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Frei und einsam?

Zwei Frauen und ein Mann bei einer Besprechung. Foto: Meramo Studios
Mit Kommunikationsstärke zu neuen Aufträgen: Wer als Freier Journalist arbeiten möchte, sollte nicht menschenscheu sein.
Foto: Meramo Studios

Freie Online-Journalistin

Frei und einsam?

Viele freiberuflichen Journalisten haben ein abwechslungsreiches, selbstbestimmtes Leben – wenn sie die nötige Arbeitsdisziplin aufbringen, Honorare gut verhandeln und die Einsamkeit der Schreibenden lieben. Die Online-Journalistin Isabell Prophet (32) ist eine von ihnen.

Seit zwei Jahren arbeitet Isabell Prophet als Freie Journalistin vor allem für Online-Medien wie „Spiegel Online“, „FAZnet“ und „t3n“. „Ich mag es sehr, dass ich meinen Alltag und meinen Verdienst in gewisser Weise selbst bestimmen kann. Ich habe meinen eigenen Tagesrhythmus und arbeite extrem konzentriert von 8 bis 16 Uhr“, sagt sie. Weil sie ungern unterbrochen wird, ist sie dabei am liebsten alleine. „In Ruhe, ohne vollgestellten Schreibtisch und in einem ordentlichen Raum zu arbeiten, passt für mich zurzeit am besten.“ Freelancer sollten Ihre Honorare gut verhandeln und ihre Einnahmen so planen, dass sie den Lebensunterhalt decken. „Über das Jahr gerechnet habe ich ein normales Durchschnittseinkommen“, berichtet die 32-Jährige.

Die in Berlin lebende Journalistin hat während ihrer Selbständigkeit auch das Sachbuch „Die Entdeckung des Glücks“ veröffentlicht. Auch die Einnahmen für die Buchveröffentlichung hat sie so kalkuliert, dass die darin investierte Arbeitszeit angemessen bezahlt war: „Man muss in der Freiberuflichkeit lernen, zu verhandeln“, erklärt sie. Aber nicht nur die Planung der Finanzen gehört zum Alltag von Selbständigen: „Als Freiberufler ist man auch für die Buchführung und Steuerangelegenheiten verantwortlich. Das sieht von außen vielleicht erstmal komplex aus, ist aber machbar.“

Volontariat und Journalistenschule

Ein Porträt-Foto von Isabell Prophet.

Isabell Prophet

Foto: Petra Prophet

Dass sie Journalistin werden würde, wusste Isabell Prophet zu Beginn ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften noch nicht. Gegen Ende des Bachelorstudiums absolvierte sie ein Praktikum bei einer Zeitung und blieb dort als Freie Mitarbeiterin tätig. Ihr gefiel es, Verantwortung zu tragen. Ein weiteres Praktikum absolvierte sie bei einem Reisemagazin. An ihr Studium schloss sie ein Volontariat an – etwas, das sie jedem ans Herz legen würde: „Die Qualität dieser Ausbildungen sind oft sehr hoch und an der Verantwortung, die man übertragen bekommt, wächst man.“ Es folgte ein Lehrgang an der Hamburger Journalistenschule Henri Nannen. „Das war eine ganz andere Art der Ausbildung und Erfahrung. Die Schule legt sehr viel Wert auf Feinheiten: Wie schreibst du? Wie recherchierst du?“, erinnert sie sich.

Parallel zur Journalistenschule arbeitete Isabell Prophet bereits bei „Spiegel Online“. Sie bekam anschließend das Angebot, das Online-Magazin „ze.tt“ aufzubauen. „Zu dritt haben wir ein Konzept entworfen, und als das Online-Format fertig war, habe ich mich gefragt, ob ich in den normalen Redaktionsbetrieb möchte oder lieber frei arbeiten“, sagt die 32-Jährige.

Meinungsstark sein

Sorgen wegen ihrer Auftragslage macht sich die Journalistin nicht. „Gute junge Leute, die bereit sind, an sich und ihren Texten zu arbeiten, werden gesucht“, ist sie überzeugt. Wohl auch deshalb sieht sie Kundenakquise als geringe Hürde: „Im Idealfall arbeite ich länger mit meinen Kunden zusammen, schicke Themenvorschläge oder sie wünschen sich etwas“, sagt sie. Klar ist jedoch auch: Ganz ohne Akquise, also dem „An-Land-Ziehen“ von Aufträgen, geht es nicht. Das erfordert Kommunikationstalent und Ausdauer – und ist nicht jedermanns Sache. Um wahrgenommen zu werden, schlägt Isabell Prophet vor, in den Sozialen Medien aktiv zu sein. „Grundsätzlich funktioniert es sehr gut, auf Twitter präsent zu sein. Meinungsstark sein und das eigene Denken nach außen tragen – das hilft meiner Meinung nach.“

Die andere Seite der Freiheit

Auf die Frage nach den Nachteilen der Freiberuflichkeit meint Isabell Prophet: „Viele Menschen haben Angst, zu vereinsamen und das ist auch berechtigt.“ Und sie verweist darauf, dass es keine vorgegebene Karriereleiter gibt: „Im Moment gefällt mir mein Leben so wie es ist. Aber das muss nicht heißen, dass das für immer so ist. Vielleicht will ich irgendwann doch eine klassische Karriere machen. Dann ist es mit der Freiberuflichkeit natürlich vorbei.“

abi>> 04.06.2018

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