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Ein Leben fürs Theater

Innenraum eines Theaters
Trotz ungewöhnlicher Arbeitszeiten und befristeter Verträge üben die "Bretter, die die Welt bedeuten" eine ganz besondere Anziehungskraft aus - auch als Arbeitsort.
Foto: Karsten Socher

Pressereferentin am Theater

Ein Leben fürs Theater

Wer das Schauspiel liebt, jeden Abend live dabei sein will und neuen Inszenierungen entgegenfiebert, der muss ans Theater. Julia Deppe (27) nimmt dafür gerne ungewöhnliche Arbeitszeiten in Kauf, genauso wie ein nicht allzu großes Gehalt. Sie hat Theaterwissenschaft studiert und arbeitet nun als Pressereferentin am Theater Niedersachsen in Hildesheim.

Als Pressereferentin ist Julia Deppe Ansprechpartnerin für alle Anfragen von Journalisten. „Ich vermittle Interviews, organisiere Pressetermine und schreibe Pressemitteilungen. Für die interne Arbeit erstelle ich täglich einen Pressespiegel und bin auch für Social Media zuständig“, sagt sie.

So oft wie möglich besucht Julia Deppe Aufführungen an ihrem Theater: „Ich schätze sehr, dass ich so nah an der Kunst dran bin, und natürlich brauche ich auch Input für diverse Presseaufgaben. Vor den Premieren werden wir von den Dramaturgen gebrieft. Aber ich finde es auch wichtig, einen eigenen Eindruck zu haben, auch damit ich die Fragen der Presse selbst beantworten kann.“

Zur Premiere hin spitzt sich alles zu

Besonders gespannt ist Julia Deppe immer auf die ‚Fotoprobe’ – eine Aufführung, die eine Woche vor der Premiere stattfindet. „Da sehe ich die Inszenierung zum ersten Mal, und es fällt mir anschließend leichter, Fotos auszusuchen, die die Journalisten für ihre Berichterstattung brauchen.“

Vier Wochen vor der Premiere verschickt sie Einladungen an die Journalisten, zwei Wochen vorher eine Pressemitteilung. „Für den Premierenabend muss ich die Pressemappen fertig haben und natürlich am Pressetisch zur Verfügung stehen“, erklärt sie.

Direkter Einstieg durch Praktika

Während ihres Bachelor-Studiums der Theaterwissenschaft an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz machte Julia Deppe zwei Regie-Assistenzen und mehrere Praktika. Danach hängte sie noch einen Master in „Vergleichende Kulturwissenschaften“ an der Universität Regensburg an.

Im Studium der Theaterwissenschaft hat sich die Pressereferentin mit der Theatergeschichte von der Antike bis zur Postmoderne auseinandergesetzt. Die Analyse von aktuellen Aufführungen war ein wichtiger Bestandteil des Studiums. „Das Studium ist sehr theoretisch. Man sitzt viel im Seminarraum und ist wenig kreativ. Wer Schauspieler oder Regisseur werden will, ist in diesem Studium definitiv fehl am Platz“, betont sie.

Portrait Julia Deppe

Julia Deppe

Foto: Nadine Huber

Keine Anstellung fürs ganze Leben

Durch ihre Praktika suchte Julia Deppe deshalb aktiv den Kontakt in die praktische Theaterwelt und bekam dank dessen direkt nach ihrem Masterstudium eine Stelle in der Pressestelle des Nürnberger Staatstheaters.

Allerdings war der Vertrag befristet und lief mit dem Intendantenwechsel aus. Ein normaler Vorgang am Theater. Julia Deppe musste sich neu orientieren und hatte das Glück, eine Anstellung am Theater für Niedersachsen in Hildesheim zu bekommen. Seit der Spielzeit 2018/2019 arbeitet sie nun hier als Pressereferentin.

Freude über alles Neue

„Am Theater sind fast alle befristet angestellt, außer die Leute in den Positionen, die nicht direkt mit der Kunst zu tun haben, zum Beispiel Mitarbeiter in der Personalabteilung“, erklärt die 27-Jährige. „Man muss also bereit sein, immer weiterzuziehen. Im gesamten Kulturbereich ist das so, weil es so viele Projektstellen gibt. Das ist immer ein Unsicherheitsfaktor, hat aber auch seine Vorteile: Ich freue mich über alles Neue.“

Auch nimmt Julia Deppe ein nicht allzu hohes Gehalt gerne in Kauf, genauso wie viel Arbeit, auch an den Abenden und Wochenenden. „Man arbeitet tagsüber, geht am Abend in die Vorstellung und sitzt danach mit Kollegen in der Kantine.“ Das Theater ist für sie also gleichzeitig Familie, Freunde und Beruf.

Wunderbare Live-Momente

Außerdem liebt sie den Live-Charakter am Theater. „Zwei Stunden im Theater können ganz schlecht oder ganz wunderbar sein. Man kann mit vielen anderen Menschen zusammen etwas erleben. Was in den Zuschauerreihen passiert, kommt auf der Bühne an und anders herum auch.“

Konkrete berufliche Ziele hat Julia Deppe nicht, aber in Nürnberg hatte sie zwei Chefinnen, die noch immer ihre Vorbilder sind: „Sie waren immer ansprechbar, zuverlässig, kompetent und in jeder Situation absolut souverän.“ Diesen Qualitäten will sie unbedingt nacheifern.

abi>> 25.04.2019

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