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„Wir dokumentieren, untersuchen und bewahren“

Eine junge Frau misst eine Erdgrube aus.
Wer sich gleichermaßen für Naturwissenschaften, Geschichte und praxisorientiertes Arbeiten interessiert, für den könnte Industriearchäologie das Richtige sein. In Deutschland wird einzig an der TU Bergakademie Freiberg ein spezialisierter, gleichnamiger Studiengang angeboten.
Foto: Schwab

Industriearchäologie – Interview

„Wir dokumentieren, untersuchen und bewahren“

Industriearchäologie ist ein Orchideenfach für Menschen, die sich für Technik ebenso begeistern können wie für Geschichte. Professor Helmuth Albrecht, Leiter des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der Technische Universität Bergakademie Freiberg, erklärt abi>>, was hinter dem Studiengang zwischen Ingenieur- und Geisteswissenschaften steckt.

abi>> Herr Albrecht, was machen Industriearchäologen?

Prof. Helmuth Albrecht: Wir beschäftigen uns mit Industriedenkmalpflege und Industriekultur. Wir erforschen, dokumentieren und erhalten die materiellen Hinterlassenschaften der Industrialisierung. Wir ordnen sie in den geschichtlichen Kontext ein und können so herausfinden, wie sich eine Region entwickelt hat.

abi>> Warum ist diese Arbeit wichtig?

Ein Porträtbild von Professor Dr. Helmuth Albrecht

Professor Dr. Helmuth Albrecht

Foto: TU Bergakademie Freiberg

Prof. Helmuth Albrecht: Technische und industrielle Gebäude sind Teil unserer Geschichte, unserer Kultur – genauso wie Kirchen und Kathedralen. Die Industriearchäologie entstand in den 1960er Jahren in England. Damals setzte in der Industrie eine Modernisierungswelle ein und vielen historisch wertvollen Gebäuden drohte der Abriss. Aus dem Protest dagegen entstanden die ersten Studiengänge für Industriearchäologie.

abi>> Was haben Sie selbst studiert?

Prof. Helmuth Albrecht: Ich habe Elektrotechnik, Geschichte und Physik studiert – ich konnte mich nie zwischen Ingenieur- und Geisteswissenschaften entscheiden, weil mich eben beides sehr interessiert. Nach meiner Promotion habe ich am Lehrstuhl für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik an der Universität Stuttgart gearbeitet und bin dabei auf die Industriearchäologie gestoßen. Das war genau mein Ding!

abi>> Nach der Habilitation haben Sie dann auch den Lehrstuhl für Technikgeschichte und Industriearchäologie in Freiberg übernommen – was macht diese Nische der Wissenschaft für sie so spannend?

Prof. Helmuth Albrecht: Die Industriearchäologie ist interdisziplinär – sie hat naturwissenschaftliche und technische Elemente, aber auch Geschichte, Archäologie und Museumswesen spielen eine Rolle.

abi>> Für das Studium sollte man also vielfältig interessiert sein?

Prof. Helmuth Albrecht: Auf jeden Fall! Man sollte sich für Geschichte interessieren, aber auch vor Mathematik oder Physik keine Angst haben. Das Studium ist das perfekte Fach für alle, die nicht nur in eine Richtung gehen wollen – und für alle, die gerne praxisorientiert lernen. Projektseminare und Exkursionen sind feste Bestandteile des Studiums.

abi>> Wo arbeiten die Absolventen des Studiengangs?

Prof. Helmuth Albrecht: Sie sind in der Denkmalpflege, in Museen oder in Beratungsbüros tätig. Und da die Vermittlung von Wissen ein wichtiger Teil des Studiums ist, auch in den Bereichen Wissenschaftsjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit.

abi>> Wie sind die Jobaussichten nach dem Studium?

Prof. Helmuth Albrecht: Der Arbeitsmarkt ist zugegeben relativ klein – aber wir sind auch ein kleiner Studiengang. Und da unsere Studierenden eine sehr breite, fundierte Ausbildung haben, sind die Aussichten sehr gut. Ich selbst könnte in meinen verschiedenen Forschungsprojekten derzeit mehr Leute unterbringen, als ich finden kann!

abi>> Ist es ratsam, in diesem Bereich eine Promotion anzustreben?

Prof. Helmuth Albrecht: Das kommt darauf an, wo man später arbeiten will. Es ist nicht notwendig, aber wenn man in die Forschung oder ins Museumswesen möchte, mit Sicherheit auch nicht schädlich.

abi>> Welche anderen Wege gibt es, in der Industriearchäologie beruflich Fuß zu fassen?

Prof. Helmuth Albrecht: Natürlich kann man auch mit allgemeineren historischen oder archäologischen Studiengängen später im Bereich Industriearchäologie oder Industriedenkmalpflege arbeiten. Aber diese Absolventen müssen sich oft das technische Wissen, das für den Job notwendig ist, selbst aneignen. Unsere Studierenden bekommen dieses Wissen gleich mitvermittelt, genauso wie Grundlagen in den Bereichen Projektmanagement oder Öffentlichkeitsarbeit – das Studium ist ein Rundum-Paket.

Mehr Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Industriearchäologe)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Industriearchäologie)
www.studienwahl.de

Technische Universität Bergakademie Freiberg

Homepage des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Freiberg mit Informationen rund um den bundesweit einzigartigen Studiengang
http://tu-freiberg.de/fakult6/technikgeschichte-und-industriearchaeologie

Lexikon der Geographie

Ausführlicher Eintrag über die Entstehung der Industriearchäologie und die Inhalte der Wissenschaft
www.spektrum.de/lexikon/geographie/industriearchaeologie/3729

abi>> 15.09.2017