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Geschichte als Teil der Gegenwart

Arbeitsortaufnahme von einem Archiv.
Mit dem Ziel, die Vergangenheit zu erschließen, durchforsten Historiker Bibliotheken und Archive nach wichtigen Dokumenten.
Foto: Friso Gentsch

Historiker

Geschichte als Teil der Gegenwart

Wenn Dr. Christian Rau sich am Berliner Standort des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) seiner Forschung widmet, taucht er in alte Akten ein. Der 31-jährige Historiker geht der Geschichte der Deutschen Bücherei in Leipzig auf den Grund, die das DDR-Pendant zur bundesrepublikanischen Deutschen Bibliothek war.

In seinem Forschungsprojekt erforscht der wissenschaftliche Mitarbeiter im Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek die Vergangenheit der Deutschen Bücherei vor dem Hintergrund der SED-Herrschaft und der deutschen Teilung. „Dafür habe ich in der ersten Hälfte des für drei Jahre angesetzten Projekts in Originalquellen in 13 Archiven recherchiert, um mir einen Grundstock für meine schriftliche Darstellung aufzubauen“, beschreibt er einen Teil seiner Arbeit. „Jetzt befinde ich mich in der Schreibphase für eine Buchveröffentlichung der Erkenntnisse im nächsten Jahr. Zwischenzeitlich erarbeitete Forschungsergebnisse veröffentliche ich zudem in wissenschaftlichen Aufsätzen.“

Recherchieren, aufbereiten, veröffentlichen

Seine Arbeitszeit verbringt der 31-Jährige mehrheitlich am Schreibtisch und arbeitet dabei meist für sich. Dort verfasst er Texte, bereitet Quellenmaterial auf oder liest Fachliteratur. Dabei verläuft jedoch kein Tag wie der andere: „Generell lassen sich wissenschaftliche Denkprozesse nicht in einen 40-Stunden-Rhythmus zwängen“, erklärt der Historiker, der seine Ergebnisse gelegentlich auch präsentiert und an Konferenzen teilnimmt.

Den Grundstein für seine Arbeit legte Christian Rau an der Universität Leipzig, wo er Geschichte, Politik und Erziehungswissenschaft studierte. „Entscheidend für meine Studienfachwahl war mein großes Interesse an Geschichte und Politik, ermuntert durch meine engagierten Geschichts- und Politiklehrer“, erinnert er sich.

Selbstbestimmt komplexe Fragestellungen lösen

Ein Porträt-Foto von Dr. Christian Rau

Dr. Christian Rau

Foto: Ute Eichhorn

Sein Berufsziel war eigentlich Gymnasiallehrer für Geschichte und Politik. „Während meines Studiums und meiner Zeit als studentische Hilfskraft an der Universität habe ich jedoch entdeckt, dass die Arbeit als Historiker genau mein Ding ist.“ Das Studium hat er noch in guter Erinnerung: „Mir hat sich die Kultur des Studierens eingeprägt – das selbstbestimmte Aneignen von Wissen und das eigenständige Lösen komplexer Fragestellungen.“ Er entschied sich schließlich, nach dem ersten Staatsexamen zu promovieren und eine Laufbahn als Historiker einzuschlagen.

„Während meiner Promotion arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leipziger Lehrstuhl meines Doktorvaters“, beschreibt er seinen Berufsweg. Nach einer weiteren Wissenschaftler-Station an einem anderen Lehrstuhl, begann er im August 2014 mit seinem heutigen Projekt im IfZ.

Eigenverantwortung und Kreativität

„Mir gefällt das eigenverantwortliche und kreative Arbeiten. Ich kann im Rahmen des Projekts meine eigenen Ideen umsetzen und mir meine Zeit selbst einteilen“, zeigt sich Christian Rau zufrieden. Wichtig für seinen Beruf sind unter anderem analytische und konzeptionelle Fähigkeiten, hohes Konzentrationsvermögen, Belastbarkeit und Problemlösungskompetenz. „Eine ausgeprägte Vorliebe für das Lesen versteht sich von selbst“, ergänzt er. Zudem fordern die typischen Zeitverträge im Wissenschaftsbetrieb ein hohes Maß an persönlicher Flexibilität und Mobilitätsbereitschaft. „Die Arbeit als Historiker hat übrigens ganz wenig mit dem auf Faktenwissen beschränkten Schulfach Geschichte zu tun. Vielmehr geht es darum, die komplexen Hintergründe und Bedeutungen von menschlichem Handeln in der Vergangenheit zu ergründen“, stellt er klar.

Öffentlich präsent und international

„Geschichte hilft dabei, die Gegenwart zu verstehen. Daher freue ich mich, dass die Expertise von Historikern immer präsenter in der Öffentlichkeit wird – beispielsweise wenn es um Migrationsgeschichte geht. Historische Forschung wird zudem internationaler, da globale Zusammenhänge von großer Bedeutung sind. Dadurch können sich verstärkt berufliche Möglichkeiten im Ausland eröffnen“, erläutert er die Karriereaussichten. Für die Zukunft wünscht er sich: „Ich möchte mich wissenschaftlich weiterqualifizieren, um mir so weitere Berufschancen zu erschließen.“

abi>> 18.08.2016