als Selbstständige muss ich einiges dafür tun, um Aufträge zu bekommen. Durch immer einfacher zu bedienende Technik und Online-Bildagenturen gibt es eine ganze Flut von guten nutzbaren Fotos. Ich möchte mich deshalb nicht von den Aufträgen der Redaktionen abhängig machen und habe meine Selbständigkeit auf mehreren Pfeilern aufgebaut. So arbeite ich unter anderem mit einer Jugendhilfsorganisation zusammen und gebe Fotoworkshops“, erzählt sie.

Eigene Fotoprojekte

Bleibt dann noch Zeit, treibt die junge Frau eigene künstlerische Fotoprojekte voran. Seit drei Jahren arbeitet sie etwa an einer Bildreihe über Depression. „Ich möchte das Unerklärliche sichtbar machen. Ich versuche die Gedanken und Gefühle von depressiven Menschen in Bilder zu übertragen“, erklärt sie. Das Langzeitprojekt finanziert Nora Klein durch Stiftungsgelder, die sie immer wieder neu beantragt. Mal ist es die örtliche Sparkasse, mal eine Krankenkasse, mal eine Betroffenen-Stiftung, die einzelne Teilaspekte fördert. „Viel Geld lässt sich damit nicht verdienen“, sagt sie.

Den Weg in den Beruf ebnete Nora Klein ein Fotojournalismus- und Dokumentarfotografie-Studium an der Hochschule Hannover. „Ich habe mich gezielt nur dort beworben, weil es genau das war, was ich machen wollte: Lernen, wie man Geschichten in Bildern erzählt“, erinnert sich die 32-Jährige, die ihre Leidenschaft fürs Fotografieren nach dem Abi während einer längeren Reise durch Australien, Neuseeland und Südostasien entdeckte. Zunächst schnupperte sie bei einem Industrie- und Architekturfotografen in den Beruf hinein, merkte aber bald, dass eine Ausbildung nicht das Richtige ist. Ein Berufsvorbereitungsjahr in Stuttgart brachte schließlich Klarheit: „Hier habe ich Einblick in alle Arten der Fotografie bekommen und mich für Fotojournalismus entschieden.“

Kontakte knüpfen

Schon während des Studiums hat sie sich mit Marketing-Kursen und Angeboten zur Selbstorganisation auf die Selbstständigkeit vorbereitet. In Praktika knüpfte sie zudem Kontakte zu Redaktionen und baute sich einen kleinen Kundenstamm auf, übernahm erste Profijobs und lernte freie Journalisten kennen, mit denen sie auch heute noch eng zusammenarbeitet. Nach dem Studium konnte sie deshalb nahtlos in die Freiberuflichkeit starten. „Seine persönliche Nische finden und Ausdauer haben, das ist wichtig. Wer bei der ersten kleinen Niederlage aufgibt, ist falsch im Beruf“, sagt sie.

abi>> 19.08.2016