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Engagement für Flüchtlingskinder

Lehrerin unterrichtet Schüler im Klassenraum.
Nanine Stock unterrichtet Jugendliche und junge Erwachsene aus Osteuropa und Syrien.
Foto: Axel Jusseit

Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache

Engagement für Flüchtlingskinder

Bereits ihre eigene Schulzeit weckte in Nanine Stock den Wunsch, Lehrerin zu werden. Während ihres Lehramtsstudiums in Deutsch und Sozialwissenschaften an der Technischen Universität (TU) Dortmund erwarb sie eine Zusatzqualifikation in „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ)“. Heute arbeitet die 32-Jährige als Sprachlehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium in Herne.

Seit rund einem Jahr ist Nanine Stock Klassenlehrerin einer Übergangsklasse, die Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- sowie Migrationsfamilien auf den Regelunterricht vorbereitet. Dort unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache. „Im Studium fand ich die DaF/DaZ-Veranstaltungen immer unglaublich spannend“, erinnert sie sich. Entsprechende Studiengänge seien damals eher rar gesät gewesen, also erwarb sie stattdessen das Zertifikat.

Ein Porträt-Foto von Nanine Stock

Nanine Stock

Foto: Privat

Zwei Jahre lang lernte sie, wie sie Kindern mit Migrationshintergrund Förderunterricht erteilt und begleitete als Tutorin im Bereich DaF/DaZ internationale Studierende der TU Dortmund. Nach ihrem Referendariat an einer Gesamtschule fiel ihr eine Stellenausschreibung ins Auge: Das Otto-Hahn-Gymnasium suchte für eine internationale Klasse eine Lehrkraft, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Sie ergriff die Chance und bewarb sich.

Eine Herausforderung, die Spaß macht

„Eine internationale Klasse zu unterrichten, macht mir sehr viel Spaß, auch wenn es eine große Herausforderung ist“, schildert Nanine Stock. Aber das treffe angesichts der aktuellen Entwicklungen auf alle Schulen zu. „Bei Gymnasien kommt hinzu, dass sie ihre Schüler auf die Hochschulreife vorbereiten – für Jugendliche aus anderen Herkunftsländern, die erst noch eine neue Sprache lernen müssen, ist das ein enormer Anspruch.“ Die meisten ihrer zehn bis 17 Jahre alten Schüler kommen aus Syrien, es sind aber auch Kinder und Jugendliche aus Osteuropa darunter. „Es herrscht immer eine gewisse Fluktuation, weil wir die Schüler möglichst schnell in den Regelbetrieb eingliedern möchten“, erklärt Nanine Stock. „Wir versuchen, den Leistungsstand individuell zu differenzieren und lassen die Schüler je nach ihrem Niveau einzelne Fächer besuchen.“

Im Unterricht greift die Sprachlehrerin Themen auf, zu denen möglichst viele Schüler ihrer kulturell vielfältigen Klasse einen Bezug haben. „Wir widmen uns dann bestimmten Aspekten, wie zum Beispiel Hobbys oder Berufen, und verknüpfen sie mit den Lernfeldern Wortschatz, Grammatik und Lautlehre“, sagt sie. Die syrischen Kinder und Jugendlichen interessieren sich besonders für Berufe und erzählen gerne, was sie später werden möchten, ist ihre Erfahrung. „Ein 14-jähriger Schüler schilderte unlängst im Unterricht, dass er in Syrien bereits als Friseur tätig war und dies nach wie vor sein Wunschberuf ist.“ Um die Aussprache und das Hörverständnis zu verbessern, zeigt Nanine Stock auch mal Filme – beispielsweise über junge Auszubildende, die von ihrer Arbeit berichten.

Wichtiger Baustein der Integration

Da viele Schüler aus Flüchtlingsfamilien traumatisiert sind, möchte die Sprachlehrerin ihnen vor allem wieder Normalität geben. Sie erstellt dafür Stundenpläne, die individuell auf sie zugeschnitten sind und Nachhilfemöglichkeiten vorsehen. „Die Sprachlehre ist ein wichtiger Baustein der Integration und trägt enorm zur Entwicklung der Kinder und Jugendlichen bei“, sagt Nanine Stock. Genau diese Aufgabe reizt sie an ihrem Beruf. „Es macht mir Spaß, ein neues Aufgabenfeld mitzugestalten, das noch so viel Entwicklungspotenzial hat.“

Auch auf lange Sicht möchte sie Menschen anderer Nationen die deutsche Sprache vermitteln. „Weil der Fachbereich aber so stark in Bewegung ist, kann ich noch nicht genau sagen, wo ich mich in einigen Jahren sehe. Auf jeden Fall würde ich gerne weiterhin an einer Schule arbeiten.“

abi>> 10.02.2016