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Wie klingt ein Gewitter?

Eine junge Frau beim Nachsynchronisieren von Geräuschen im Foley-Studio
Geräuschemacher erzeugen mit alltäglichen Requisiten die Toneffekte zur Unterlegung von Filmsequenzen.
Foto: Axel Jusseit

Geräuschemacher – Hintergrund

Wie klingt ein Gewitter?

Von den sanften Schritten einer Katze bis hin zum bedrohlichen Donnergrollen: Geräuschemacher stellen Toneffekte für Filme her. Dabei nutzen sie mal Requisiten, mal ihren eigenen Körper. Der Beruf ist kreativ, vielseitig und spannend – Jobangebote gibt es jedoch kaum. Wer sich als Geräuschemacher etablieren will, muss zu den Besten gehören und viel Idealismus mitbringen.

Fünftausend Meilen zu Fuß – das hört sich nach engagiertem Körpereinsatz an. Tatsächlich soll Jack Foley diese Distanz im Studio zurückgelegt haben, um die Schritte von Filmstars zu imitieren. Der Amerikaner war der erste Mensch, der Geräusche für Filme machte und trug so dazu bei, dass sich der Stummfilm zum Tonfilm entwickelte. Kein Wunder, dass Geräuschemacher bis heute im Englischen „foley artists“ genannt werden.

Seit Jack Foley in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts durchs Studio schritt, hat sich das Berufsbild des Geräuschemachers kaum verändert. „Die technischen Möglichkeiten und der Einfallsreichtum der Leute haben ihm aber immer neue Facetten hinzugefügt“, sagt Hanse Warns, ehemaliges Vorstandsmitglied der Berufsvereinigung Filmton e.V. (bvft).

Requisiten kreativ einsetzen

Möchte man den Beruf definieren, kann man sagen, dass Geräuschemacher für sämtliche Geräusche zuständig sind, die nicht die Sprache betreffen. Das kann nach wie vor der Schrittrhythmus eines Schauspielers sein, mal kommen aber auch Requisiten wie Metallplatten zum Einsatz – etwa, um ein Gewitter nachzuahmen. „Jeder Geräuschemacher entwickelt im Laufe der Jahre sein eigenes, unverwechselbares Arsenal an Gegenständen“, berichtet Hanse Warns, der selbst Geräuschtonmeister ist.

Seit den Anfängen des Tonfilms hat sich jedoch geändert, dass Geräuschemacher heutzutage nicht mehr verschiedene Geräusche parallel erzeugen müssen. Stattdessen zeichnet man die Schritte, das Klirren oder Donnern einzeln elektronisch auf und schneidet dann alles zusammen. Oft übernimmt das ein Sounddesigner. Anschließend werden die Töne synchron zum Bild eingespielt.

Rhythmus und Experimentierfreude

Ein Porträt-Foto von Kirsten Kundhardt

Kirsten Kunhardt

Foto: privat

Doch wie wird man Geräuschemacher? „Es gibt weder eine Ausbildung noch einen Studiengang, die oder der direkt zum Geräuschemacher qualifiziert“, betont Kirsten Kunhardt, Geschäftsführender Vorstand beim bvft. „Angehende Geräuschemacher lernen, indem sie einem erfahrenen Kollegen assistieren und sich später ständig weiter ausprobieren.“ Dabei ist es wichtig, dass Lehrer und Schüler einander vertrauen. Schließlich werden wertvolle Erfahrungen weitergegeben. „Oft bilden ‚Meister‘ auch erst aus, wenn sie selbst im Rentenalter sind und deshalb nicht mehr fürchten, sich Konkurrenz heranzuziehen“, schätzt Hanse Warns realistisch ein. Er hat schon Geräuschemacher mit unterschiedlichsten Hintergründen kennengelernt: ehemalige Schlagzeuger oder Tonmeister, aber auch einen einstigen Polizisten. Wer in dieser Tätigkeit erfolgreich sein will, braucht seiner Meinung nach Musikalität, schnelles Reaktionsvermögen und Kreativität. „Auch Rhythmusgefühl, Experimentierfreude, gutes Gehör und Geduld sind wichtig“, ergänzt Kirsten Kunhardt.

Jobangebote sind rar

Geräuschemacher können bei Filmproduktionen für Fernsehen oder Kino mitwirken, bei Hörspielen oder anderen Radiosendungen, bei Trickfilmen oder vereinzelt auch beim Theater. Das klingt nach einem großen Einsatzbereich, aber real decken die deutschlandweit rund 30 etablierten Geräuschemacher den Bedarf weitgehend ab. „Es gibt nur wenige Jobangebote“, sagt Hanse Warns. Auch Kirsten Kunhardt beschönigt die Lage nicht: „Nur wer sehr gut ist, kann sich etablieren. Nachwuchs wird zwar gebraucht werden, wenn die jetzigen Geräuschemacher mal in Rente gehen, aber das sind ja nicht viele.“

Von einer Geräuschemacher-Karriere im engeren Sinn kann man auch nicht sprechen – da sind sich die beiden Experten einig. „Man versucht eher, die eigene Arbeit ständig zu verbessern und bei hochwertigeren Produktionen mitzuarbeiten“, meint Hanse Warns. Zur Höhe der Gage äußert er sich ebenfalls pragmatisch: „Die vom Verband empfohlene Gagenhöhe – das sind knapp 450 Euro am Tag – wird nicht immer erreicht.“ Man braucht also auch viel Idealismus und Begeisterung für die Welt der Geräusche, wenn man auf Jack Foleys Spuren wandeln will.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit kannst du nach Studiengänge in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Im Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Urknall-Sounddesign

Die Internetseite von Tobias Böhm und seinen Kollegen stellt ihre Aufgaben rund um Sounddesign, Geräuschaufnahmen, Audiorestaurierung und Co. vor.
www.urknall-sounddesign.de

Berufsvereinigung Filmton e.V.

Der Verein vertritt die Belange der professionellen Filmschaffenden in Deutschland. Er hat rund 350 Mitglieder, unter anderem Tonmeister, Sounddesigner und Geräuschemacher.
www.bvft.de

Verband deutscher Tonmeister e.V.

Der Berufsverband für Profis, die mit Schwerpunkt Audio in Kunst, Medien und Kommunikation tätig sind, hat rund 2.100 Mitglieder aus Hörfunk, Film, Fernsehen und Bühne.
www.tonmeister.de

abi>> 14.12.2017