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Eine Carla für umweltschonende Lieferungen

Eine junge Frau fährt Fahrrad.
Mit den elektrobetriebenen Fahrradanhängern des Start-ups Carla Cargo können Waren umweltfreundlich ausgeliefert werden.
Foto: Martin Rehm

Ingenieur im Bereich Smart City

Eine Carla für umweltschonende Lieferungen

Aike Gerdes wollte sich beruflich mit etwas befassen, das der Gesellschaft einen Mehrwert bietet. Heute entwickelt, fertigt und vertreibt der 35-Jährige in einem kleinen Start-up elektrobetriebene Fahrradanhänger. Die smarten Anhänger helfen, Waren umweltfreundlich auszuliefern.

In den Innenstädten staut sich der Verkehr, es ist laut und Abgase verschmutzen die Luft. Einen großen Anteil an dem Problem hat der Lieferverkehr: Allein in Deutschland werden jeden Tag über zehn Millionen Pakete versendet. Vor besonderen Herausforderungen steht der innerstädtische Lieferverkehr auch im baden-württembergischen Freiburg – einer Fahrradstadt mit Zonen, die für den Autoverkehr nicht zugänglich sind.

Das Start-up Carla Cargo hat daher einen elektrobetriebenen Fahrradanhänger entwickelt, der sich zum einen selbst antreibt und zum anderen zwei Achsen und drei Räder hat, sodass sich die Ladung besser und sicherer verteilen lässt. Wurde der erste Anhänger noch per Crowd-Funding finanziert, werden die Carlas mittlerweile in einer 800 Quadratmeter großen Halle zusammengebaut, verpackt und verschickt.

Kleines Team, viel Einfluss

Ein Porträt-Foto von Aike Gerdes

Aike Gerdes

Foto: privat

Aike Gerdes gehört seit einem Jahr zum Team Carla Cargo, das aktuell aus vier Mitarbeitern besteht. Ein solch kleines Team hat seine Vor- und Nachteile: „Jeder hat seine Schwerpunkte und kann sehr selbstbestimmt arbeiten, aber es müssen eben auch alle Arbeiten von wenigen erledigt werden“, erklärt Aike Gerdes. Der 35-Jährige befasst sich vor allem mit der Technologie von Akkumotoren und mit der Steuerung der Hänger. Außerdem gehören Marktrecherchen zu seinen Aufgaben: „Was gibt es Neues? Was können wir von anderen lernen? Diese Fragen müssen wir uns regelmäßig stellen.“ Dabei geht es um technische Details, und nicht darum, zu schauen, was die Konkurrenz macht: „Es gibt zwar diverse Anhänger auf dem Markt, aber kein tatsächliches Konkurrenzprodukt zu unserem zweiachsigen Anhänger mit Elektroantrieb“, weiß Aike Gerdes.

Im Schnitt fertigt das Team bei Carlo Cargo pro Woche drei bis fünf Anhänger, auf Wunsch auch Spezialanfertigungen. Themen wie die Optimierung der Arbeitsabläufe oder auch die Weiterentwicklung laufen häufig informell ab: „Oft ist man abends noch in der Werkstatt und bespricht Ideen.“ Dazu kommen noch Vertrieb und Marketing. Vieles läuft über Videokanäle: „Ein neuer Motortest etwa wird von uns gefilmt und online gestellt“, erzählt der Ingenieur.

„Es herrscht Aufbruchsstimmung“

Für Fahrräder hat sich Aike Gerdes schon immer interessiert, viel herumgeschraubt und ausprobiert. Beruflich aber ist er ein Quereinsteiger: Nach seiner Ausbildung zum Elektromechaniker studierte der gebürtige Friese den Bachelorstudiengang Mikro- und Optosystemtechnik an der Fachhochschule Bremen. Nach dem weiterführenden Master, in dem er sich intensiv mit Faserlaser befasste, kamen ihm Zweifel: „Das war alles sehr theoretisch, sehr abgefahren und wenig praktisch.“

Über Umwege landete er in Jena und gründete dort einen Verein, der sich unter anderem mit Gemeinschaftsgärten und Foodsharing befasst: „Bei unserer Suche nach einem Transportmittel habe ich Carla Cargo kennengelernt.“ Er machte ein Praktikum und blieb. „Manchmal muss man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Auch wenn ich ein Quereinsteiger bin, profitiere ich inhaltlich von dem, was ich vorher gemacht habe.“ Dazu gehört sein Fachwissen über Elektrotechnik, aber auch wissenschaftliches Arbeiten, das ihm bei den Test- und Prüfreihen hilft. „Momentan herrscht eine tolle Aufbruchsstimmung“, findet Aike Gerdes. Das Gefühl, etwas Sinnstiftendes tun zu können, treibt ihn an.

abi>> 05.11.2018