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In mehreren Sprachen zu Hause

Dolmetscherkabine
Beim Simultandolmetschen arbeitet Leonie Gohl meist in einer schallisolierten Kabine.
Foto: Alex Becker

Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin

In mehreren Sprachen zu Hause

Ihre Leidenschaft für die italienische Sprache und Kultur entdeckte Leonie Gohl nach dem Abitur, als sie mehrere Monate in dem südeuropäischen Land verbrachte. Inzwischen arbeitet die 30-Jährige in Stuttgart als Konferenzdolmetscherin und freiberufliche Übersetzerin und wechselt wie selbstverständlich zwischen Italienisch, Englisch und Deutsch.

Die Texte, die Leonie Gohl übersetzt, sind ganz unterschiedlich und reichen von Urkunden über Website-Inhalte und Marketingtexte bis hin zu Produktbeschreibungen. Anfragen kommen sowohl von Privatleuten als auch von großen Unternehmen. „Je nach Größe des Projekts arbeite ich mit Kollegen zusammen und setze immer auf das Vier-Augen-Prinzip.“ Ebenso wird sie als Konferenzdolmetscherin für ganz verschiedene Anlässe engagiert – beispielsweise für Fachkonferenzen, Vorträge, Geschäftsverhandlungen oder auch Werksführungen. „Ich fühle mich in beiden Berufen zu Hause.“

Dolmetschen für jeden Anlass

Ein Porträt-Foto von Leonie Gohl

Leonie Gohl

Foto: Lukas Frontzek

Leonie Gohl dolmetscht meist simultan und konsekutiv: „Beim Simultandolmetschen wird das Gesagte gleichzeitig, also simultan, in eine andere Sprache übertragen“, erklärt sie. „Dabei arbeiten die Dolmetscher in einer schallisolierten Kabine und die Zuhörer erhalten die Verdolmetschung per Kopfhörer. Diese Technik ist vor allem bei mehrsprachigen und ganztägigen Konferenzen und Veranstaltungen Standard.“ Meist arbeitet Leonie Gohl im Team. „Das Simultandolmetschen ist enorm anstrengend und erfordert höchste Konzentration“, erläutert sie. Aus diesem Grund sollten bei einer Veranstaltung mindestens zwei Dolmetscher vor Ort sein, die sich alle 20 bis 30 Minuten abwechseln.

Bei kürzeren und feierlichen Anlässen wie Fest-, Tisch- oder Eröffnungsreden ist das Konsekutivdolmetschen üblich: Hier überträgt Leonie Gohl das Gesagte zeitversetzt in die Fremdsprache. Dabei steht sie meist neben dem Redner und dolmetscht jeweils nach ihm, wobei die Länge der Abschnitte variieren kann.

Eine dritte Variante ist das Verhandlungsdolmetschen, das bei bilateralen Verhandlungen und Gesprächen zum Einsatz kommt: „Zum Beispiel sitze ich bei einer Geschäftsverhandlung mit am Tisch und dolmetsche kurze Abschnitte in beide Sprachrichtungen.“

Gründliche Vorbereitung und stetige Weiterbildung

Ob Simultan-, Konsekutiv oder Verhandlungsdolmetschen – besonders zeitaufwendig ist die Vorbereitung: Um in Sekundenschnelle dolmetschen zu können, muss sich Leonie Gohl sehr intensiv in das jeweilige Thema einarbeiten und sich die entsprechenden Fachbegriffe aneignen. Im Idealfall schickt ihr der Kunde vorab hilfreiche Informationen, zum Beispiel zu einem bestimmten Produkt oder zum Unternehmen. Wenn sie wiederum bei einem Symposium verschiedene Redner unterstützen soll, muss sie sich auch auf den jeweiligen Redner einstellen und genau wissen, was er mitteilen möchte: „Man verleiht dem Redner ja seine eigene Stimme.“

Die Dolmetscherin und Übersetzerin muss sich stetig weiterbilden. „Die Sprache lebt und entwickelt sich weiter, daher müssen wir uns auch immer mit interkulturellem Wissen befassen und die Eigenheiten einer Kultur kennen. Nur so kann man die Intention eines Sprechers verstehen und den Sinn übertragen“, erläutert sie. „Übersetzer müssen sich also jeden Tag intensiv in neue Fachbereiche einarbeiten und viel recherchieren. Durchhaltevermögen und Genauigkeit gehören daher auf jeden Fall zu den Eigenschaften, die man für diesen Beruf mitbringen sollte.“

Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, reist sie regelmäßig in die jeweiligen Länder und liest italienische sowie englischsprachige Tageszeitungen. Die eigene muttersprachliche Kompetenz ist ebenfalls nicht zu unterschätzen, denn auch da müssen Stil und Ausdrucksfähigkeit stimmen.

Ein Faible für Fremdsprachen

„Mich haben Sprachen schon immer fasziniert“, erzählt Leonie Gohl. Für sie war es also naheliegend, sich nach dem Abitur erst einmal intensiver mit einer für sie neuen Fremdsprache und Kultur zu befassen. „An meiner Schule wurde Italienisch nicht angeboten, also lernte ich die Sprache vor Ort auf Eigeninitiative.“

2007 schrieb sie sich in den Bachelorstudiengang Übersetzungswissenschaft an der Universität Heidelberg ein und wählte Italienisch als Haupt- und Englisch als Zweitsprache. Im Anschluss folgte ein Masterstudium im Bereich Konferenzdolmetschen. Schon während ihres Studiums begann sie als Übersetzerin zu arbeiten. 2013 machte sie sich schließlich selbstständig.

Zur englischen Übersetzung>>

abi>> 06.11.2017