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Neugierde auf die Welt

Altar einer jüdischen Synagoge. Foto: Axel Jusseit
Zentrum des jüdischen Glaubens, nicht nur am Schabbat: die Synagoge.
Foto: Axel Jusseit

Religionswissenschaftlerin

Neugierde auf die Welt

Seminare geben, Workshops und Exkursionen organisieren, Studierende beraten und die eigene Forschung vorantreiben: Die Tätigkeiten in der religionswissenschaflichen Forschung sind vielfältig. Genau das Richtige für Ulrike Kollodzeiski (34).

Die Religionswissenschaftlerin mag die Abwechslung in ihrem Beruf als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Frankfurt. Sie hat eine Zwei-Drittel-Stelle, wovon sie die Hälfte für die Forschungen an ihrem Dissertationsprojekt aufwendet. Die restliche Zeit ist mit Aufgaben aus dem Universitätsbetrieb gefüllt. „Mir gefällt, dass man bei meiner Tätigkeit immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Außerdem lernt man jeden Tag etwas dazu“, schwärmt die 34-Jährige.

Freude am Lernen

Portraitfoto von Ulrike Kollodzeiski. Foto: Privat

Ulrike Kollodzeiski

Foto: Privat

Nach dem Abitur hatte Ulrike Kollodzeiski zunächst begonnen, Buch- und Medienproduktion in Leipzig zu studieren. „Allerdings ist mir bei einem Praktikum klar geworden, dass die Arbeit als Verlagsherstellerin nichts für mich ist. So habe ich mich doch noch für Religionswissenschaft und Jüdische Studien auf Bachelor an der Universität Potsdam eingeschrieben“, erklärt sie. Nach diesem Studium und einem Master in Geschichte schreibt sie nun an ihrer Doktorarbeit an der Universität Frankfurt.

„Um als Religionswissenschaftler in der Forschung tätig sein zu können, muss man vor allem Freude am Lernen haben. Ich lese und recherchiere gerne“, berichtet Ulrike Kollodzeiski.

Für ihre Doktorarbeit über die Darstellung der Religionen in Berichten des Forschungsreisenden Pietro della Valle aus dem 17. Jahrhundert hat sie dies auch in den Vatikanischen Archiven in Rom getan, wo dessen Nachlass in Form von Briefen und Tagebüchern aufbewahrt wird. „Ich habe für meine Doktorarbeit Italienisch gelernt“, erzählt sie. „Sprachen zu können, ist für Religionswissenschaftler sehr wichtig. Fachliteratur ist häufig auf Englisch geschrieben und je nachdem, mit welchen Religionen aus welchen Teilen der Welt man sich befasst, braucht man noch weitere Sprachkenntnisse.“ Sie selbst hat im Studium Latein und Hebräisch gelernt, um wichtige Quellen, wie die Bibel, im Original lesen zu können.

Indischer Hindu, europäischer Christ

Das Forschen lernt man bereits im Studium. Neben religionskundlichen Themen, in denen die Religionen näher betrachtet werden, kommen auch abstrakte Konzepte zur Forschung zur Sprache. „Wie kann man einen Hindu, der in Indien lebt, mit einem Christen in Europa vergleichen?“, nennt Ulrike Kollodzeiski ein Beispiel. Die Methoden, die dazu benötigt werden, hat sie im Studium vermittelt bekommen.

Mitbringen sollte man allerdings bereits die Neugierde auf das Fremde. „Das kann in der Forschung schon eine Herausforderung sein, wenn man irgendwo in Afrika, Lateinamerika oder Indonesien erst einmal verstehen muss, wie das Land funktioniert, bevor man mit den Forschungen beginnen kann“, erläutert die Religionswissenschaftlerin.

Mehr als Forschen

Neben der Arbeit an ihrem Dissertationsprojekt ist Ulrike Kollodzeiski in der Lehre tätig. So gibt sie ein Seminar, das sich mit grundlegenden Themen beschäftigt, wie Einführung in die Religionswissenschaft, Säkularisierung oder Einführung ins orientalische Christentum. Außerdem ist sie für die Studienberatung der Masterstudierenden zuständig. Hier hilft sie ihnen beispielsweise, ein sinnvolles Praktikum zu finden und Kontakte ins Berufsleben zu knüpfen. „Mir macht auch dieser Teil meiner Stelle großen Spaß. Hier kann ich meine Erfahrungen weitergeben“, erzählt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Neben Zuarbeiten für ihre Professorin sorgen besonders Sonderprojekte für Abwechslung. So war Ulrike Kollodzeiski Koordinatorin eines Austauschprojekts mit zwei iranischen Hochschulen, für das sie im Iran und in Deutschland Workshops und Exkursionen für Studierende und Dozierende organisiert hat. „Man kann sich die Arbeit sehr frei einteilen“, erzählt sie. „Allerdings sollte man dann aufpassen, dass man nicht ständig arbeitet, sondern sich auch freie Zeiten einplant.“

Die Religionswissenschaftlerin wird ihr Dissertationsprojekt bald abschließen. Wie es für sie in Zukunft weitergeht, weiß sie noch nicht. „Ich würde gern weiter in der Forschung tätig sein“, erzählt sie. „Ob es nach meiner Doktorarbeit eine Stelle für mich gibt, wird sich zeigen. Ich würde gerne noch einmal die Universität wechseln, um eine neue Perspektive auf mein Fach zu bekommen. Eine andere Möglichkeit wäre, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen und dafür Gelder einzuwerben.“ An Perspektiven mangelt es jedenfalls nicht.

abi>> 26.07.2018