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Glaubwürdige Klangwelten erschaffen

Geräuschemacher mit technischer Ausrüstung in der Wüste
Auf der Suche nach dem perfekten Ton: Geräuschemacher Tobias Böhm kommt im Rahmen seiner Arbeit an die ungewöhnlichsten Orte.
Foto: privat

Geräuschemacher

Glaubwürdige Klangwelten erschaffen

Sie rascheln, laufen, spülen, hämmern und sägen: Geräuschemacher lassen sich so einiges einfallen, um Filme realistisch zu vertonen. Tobias Böhm ist einer dieser Tonkünstler. Der 40-Jährige arbeitet freiberuflich für kreative Produktionen unterschiedlicher Art, gibt sein Wissen aber auch durch Workshops an Schüler und Studierende weiter.

Geräuschemachen bedeutet, gleichzeitig Einzelkämpfer und Teamplayer zu sein. Denn bevor Tobias Böhm beginnt, mit seinen Requisiten Schritte, Kleiderrascheln oder Wasserplätschern zu vertonen, spricht er sich mit seinen Kollegen genau ab – schließlich muss er wissen, an welcher Stelle des Films welches Geräusch erklingen soll. „Hat zum Beispiel bei einem Animationsfilm der Sounddesigner schon ein paar Effekte aus seinem digitalen Archiv eingebaut, überlegen wir gemeinsam mit dem Regisseur, was wir noch hinzufügen wollen“, erklärt er. Oft handelt es sich dabei um klassische Handlungsgeräusche: „Jemand läuft, bleibt stehen, hebt einen Gegenstand auf oder stellt ihn ab.“

Dann kommt sein Solopart. Er schaut seine Requisiten durch und überlegt, welche er nutzen kann, um das gewünschte Geräusch zu erzeugen. „Manchmal muss ich auch eine neue Requisite anschaffen oder vorhandene Gegenstände neu kombinieren“, erzählt er. Um ein langgezogenes Donnergrollen zu erschaffen, zerlegte er einmal sogar seinen eigenen Requisitenschrank und ließ dessen herausgelöste Rückwand vibrieren.

Gespür für Ton und Film

Ein Porträt-Foto von Tim Böhm

Tobias Böhm

Foto: privat

Hat Tobias Böhm das passende Geräusch gefunden, nimmt er es mit einem hochwertigen Mikrofon auf. Wichtig ist dabei, dass der Aufnahmeraum hallfrei ist. Bearbeitet werden die Töne von seinem Kollegen, einem Sounddesigner. Manchmal lauschen auch die Regisseure oder Produzenten den Aufnahmen und geben ihm Rückmeldung.

Die Anmerkungen der Kollegen kann er meist gut nachvollziehen. Das hat zwei Gründe: Einerseits mag er es, lösungsorientiert zu kommunizieren. Andererseits fällt es ihm leicht, verschiedene Perspektiven einzunehmen – denn auch er selbst ist nicht nur Geräuschemacher, sondern darüber hinaus als Sounddesigner, Original- und Mischtonmeister tätig.

Studium an der Kunsthochschule

Nach seinem Abitur im Jahr 1997 im hessischen Melsungen hatte Tobias Böhm noch keinen klaren Plan, wo es hingehen sollte. Also schnupperte er in verschiedene Studiengänge rein, sah sich etwa Kunstwissenschaft, Deutsch auf Lehramt und Freie Kunst an. Schließlich entdeckte er, wo er sich wohlfühlte und künstlerisch austoben konnte: in dem Studiengang „Visuelle Kommunikation“ an der Kunsthochschule Kassel. Dort wählte er die Fachklassen „Film und Fernsehen“ und „Trickfilm und Animation“. Im Laufe seines Studiums war er an der Vertonung von rund 70 Produktionen – Dokumentationen, Spielfilmen und Trickfilmen – beteiligt und sammelte so viel Erfahrung.

Seit seinem Abschluss 2009 ist er freiberuflich tätig. Neben seiner eigenen kreativen Arbeit gibt er Kurse und Workshops für Schüler und Studierende. „Dabei möchte ich vermitteln, wie faszinierend Geräuschemachen ist“, schwärmt er. „Für mich stellt das Tonstudio ein kleines Paradies dar, wo ich eine glaubwürdige Hörwelt erschaffen kann, die zum Sinn der jeweiligen Geschichte passt.“

„Jeder Tag ist anders“

Schon als Kind interessierte sich Tobias Böhm für alles, was mit Tönen zu tun hatte und probierte sich bei verschiedenen Projekten aus. Er experimentierte mit Tonbändern, spielte als Schlagzeuger in einer Band und nahm Musik im Tonstudio auf. „Mir war früh klar, dass ich genau das zu meinem Beruf machen will“, erinnert er sich.

Bis heute liebt der Tonkünstler, was er macht: „Jeder Tag ist anders, weil auch jeder Film anders ist und eine andere Herangehensweise verlangt. Man muss sich immer wieder auf neue Themen und neue Filmemacher einlassen“, betont er und ergänzt: „Mit dem fertigen Werk erlebt man Premieren und Festivals – und bekommt auch mal Anerkennung in Form eines Preises oder lobender Worte einer Jury. Für die Zukunft wünsche ich mir daher, dass ich weiterhin an spannenden Projekten mitarbeiten und neue Formate ausprobieren kann.“

Freude am Experimentieren

Tobias Böhm ist sich bewusst, dass er über einige persönliche Fähigkeiten verfügt, die zu seinem Erfolg beigetragen haben. So kann er lange konzentriert zuhören, kennt sich mit Aufnahmetechnik und Klangerzeugung jeglicher Art aus und experimentiert gerne mit der Technik, die neu auf den Markt kommt. „Außerdem interessiere ich mich für vieles jenseits des Tonstudios: Politik, Reisen, Sport, Sprachen. Was ich darüber erfahre, fließt wiederum in meine Arbeit ein.“

abi>> 14.12.2017