Organisation bis ins kleinste Detail

Junge Frau posiert mit Kunstbuch in einer Kunstgalerie.
Kunst, Geschichte, Archäologie oder Technik: Welche Fachkenntnisse eine Kurator mitbringen muss, hängt stark von der Ausrichtung des jeweiligen Museums ab.
Foto: Johannes Simon

Kurator/in – Hintergrund

Organisation bis ins kleinste Detail

Museen, Galerien, Festivals – die Orte und Projekte, an denen Kuratoren arbeiten, sind vielfältig. Herausforderungen lauern dabei überall – angefangen bei der Jobsuche bis hin zu den täglichen Aufgaben im Beruf.

Ausstellungen gestalten, Sammlungen betreuen, Exponate pflegen, Führungen organisieren und durchführen, Pressearbeit und viele weitere Aufgaben obliegen der Hand eines Kurators.

Wer den Beruf ergreifen will, studiert Kunstgeschichte oder ein verwandtes Fach aus dem Kanon der Kultur- und Geisteswissenschaften. „Ein Studium der Kunstgeschichte ist der klassische Weg“, bestätigt Dr. Marcus Dekiert, Leiter des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln und Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Kunsthistoriker. „Infrage kommen aber auch Geschichte oder Archäologie. Nicht alle Museen sind Kunstmuseen, es gibt zum Beispiel auch Technikmuseen und Häuser mit ganz anderen Schwerpunkten.“ Nach dem Studium folgt meist ein zweijähriges Volontariat in einem Museum. „Während dieser Zeit erlernt man das Rüstzeug, um sich anschließend auf eine Kuratorenstelle zu bewerben.“ Die Anforderungen für ein Volontariat können je nach Ausschreibung variieren. Ein abgeschlossenes Studium ist in der Regel Grundvoraussetzung. Für wissenschaftlich ausgerichtete Stellen oder für Volontariate in größeren Häusern – in erster Linie mit kunsthistorischen oder archäologischen Sammlungen – kann auch eine Promotion gefordert sein.

Ein Beruf mit vielen Facetten

Ein Porträt-Foto von Dr. Marcus Dekiert

Dr. Marcus Dekiert

Foto: privat

Das Aufgabenspektrum von Kuratoren ist groß. Von der ersten Idee für eine Ausstellung bis zur Fertigstellung und Eröffnung sind viele Schritte zu erledigen. Und auch danach ist die Arbeit nicht beendet. „Der administrative und organisatorische Anteil bei der Arbeit wird von außen oft unterschätzt“, meint Marcus Dekiert.

Steht die Idee für eine Ausstellung, wird zunächst ein Konzept ausgearbeitet. Danach gilt es, passende Exponate zu finden. Leihgeber und private Besitzer müssen überzeugt werden, ihre Bilder oder Objekte zur Verfügung zu stellen. „Oft gerät man da schon an die erste Hürde, denn man bekommt nicht jedes Exponat, das man gerne hätte. Daher ist Flexibilität in der Zusammenstellung gefordert“, berichtet der Experte.

Stehen die Ausstellungsstücke fest, beginnt meist die Arbeit am Katalog. Diesen schreiben Kuratoren entweder selbst oder sie gewinnen Autoren. Des Weiteren gehören Lektorat, Korrektur, Bildauswahl und die Begleitung bis zum fertigen Druck dazu. Daneben gibt es die finanzielle Seite: Jede Ausstellung kostet Geld. Die Kuratoren müssen die Budgetierung sicherstellen und eventuell Sponsoren gewinnen.

Wenn die Ausstellung steht, gilt es, diese bekannt zu machen: Ausstellungseröffnung, Pressekonferenzen, Gespräche mit den Medien und Vorträge sind wesentliche Aspekte der Tätigkeit. „Diese Aufgaben haben heute ein stärkeres Gewicht, als es früher der Fall war. Als Kurator ist man gefordert, für seine Institution und sein Projekt einzustehen und dieses zu bewerben“, bestätigt Marcus Dekiert.

Enger Arbeitsmarkt fordert hohe Flexibilität

Kuratoren arbeiten in Galerien und auf dem freien Kunstmarkt, oft in zeitlich befristeten Projekten. Viele von ihnen arbeiten freiberuflich, denn die Möglichkeiten der Festanstellung sind begrenzt. Marcus Dekiert erklärt, wie es trotzdem gelingen kann, an eine der begehrten Positionen zu kommen: „Es ist hoher Einsatz erforderlich – man muss mit voller Power hinter dem stehen, was man tut. Viele Kolleginnen und Kollegen sind hochqualifiziert und zunächst in Zeitverträgen. Sie sind sehr stark davon getragen, dass ihnen das, was sie tun, wichtig ist.“

Als wichtige Eigenschaften nennt er Überzeugung, Durchhaltevermögen sowie Flexibilität in fachlicher und örtlicher Hinsicht. Der berufliche Einstieg lasse sich nicht planen: „Man muss Glück haben, um jemanden zu finden, der einen im richtigen Moment unterstützt und Empfehlungen ausspricht“, erklärt Marcus Dekiert.

