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Einfach verständlich machen

Ein Mikrofon und Kopfhörer: Arbeitsmaterialien von Simultandolmetschern.
Anne Leichtfuß übersetzt komplexe Sachverhalte in Leichte Sprache. Sie spricht dabei häufig in ein Mikrofon. Das Gesagte wird dann via Kopfhörer an die Empfänger übermittelt.
Foto: Alex Becker

Simultandolmetscherin Leichte Sprache

Einfach verständlich machen

Die 39-jährige Anne Leichtfuß arbeitet als Simultandolmetscherin für Leichte Sprache in erster Linie für Menschen mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund. Ihre Auftraggeber sind unter anderem Verbände und Ministerien, aber auch Festivals und Konferenzen.

Manchmal mischt Anne Leichtfuß sogar in der Politik mit – wenn auch nur indirekt. Kurz vor der Bundestagswahl im vergangenen September beispielsweise hatte eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen im schleswig-holsteinischen Kiel zur Debatte lokaler Spitzenpolitiker geladen. 80 Leute waren gekommen, um sich die Wahlprogramme und Wahlversprechen anzuhören – darunter neben den Bewohnern der Einrichtung auch viele Familien mit Kindern. Auf der Bühne stand auch Anne Leichtfuß. Die Veranstalter hatten sie engagiert, um die Aussagen der Politiker in eine einfachere Sprache zu übersetzen und so für alle Anwesenden verständlich zu machen.

Als Simultandolmetscherin für Leichte Sprache sorgt die gebürtige Bonnerin dafür, dass auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, Migrationshintergrund oder an Demenz erkrankte ältere Leute komplizierte Sachverhalte inhaltlich nachvollziehen können. Zu diesem Zweck verzichtet sie zum Beispiel auf Fremdwörter, komplexe Grammatik oder amtssprachliche Wendungen.

Unterwegs in allen deutschsprachigen Ländern

Ein Porträt-Foto von Anna Leichtfuß

Anne Leichtfuß

Foto: Martin Langhost

Gerade bei politischen Themen sei das manchmal gar nicht so einfach, schmunzelt Anne Leichtfuß: „Darum war es ein besonders schönes Gefühl, als ich gemerkt habe, dass die sehr theoretisch formulierten Aussagen der Politiker durch meine Übersetzung für alle Zuhörer plötzlich greifbarer wurden, und zwar nicht nur für diejenigen mit Handicap.“

Kein Wunder, dass ihre Arbeit gefragt ist. Ob Deutschland, Schweiz, Österreich, Luxemburg – Anne Leichtfuß ist viel unterwegs. Die Arbeit als Simultandolmetscherin für Leichte Sprache führt sie manchmal jeden Tag an einen anderen Ort, zu Veranstaltungen von Verbänden, Ministerien, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, zu Festivals und Konferenzen.

Viel Zeit zum Erholen zwischen zwei Übersetzungstätigkeiten bleibt ihr häufig nicht. Dabei ist das Simultandolmetschen für Leichte Sprache eine hochanspruchsvolle Tätigkeit, die volle Konzentration erfordert. Schließlich wird bei dieser Form des Dolmetschens die Übersetzung fast gleichzeitig mit dem Ausgangstext produziert.

Dass Anne Leichtfuß so viel zu tun hat, liegt auch daran, dass es aktuell in Deutschland nur sehr wenige Simultandolmetscher für Leichte Sprache gibt.

Erste Erfahrungen im Bereich schriftliche Übersetzung

In den Beruf kam Anne Leichtfuß über Umwege. Ursprünglich arbeitete sie als Buchhändlerin, dann beschloss sie, sich neu zu orientieren und absolvierte den Studiengang „Online Redakteur“ an der Technischen Hochschule Köln. „In einem Seminar, in dem verschiedene Techniken der Barrierefreiheit gelehrt wurden, kam ich das erste Mal in Kontakt mit dem Thema Leichte Sprache“, erinnert sie sich. „Ich habe sofort gemerkt, dass mir das liegt.“ Zunächst konzentrierte sie sich auf das schriftliche Übersetzen, das sie auch nach wie vor betreibt: „Das ist eine wichtige Grundlage für die spätere Arbeit als Simultandolmetscherin“, findet Anne Leichtfuß.

Nicht immer ist sie bei ihrer Arbeit so präsent wie bei der Wahlkampfveranstaltung in Kiel. Häufig sitzt sie, nahezu unsichtbar, im Publikum oder hinter einem Vorhang. Ihre Zielgruppe hört sie dann über Kopfhörer. Übersetzt sie nur für ein oder zwei Leute, nimmt sie direkt neben diesen Platz.

Intensive Vorbereitung, eigenständige Recherche

Gleichbleibend intensiv ist die Vorbereitung für jede Veranstaltung – und zwar unabhängig von der Anzahl derjenigen, die einer Übersetzung bedürfen. Manchmal erhält sie entsprechendes Material, doch häufig muss sie die Hintergründe und Informationen für ihre Übersetzungen komplett eigenständig recherchieren. Das ist eine große Herausforderung: „Ich habe schon in den unterschiedlichsten Bereichen übersetzt: Etwa bei Science Slams, bei denen junge Wissenschaftler ihre Forschungsprojekte auf einer Bühne präsentieren, ähnlich wie bei einem Poetry Slam. Aber auch Anhörungen im Bundestag zum Bundesteilhabegesetz habe ich schon besucht“, erzählt Anne Leichtfuß. Wer den Beruf ausüben möchte, sollte ihrer Meinung nach deshalb ein großes Interesse an den unterschiedlichsten Themen mitbringen und offen sein für Neues.

Belohnt wird sie dafür jedes Mal: „Die Dankbarkeit der Menschen ist immens. Diese Wertschätzung ist unheimlich motivierend.“

abi>> 24.01.2018

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