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Ein Buch in zwei Stunden

Detailaufnahme eines offenen Buches
Wer den beliebten Beruf des Lektors ergreifen möchte, sollte die intensive Auseinandersetzung mit Büchern nicht scheuen.
Foto: Swen Reichhold

Lektorin

Ein Buch in zwei Stunden

Berge von Manuskripten im Schnellverfahren lesen, mit Autoren über Änderungen diskutieren und Texten den letzten Schliff verleihen – so stellen sich viele den Arbeitsalltag von Lektoren vor. Das trifft auch zu, hinzu kommt jedoch noch einiges mehr. Lektoren müssen den Buchmarkt genau kennen und ein Gespür dafür haben, was bei den Lesern ankommt.

Britta Fietzke ist Lektorin bei der Büchergilde Gutenberg und kann Bücher in Höchstgeschwindigkeit lesen. Schließlich muss sich die 32-Jährige auf dem Laufenden halten, welche Neuerscheinungen andere Verlage im Programm haben. Die Buchgemeinschaft mit Sitz in Frankfurt am Main erwirbt Lizenzen von Verlagen, gibt den Büchern andere Cover und eine hochwertigere Ausstattung. „Ich nehme viel Literatur mit nach Hause, weil ich im Büro oft zu sehr abgelenkt bin. Zur Not scanne ich ein Buch auch mal in zwei Stunden. So weiß ich, ob es zum Beispiel Einbrüche in der Sprachqualität gibt oder ob das Ende spannend geschrieben ist“, erklärt die Lektorin.

Außerdem sichtet sie Layoutentwürfe und entscheidet gemeinsam mit ihren Kollegen, welcher Entwurf am besten zum Inhalt passt. „In größeren Verlagen ist das eher die Aufgabe der Vertriebs- und Marketingabteilung, kleinere müssen aber ihre Mitarbeiter vielseitiger einsetzen“, ergänzt sie. Für die Edition Büchergilde, dem eigenen Verlag der Büchergilde Gutenberg, ist die Lektorin darüber hinaus auf der Suche nach neuem Lesestoff.

Verlagsprogramm gestalten

Porträt von Britta Fietzke

Britta Fietzke

Foto: Fotofabrik Frankfurt

Um interessante neue Bücher ausfindig zu machen, greift Britta Fietzke zum Beispiel auf die Unterstützung von Literaturagenturen zurück, die Manuskripte von Nachwuchsautoren an Verlage vermitteln. Texte, die ins Verlagsprogramm passen, werden von ihr vorab genau geprüft: „Manchmal finden sich logische Fehler in der Handlung oder Details stimmen nicht“, erklärt sie beispielhaft. Mit den Autoren bespricht sie anschließend, welche Änderungen notwendig sind.

Nachdem der fertige Text gesetzt ist, wird dieser Korrektur gelesen. Bevor das Buch in Druck geht, prüft die Lektorin nochmals Zeilenumbrüche und Worttrennungen – im Fachjargon nennt sich das Umbruchkorrektorat.

Gefragt sind Allrounder

Da jedes Buch auch vermarktet werden muss, erarbeitet die Lektorin gemeinsam mit ihren Kollegen aus Vertrieb und Marketing passende Werbestrategien. „Als kleiner Verlag haben wir nicht die Mittel, riesige Plakate an die Straße zu hängen. Deshalb machen wir viel über Social Media und posten zum Beispiel Verlosungen, Kapitelvorschauen oder Illustrationen – alles in Kombination mit Lesungen natürlich“, sagt die 32-Jährige.

Ein gutes Sprachgefühl allein reiche für ihren Beruf daher nicht aus. Den nationalen sowie internationalen Buchmarkt kennen und genau wissen, was die Zielgruppe lesen will, sei mindestens ebenso wichtig wie ein hohes Maß an Selbstorganisation.

Eine gut vernetzte Branche

Damit der Berufseinstieg gelingt, ist viel Durchhaltevermögen gefragt, denn Tätigkeiten in der Verlagsbranche sind rar und sehr begehrt. Nach dem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Kunstgeschichte arbeitete Britta Fietzke zunächst als Übersetzerin. Aber das war ihr zu einsam. Nach einem Verlagspraktikum in Karlsruhe war der Weg klar und sie bewarb sich erfolgreich um ein Volontariat beim Wirtschaftsbuchverlag Frankfurter Allgemeine Buch. Anschließend wechselte sie zur Edition Büchergilde.

„Meine Bewerbungsunterlagen hatte ich an eine Personalvermittlung geschickt, die auf Verlage und Medien spezialisiert ist, und es hat geklappt“, erinnert sie sich. Schon damals engagierte sich Britta Fietzke beim Verein Junge Verlagsmenschen, der das Netzwerken in den Mittelpunkt stellt: „Wir haben verschiedene Städtegruppen, die sich bei Stammtischen, Workshops und Veranstaltungen treffen. Als ich für das Volontariat nach Frankfurt gezogen bin, habe ich dadurch viele Leute mit den gleichen Interessen kennengelernt und Kontakte geknüpft, aus denen Freundschaften wurden.“

abi>> 16.11.2017