Weitere Informationen

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Beruf „Kurator/in“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Museum und Kulturvermittlung, Kulturmanagement“.
http://berufsfeld-info.de/abi

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: z.B. Kunstwissenschaft).
www.studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Kurator/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Deutscher Museumsbund e.V.

Die Interessenvertretung der Museen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland. Eine bunte und zukunftsfähige Museumslandschaft mit einem breiten öffentlichen Zugang für die Gesellschaft ist sein vorangiges Ziel.
www.museumsbund.de

Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V.

Berufsverband deutscher Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker. Der Verband widmet sich klassischen Berufsfeldern in Museen und der Denkmalpflege sowie an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Daneben bietet er Hilfestellung für freiberufliche Kuratorinnen und Kuratoren und unterstützt Berufseinsteiger.
www.kunsthistoriker.org

 

Kurator

Allrounder im Museum

Von der Ideenfindung bis zur Realisierung – als Museumsleiter und Kurator organisiert Marco Hompes (33) zeitgenössische Kunstausstellungen im Museum Villa Rot in Burgfrieden in Baden-Württemberg.

Der Arbeitsalltag von Marco Hompes gestaltet sich abwechslungsreich: „Morgens checke ich zum Beispiel erst einmal meine E-Mails, dann kommt vielleicht ein Künstler zum Gespräch vorbei oder ich recherchiere Themen für die nächste Ausstellung. Oft bespreche ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen oder schreibe eine Pressemitteilung – und schon ist der Tag rum“, berichtet der Leiter des Museums Villa Rot.
Einen typischen Arbeitstag gibt es nicht. „Es kommen jeden Tag neue Überraschungen und auch kleinere oder größere Katastrophen auf mich zu“, sagt er lachend.

Pressetexte schreiben und Ausstellungen organisieren

Ein Porträt-Foto von Marco Hompes.

Marco Hompes

Foto: privat

Welche Aufgaben und Funktionen ein Kurator hat, hängt sehr stark von der Größe des Museums ab. Da die Villa Rot ein kleines Museum ist, übernimmt Marco Hompes mehr Zuständigkeitsbereiche als ein Kurator in einem großen Haus. „Ich kümmere mich unter anderem um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, dazu gehört der Kontakt zu Journalisten, das Schreiben von Pressetexten bis hin zur Betreuung von Social-Media-Kanälen“, berichtet er.

Darüber hinaus hält der 33-Jährige Workshops, gibt Führungen, organisiert Ausstellungen, wählt Künstler aus und schließt Leihverträge für Exponate ab. Er hilft selbst beim Aufbau neuer Ausstellungen mit und streicht dafür auch mal Wände. „Also das komplette Programm“, sagt der Kurator schmunzelnd. „Nur putzen muss ich nicht.“

Praktische Erfahrungen sind das A und O

Basis für seine Tätigkeit als Kurator war das Magisterstudium der Kunstwissenschaften an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. „Da das praktische Nebenfach ‚Ausstellungsdesign und kuratorische Praxis‘ zum Studiengang gehörte, konnte ich bereits während des Studiums Ausstellungen organisieren. Außerdem war ich nebenbei auch noch in der Kunstvermittlung tätig und habe kleinere Ausstellungsprojekte betreut“, erzählt Marco Hompes und betont, wie wichtig praktische Erfahrungen seien, um im Berufsleben Fuß fassen zu können.

Nach dem Studium absolvierte er ein zweijähriges Volontariat in einem Museum. Danach arbeitete er zunächst ein Jahr lang freiberuflich bei verschiedenen Projekten mit. „Eine feste Anstellung als Kurator zu finden, war schwierig. Die Stellen sind heiß begehrt“, erzählt er. Seine heutige Stelle verdankt er einem glücklichen Zufall: „Ich habe eine Vertretungsstelle im Museum Ulm bekommen und dort in der Kunstvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Als die Stelle auslief, fragte mich die Leiterin, ob ich nicht ihre ehemalige Position in der Villa Rot übernehmen möchte.“ Diese war gerade wieder frei geworden.


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Stand: 23.07.2019