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Von der Inspiration zur Kollektion

Verschiedene Stoffe liegen in einem Regal.
Seide, Cord, Baumwolle & Co.: Die vielfältige Welt der Textilien lässt Modedesigner immer wieder neue Trends setzen.
Foto: Julien Fertl

Modedesigner/in

Von der Inspiration zur Kollektion

Schnitte verbessern, Stoffe bestellen, Pressearbeit: Als selbstständige Modedesignerin hat Sarah Effenberger (30) weitaus mehr Aufgaben zu erledigen als das Entwerfen von Kleidung. Der Weg hin zu ihrem vielseitigen Job war herausfordernd – doch die Berlinerin ist sich sicher, ihre Berufung gefunden zu haben.

„Die wirklich kreative Arbeit, das Entwickeln einer Kollektion, macht nur einen sehr kleinen Teil meines Berufs aus“, sagt Sarah Effenberger. Dafür verbringt sie viel Zeit am Schreibtisch – etwa um Größen zu berechnen oder um via E-Mail mit der Produktionsstätte zu kommunizieren. Sie lässt die Kollektionen ihres Labels „Fomme“ in Polen herstellen, enge Absprachen sind für die Zusammenarbeit unerlässlich.

„Momentan nehme ich die Bestellungen der vorigen Saison entgegen und bereite die Produktion vor“, erklärt sie. Schnitte müssen abgenommen und optimiert werden und von den Musterstücken auf verschiedene Größen übertragen werden – denn die Abnehmer im Einzelhandel kaufen natürlich mehr Größen ein als die, die das Model auf dem Laufsteg trägt.

Modedesign studieren

Porträt von Sarah Effenberger

Sarah Effenberger

Foto: privat

Mit der Gründung ihres eigenen Labels ist Sarah Effenberger etwas gelungen, wovon viele träumen. Doch die 30-Jährige betont, dass der Weg dorthin nicht einfach war. Erst im dritten Anlauf fand sie das Studium, das zu ihr passte: Sie absolvierte ein Bachelor- sowie ein Masterstudium in Modedesign an der Universität der Künste Berlin (UdK) und lernte dort viel über Modetheorie, -technologie und Designforschung. Auch bei der Konzeption von Kollektionen hat ihr das Studium geholfen.

Den Masterabschluss hat sie angehängt, weil neben der Selbstständigkeit auch die Lehre ihr Ziel war. Nun kann sie an der UdK selbst Studierende ausbilden. „Der Abschluss hat mir aber vor allem deshalb viel gebracht, weil das Thema meiner Abschlussarbeit ein sehr angewandtes war“, sagt sie: „Ich habe mich dabei intensiv mit meiner Identität als Designerin auseinandergesetzt und die Gründung meines Labels konkret geplant.“

Eigeninitiative zeigen

„Fomme“ ist ein Label für unisexorientierte Herrenmode – eine Sparte, für die sich Sarah Effenberger vieles zusätzlich beibringen musste, da die Lehre an der Universität auf Damenkonfektionen ausgerichtet war. „Ich habe an der UdK viel Unterstützung bekommen, aber ich musste es selbst in die Hand nehmen“, erklärt sie.

Die Kenntnisse in Buchhaltung, Preiskalkulation und Steuerfragen, die sie als Selbstständige mit einer Angestellten braucht, eignete sie sich ebenfalls eigenständig an. Dazu belegte sie im Anschluss an ihr Studium Seminare und Coachings. „Die Studieninhalte konzentrierten sich auf den kreativen und technischen Bereich. Wie ich mein Label führe, habe ich dort nicht gelernt.“

Eine Herausforderung stellte zudem der finanzielle Aspekt dar. Zwar fallen an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren an, doch Materialien und auch Nähhilfen wollen bezahlt werden. „Das können schon mal 2.000 Euro pro Semester sein“, sagt Sarah Effenberger. Für Nebenjobs lasse das Studium aber nur wenig Zeit. „So bleiben zwei Möglichkeiten: spendable Eltern – oder die Aufnahme eines Kredits“, erklärt sie nüchtern.

Lorbeeren ernten

Auch nach dem Studium ist ein starker Wille gefragt; Sarah Effenberger ist die Einzige ihres Jahrgangs, die sich selbstständig gemacht hat. „Insgesamt würde ich nur denen zu diesem Beruf raten, die hundertprozentig dahinter stehen und auch bereit sind, dafür Opfer zu bringen.“

Trotz allem ist sie überzeugt davon, ihre Berufung gefunden zu haben – vor allem, wenn es wieder an den Entwurf der neuen Kollektion geht. Dann befasst sich die Berlinerin intensiv mit Inspirationsstudien, bevor sie in ihrem Atelier mit dem Zeichnen, der Stoffauswahl und dem Nähen der Musterstücke beginnt – und bevor ihr Werk schließlich auf Schauen in Tokio oder Paris bewundert wird.

abi>> 29.03.2017

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