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Die Erinnerungen einer Stadt bewahren

Der Förderturm der Zeche Zollverein in Essen.
Die Zeche Zollverein in Essen ist eines der bekanntesten deutschen Industriedenkmale. Mit kulturellen Installtionen und Veranstaltungen sowie Museen wird alten Industriestätten wie dieser neues Leben eingehaucht - unter anderem von Industriearchäologen.
Foto: Stangl

Wissenschaftliche Volontärin

Die Erinnerungen einer Stadt bewahren

Zwischen Geschichte, Kunst und Industrie bewegt sich Delia Elisa Pätzold. Die 29-Jährige ist als wissenschaftliche Volontärin bei der Henrichshütte Hattingen in Nordrhein-Westfalen tätig.

Für Delia Elisa Pätzold ist ihre Arbeit eine Traumstelle. „Mitzuhelfen, die Erinnerungen meiner Heimatstadt zu bewahren, ist einfach supercool“, freut sich die 29-Jährige. Als sie herausfand, dass das Industriemuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) eine wissenschaftliche Volontärin für die Henrichshütte in Hattingen sucht, hat sie sich sofort beworben. „Dass das tatsächlich geklappt hat, direkt nach dem Studium – das war schon ein Riesenglück“, findet sie.

Die Henrichshütte war eines der traditionsreichsten Hüttenwerke des Ruhrgebietes. Heute ist es ein Museum. Als Volontärin hilft Delia Elisa Pätzold dabei, die Erinnerung an die Zeit wachzuhalten, als die Hütte der wichtigste Arbeitgeber der Stadt war, und dabei, der Vergangenheit eine Zukunft zu geben. Denn dort, wo früher Stahl und Eisen produziert wurde, finden heute Kunstausstellungen, Bierverkostungen oder Hochzeiten statt.

„Extrem spannende“ Museumsarbeit

Porträtbild von Delia Elisa Pätzold

Delia Elisa Pätzold

Foto: B. Schulz

Delia Elisa Pätzold hat Kunstgeschichte und Archäologie an der Ruhr-Universität Bochum studiert. Die Fächer hätten sich gut ergänzt, „aber um einen Einblick in die Praxis zu bekommen, ist es wichtig, Praktika zu machen“, betont die Absolventin. Sie selbst sammelte unter anderem Erfahrungen im Stadtmuseum in Hattingen und bei der Unteren Denkmalbehörde in Herne.

Schon damals kam sie mit dem Thema Industriekultur in Berührung und fand diesen Bereich „extrem spannend“. Deshalb besuchte sie in ihrem Masterstudium alle Veranstaltungen, die mit den Themen Denkmalpflege oder Museumswesen zu tun hatten.

Das wissenschaftliche Volontariat war für sie die perfekte Möglichkeit, ihr Wissen in diesem Bereich zu vertiefen und gleichzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln. Das waren nämlich die Gründe, weswegen sie sie sich zuvor gegen eine Promotion entschieden hatte. „Ein Volontariat ist keine Voraussetzung, um später einen Job in einem Museum zu bekommen. Aber für mich ist es der perfekte Einstieg in den Beruf“, erklärt sie. Denn als Volontärin lernt Delia Elisa Pätzold alle Bereiche der Museumsarbeit kennen.

Interviews mit Zeitzeugen

Die Aufgabe, die sich wie ein roter Faden durch die zwei Jahre ihres Volontariats ziehen wird, ist die Konzeption und Durchführung einer Ausstellung zum Projekt „Alles nur geklaut“, an dem alle acht Standorte des LWL-Industriemuseums beteiligt sind. Ihr Thema: Demontage. „Der Hochofen zwei wurde zum Beispiel in Hattingen abgebaut und in China wieder aufgebaut. Dabei geht es auch um den Strukturwandel und wie solch ein Umbruch ein Neuanfang für eine Stadt sein kann“, beschreibt sie. Nun muss sich die Volontärin überlegen, welche Geschichten sie den Besuchern erzählen will und welche Quellen sie dafür benötigt: „Dazu gehört Archivarbeit, aber auch, Interviews mit Zeitzeugen zu führen – und man muss geeignete Exponate finden.“

So lernt Delia Elisa Pätzold ganz praktisch alles über Ausstellungskonzeption und -realisation. Auch die Bereiche Veranstaltungsmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Dokumentation wird sie im Laufe ihres Volontariats kennenlernen. Außerdem wird sie den wissenschaftlichen Referenten begleiten, der auf dem Hüttengelände industriearchäologische Feldforschung betreibt und etwa den Stollen mit Laserscans vermessen lässt. „Selbst heute noch kann man so neue Dinge erfahren. Erst vor kurzem wurde etwa ein alter Tunnel unter den Gebäuden wiederentdeckt“, zeigt sich die 29-Jährige begeistert von ihrer Arbeit.

Verständnis für Technik und für Geschichte

Wer sich für Geschichte und Kunst interessiert, gerne mit und für Menschen arbeitet und keine Berührungsängste mit technischen Themen hat, dem kann Delia Elisa Pätzold die Arbeit in einem Industriemuseum nur empfehlen. Denn sie muss natürlich genau verstehen, wie ein Hochofen funktioniert und welche chemischen Prozesse darin ablaufen, um dies den Besuchern vermitteln zu können. „Man sollte aber auch gut selbstständig arbeiten können und mit flexiblen Arbeitszeiten klarkommen“, fügt sie hinzu.

Die 29-Jährige kann sich gut vorstellen, nach dem Volontariat weiter in der Henrichshütte zu arbeiten: „Die Arbeit hier ist vielschichtiger, als ich dachte, und sie macht mir sehr viel Spaß.“

abi>> 15.09.2017