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Die Cloud als Forschungsinstrument

Tafel mit gezeichneter Weltkarte und angedeuteten Städten und Verbindungen
Die Cloud ermöglicht es, Dateien zwischen mehreren Computern an verschiedenen Standorten auszutauschen.
Foto: Martin Rehm

Historiker in der Cloud-Forschung

Die Cloud als Forschungsinstrument

In der Cloud bewegt sich Matthias Schneider täglich: Schon als studentische Hilfskraft wirkte der 24-Jährige im Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier (Trier Center for Digital Humanities) mit. Kürzlich hat er seinen Master in Geschichte und Politikwissenschaft abgeschlossen.

Aktuell arbeitet Matthias Schneider an einem Projekt mit, bei dem es darum geht, eine Sammlung von Ideen, Skizzen und Zitaten des italienischen Dichters Giacomo Leopardi, die im 19. Jahrhundert unter dem Titel „Zibaldone“ – Sammelsurium – erschienen ist, digital anzureichern. Das Ziel: das Werk für weitere Untersuchungen zugänglich machen. Beispielsweise lassen sich in digitaler Form die Verweisstrukturen des Textes sehr gut modellieren und untersuchen. „Viele Gedanken in ‚Zibaldone‘ verweisen auf externe Texte etwa von Goethe oder Schiller. Sofern die zitierten Texte online verfügbar sind, werden sie an entsprechender Stelle verlinkt“, schildert der Historiker. Weil ein Teil des Projektteams von Princeton in den USA aus agiert, erfolgt der Austausch der erforderlichen Daten über eine Cloud. „So können die Kollegen dort genauso darauf zugreifen wie wir“, erklärt er.

Bei der Auswahl der IT-Lösung mussten die Wissenschaftler einiges beachten. „In der Forschung darf nicht jede x-beliebige Cloud verwendet werden, vielmehr sind diverse Kriterien wie hinreichendes Benutzerrechtemanagement und Ausfallsicherheit zu erfüllen“, weiß er.

Rechtliche Fallstricke erkennen

Ein Porträt-Foto von Matthias Schneider

Matthias Schneider

Foto: Dr. Stefan Büdenbender, Trier Center for Digital Humanities

Auch mögliche Rechtsverletzungen, die sich durch die Nutzung einer Cloud ergeben könnten, hat Matthias Schneider stets im Hinterkopf. „Mit jedem Verschieben von Daten in die Cloud und der Freigabe der Daten an verschiedene Benutzerkreise erfolgt auch eine Vervielfältigung. Daher prüfen wir vorab, ob das Material urheberrechtsfrei ist oder ob Lizenzgebühren zu zahlen beziehungsweise eine Genehmigung einzuholen ist.“ Auch vorhandene Persönlichkeitsrechte gilt es zu wahren.

Welche Cloud bei den Forschungsprojekten verwendet werden darf, hängt daher auch von der Art der zu verarbeitenden Daten ab. „Wenn wir zum Beispiel mit antiken oder mittelalterlichen Texten arbeiten, spielen Persönlichkeitsrechte keine Rolle. Ganz anders sieht es etwa bei Interviews mit Zeitzeugen aus oder bei Tagebuchaufzeichnungen, die Angehörigen anvertraut wurden.“ Die Nutzung der jeweiligen Cloud wird von den Projektmitarbeitern vorbereitet und in Zweifelsfällen von der Universitäts-Justiziarin geprüft.

Eigene Cloud-Lösung entwickelt

Im Rahmen eines weiteren Projektes haben Kollegen von Matthias Schneider eine eigene Cloud-Anwendung konzipiert: Das Forschungsnetzwerk- und Datenbanksystem (FuD) wurde vom Trierer Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Forschungszentrum Europa entwickelt. Es handelt sich dabei um eine virtuelle Forschungsplattform speziell für die Geisteswissenschaften, über die an verschiedenen Standorten arbeitende Wissenschaftler zeitgleich über eine Serverinstanz miteinander forschen können. FuD bietet also nicht nur die Möglichkeit der zentralen Text- und Bilddatenverwaltung, sondern bildet auch den gesamten Forschungsprozess von den Quellen bis hin zur Publikation ab.

Von der studentischen Hilfskraft zum wissenschaftlichen Mitarbeiter

Für seine vielfältigen Aufgaben qualifizierte sich Matthias Schneider mit einem Zwei-Fach-Bachelor und anschließendem Masterstudium mit Hauptfach Geschichte und Nebenfach Politikwissenschaft an der Universität Trier. Über eine Stelle als studentische Hilfskraft kam er bereits im Studium mit den Forschungsprojekten am Kompetenzzentrum in Kontakt, hielt in Vertretung auch Seminare zu Themen wie Digital Humanities oder Cloud-Lösungen. „Sobald ich mein Masterzeugnis erhalten habe, bin ich offiziell als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.“

Da er als Geisteswissenschaftler in der Informatik nicht bewandert war, besuchte er interne Software-Schulungen. „Mein geisteswissenschaftlicher Hintergrund wiederum hilft mir, fachliche Problematiken besser zu erkennen und Lösungen zu finden.“ Künftig möchte er sich auch dem Aspekt der Lehre im digitalen Bereich verstärkt widmen. „Virtuelle Lerninhalte sind ein Bereich, wo wir in den nächsten Jahren sicher verstärkt aktiv werden, natürlich auch in Verbindung mit Cloud Computing.“

abi>> 22.09.2015