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Mit bewegten Bildern Geschichten erzählen

Blick auf ein Filmset mit Kameramann, Tonmann, Schauspielern usw.
Hinter der Kamera stehen bedeutet, Geschichten in bewegten Bildern zu erzählen.
Foto: Martin Rehm

Kamerafrau

Mit bewegten Bildern Geschichten erzählen

Ein hitziger Dialog zwischen Mutter und Sohn, ein lang ersehntes Wiedersehen, eine entspannte Autofahrt durch Wälder – wie erzähle ich solche Situationen in bewegten Bildern? Dies ist eine der zentralen Fragen im Arbeitsalltag von Kamerafrau Julia Daschner (37).

Ich bevorzuge die Berufsbezeichnung Bildgestalterin“, betont Julia Daschner. „In unserem Beruf geht es nämlich um mehr, als eine Kamera in der Hand zu halten – wir designen in einem Film das ganze Bild.“ Die 37-Jährige arbeitet wie die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen als freie Kamerafrau für unterschiedliche Produktionsfirmen, vor allem im Spielfilm- und Dokumentarfilmbereich.

Für ein aktuelles Doku-Projekt über eine Taucherin ist sie zum Beispiel gerade dabei, eine Liste für das benötigte technische Equipment für die Produktionsfirma zusammenzustellen. In einem Skype-Gespräch mit der Regisseurin des Films bespricht sie noch Einzelheiten, ehe sie zum Dreh ins Ausland aufbricht: Zu welcher Uhrzeit soll gedreht werden? Wie sind die Lichtverhältnisse vor Ort? Welche Kameras, welche Objektive, welche Beleuchtung und welche technischen Mitarbeiter werden gebraucht?

Die Vorbereitungen vor Drehbeginn dauern häufig Wochen oder gar Monate. Es müssen Absprachen mit Kostüm- und Maskenbildern getroffen, das Budget mit der Produktion besprochen oder Drehorte besichtigt werden. Teamfähigkeit, Organisationstalent und Kommunikationsstärke sind daher sehr wichtige Eigenschaften für Kameraleute.

Visionen umsetzen

Ein Porträt-Foto von Julia Daschner

Julia Daschner

Foto: Sami Kuokkanen

Beim Dreh selbst ist es dann Julia Daschners Aufgabe, die Geschichte visuell so umzusetzen, wie es sich der Regisseur vorstellt: „Dabei muss ich die Fähigkeit haben, eine gute Situation entweder vor Ort zu erkennen oder sie herzustellen“, erklärt sie. Für diese gestalterische Arbeit ist viel Kreativität nötig. „Ich muss mich berühren und inspirieren lassen und natürlich einen Faible für visuelles Erzählen haben. Nicht umsonst gehe ich gerne und viel ins Kino.“ Aber auch Technikaffinität ist wichtig für ihren Job: „Die Technik hilft uns dabei, unsere Visionen umzusetzen“, erklärt die 37-Jährige.

Nach dem Dreh ist die Kamerafrau für die Betreuung der technischen Nachbereitung des Filmmaterials zuständig. „Beim geschnittenen Film passt ein Colorist die Farbe und die Kontraste digital an, ich kontrolliere das und nehme es in der Endfassung ab“, erklärt Julia Daschner. Bei einem langen Spielfilm sind allein dafür fünf bis zehn Arbeitstage angedacht. Dazu kommen zwischen 20 und 30 reine Drehtage sowie drei bis sechs Wochen Vorbereitungszeit.

Klein anfangen

Studiert hat Julia Daschner „Mediale Künste“ mit dem Schwerpunkt Kamera an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). „Nebenbei habe ich als Beleuchterin und Kameraassistentin bei kleineren Projekten gejobbt.“ Aus eigener Erfahrung weiß Julia Daschner, wie wichtig Praxiserfahrungen wie diese für den Berufseinstieg sind. „Ich empfehle, Praktika bei großen und professionellen Filmsets zu suchen. Man muss bereit sein, anfangs auch mal unbezahlt zu arbeiten oder niedrige Gagen zu akzeptieren und dafür im Idealfall künstlerisch wertvolle Filme zu machen, die auf Festivals gezeigt werden und Preise gewinnen. Darauf schauen Produzenten, wenn sie Nachwuchs für den Kamerabereich suchen.“ Wichtig sei außerdem aktives Netzwerken, etwa bei Filmfestivals oder bei Filmpremieren. „Daraus können Kontakte entstehen, über die man dann wieder Aufträge erhält“, weiß Julia Daschner.

Wissen müsse man außerdem, dass die finanzielle Situation von Kameraleuten schwankt. „Festanstellungen gibt es kaum. Man ist freiberuflich tätig und muss wie bei vielen künstlerischen Berufen immer mit der finanziellen Unsicherheit leben.“

Neben ihrer Arbeit als freie Bildgestalterin unterrichtet Julia Daschner als Dozentin an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Wenn sie nicht gerade dreht, ist Berlin ihr Lebensmittelpunkt. „In einer großen Stadt mit der entsprechenden Filmszene zu leben, ist vor allem für Berufsanfänger von Vorteil“, findet sie.

abi>> 24.08.2018