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Der Laden läuft

Junger Mann erstellt Magazinlayout am Rechner.
Ein Startup zu gründen erfordert viel Arbeit und Ausdauer. Der "Grafikladen" begann in einem kleinen Home-Office in der WG.
Foto: Martin Rehm

Selbstständige Grafikerin

Der Laden läuft

Johanna Dreyer (29) wagte den Schritt in die Selbstständigkeit: Zusammen mit Katharina Weiß (29) gründete sie den „Grafikladen“ in Berlin – nach ersten Herausforderungen haben die Designerinnen schon einiges erreicht.

Die Referenzen können sich sehen lassen. Ruft man die Homepage www.grafikladen.net auf, erscheinen, stilvoll und bildstark in Szene gesetzt, Plakate, Werbemittel, Magazine, Visitenkarten, Bücher, Fotografien, Produktdesign, Editorial Design und andere Werbemittel bis hin zur Ausstattung ganzer Events und Ausstellungen. Der Laden läuft, denkt der Betrachter unweigerlich. Doch bis es soweit war, war ein langer Atem nötig. „Wir hatten uns im Design-Studium an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg kennengelernt und schon diverse Projekte zusammen gemacht. Dabei haben wir gemerkt, dass wir ein gutes Team sind“, sagt Johanna Dreyer, die mit Katharina Weiß daraufhin die Existenzgründung wagte. Das war vor fünf Jahren und begann mit einem kleinen Home-Office in der Wohngemeinschaft, in der sich die heute 29-Jährigen bereits die Räume teilten.

„Wir haben es einfach gemacht“

Ein Porträt-Foto von Johanna Dreyer und Katharina Weiß

Johanna Dreyer und Katharina Weiß (v.l.)

Foto: Anne Freitag

Beide Grafikdesignerinnen wollten gern im kulturellen Bereich arbeiten. „Eine Anstellung in dem Bereich zu finden, erwies sich jedoch als schwierig, und die Investitionskosten für die Selbstständigkeit hielten sich in unserem Fall in Grenzen. Wir hatten einen Computer, wir hatten uns als Team – also haben wir es einfach gemacht“, erinnert sich Johanna Dreyer. Zum Thema Selbstständigkeit hatten sich die beiden Frauen bereits im Studium schlau gemacht: „Im letzten Semester hatten wir ein Seminar zum Thema Existenzgründung belegt. Hier wurden viele Fragen geklärt, etwa zur Rechtsform oder zur Versteuerung“, erzählt Johanna Dreyer.

Um finanzielle Sicherheit zu haben, jobbten die beiden in der Anfangszeit noch nebenbei. So konnten sie auch Projekte annehmen, die ihnen zwar sehr gut gefielen, bei denen das Honorar aber eher gering ausfiel. „Zunächst ging es uns vor allem darum, ein Portfolio aufzubauen, mit dem wir uns präsentieren konnten.“ Doch schon bald ging es voran, nach einem halben Jahr zog ihr Grafikladen in eine alte Fabriketage ein. Seit Sommer 2018 befindet er sich in Büroräumen in der Berliner Gaswerksiedlung.

„Ein wesentlicher Schritt zur Professionalisierung war, die eigene Webseite zu gestalten und die Projekte, die wir schon gemacht hatten, ansehnlich zu fotografieren und zu präsentieren“, berichtet Johanna Dreyer. „Als wir unsere ersten Visitenkarten rausgeben konnten, kam ein Punkt, an dem man merkte: Es hat sich etwas verändert.“ Unter dem Motto „Raum für strategische Gestaltung“ achteten die beiden von Anfang an darauf, einen bestimmten Kundenkreis anzusprechen, „hauptsächlich Kunden im kreativen, kulturellen Bereich, aber auch Menschen, die zum Beispiel an innovativer Zukunft interessiert sind.“ Die Aufgaben der Designerinnen reichen dabei von der Konzeption über die Gestaltung bis hin zur Betreuung der Produktion.

Das erste feste Gehalt

Mundpropaganda tat ihr Übriges, wie Johanna Dreyer feststellt. „Seit ungefähr zwei Jahren sind wir an dem Punkt, uns ein festes Einkommen zahlen zu können. Das hat etwas gedauert und unser Jahresumsatz schwankt immer noch.“ Um auf der sicheren Seite zu bleiben, beschränken sich beide auf einen Lohn von jeweils 2.500 brutto monatlich. Zeigt sich bei der jährlichen Einkommenssteuererklärung, dass etwas übrig bleibt, wird es gespart. „Mit Investitionen sind wir vorsichtig, aber wir haben zum Beispiel eine Wachstumsberatung gemacht, weil wir gemerkt haben, dass uns der betriebswirtschaftliche Hintergrund fehlte – etwas, das sich bereits ausgezahlt hat.“ Inzwischen beschäftigen die beiden eine Freelancerin, die sie bei den Projekten unterstützt und dafür nach Tagessätzen bezahlt wird.

Um sich fachlich weiterzubilden, erwarb Johanna Dreyer den Master of Arts in „Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation“ an der Universität der Künste Berlin. Katharina Weiß macht dort derzeit nebenberuflich den Master in „Leadership in digitaler Kommunikation“. Rückblickend haben sie durch ihre Existenzgründung einiges dazugelernt. „Wir können anderen nur raten, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Uns war es wichtig, uns mit Menschen zu unterhalten, die sich selbstständig gemacht und diesen Prozess bereits durchlaufen haben. Daraus kann man viel lernen.“

abi>> 04.02.2019