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Eintauchen in eine komplexe Unterwasserwelt

Ein Mann hält eine Garnele zwischen den Fingern
Nicht nur Fische, sondern auch Krebse, Garnelen und Muscheln werden in Aquakulturen gezüchtet.
Foto: Ingo Wagner

Aquakultur Hintergrund

Eintauchen in eine komplexe Unterwasserwelt

Was haben ein fränkischer Karpfen und eine südafrikanische Auster gemeinsam? Sie beide stammen häufig aus Aquakulturen. Zunehmend löst diese Form der Aufzucht die klassische Fischerei ab. Die Hochschulen in Deutschland reagieren und bieten mittlerweile Masterstudiengänge dafür an.

Die Aquakultur beschäftigt sich damit, wie man Wasserorganismen kultivieren kann. Im Mittelpunkt stehen Aufzucht, Vermehrung und artgerechte Haltung von Algen, Fischen, Krebsen, Muscheln und anderen Mikroorganismen, die eigentlich in Meeren, Flüssen oder Seen leben. „Die Tätigkeit in der Aquakultur ist ein wichtiger Berufszweig“, sagt Dr. Bert Wecker, Vizepräsident des Bundesverbandes Aquakultur. Die Zahlen geben ihm Recht. Laut World Wide Fund For Nature (WWF) stammt mittlerweile fast die Hälfte des weltweit konsumierten Speisefischs aus Süßwasser- und Meereszuchten. Die Tendenz ist steigend, denn nur so lässt sich langfristig der wachsende Hunger der Welt nach gesundem Speisefisch befriedigen.

„Kreislaufanlagen zum Beispiel können hierbei in Zukunft die Rolle einer umweltfreundlichen und nachhaltigen Alternative gegenüber einer Überfischung der Weltmeere sein. Denn mit ihrer Hilfe kann beinahe jeder Organismus außerhalb seines Verbreitungsgebiets gezüchtet werden“, erklärt der Experte und verweist auch auf die Nachfrage der Chemie- und Kosmetikindustrie. Kleinstorganismen wie Mikro- und Makroalgen sind für sie ein wichtiger Rohstoff.

Drei Masterstudiengänge in Deutschland

Ein Porträt-Foto von Bert Wecker

Bert Wecker

Foto: Arendt Schmolze

Qualifizierte Fachkräfte, die Aquakulturen wie Teiche und Netzgehege im Meer planen und betreiben, werden demnach vermehrt gebraucht. „Das Berufsbild Aquakultur beinhaltet einen vielseitigen Ansatz, der sowohl biologische, technologische als auch ökonomische Fähigkeiten vereint“, sagt Bert Wecker mit Blick auf die aktuellen Qualifizierungsmöglichkeiten. Ein möglicher Zugangsweg ist die Ausbildung zum Fischwirt, zunehmend bieten aber auch Hochschulen Studiengänge in diesem Bereich an.

In Deutschland gibt es drei Masterstudiengänge, die sich mit dem Thema Aquakultur befassen. „Den einzigen vollumfänglichen Masterstudiengang liefert dabei aktuell die Universität Rostock“, erläutert der Experte. Der Studiengang vermittelt gezielt alle Facetten der Aquakultur. Eine zweite Möglichkeit ist der englischsprachige Studiengang Fish Biology, Fisheries and Aquaculture an der Humboldt-Uni in Berlin (mehr Infos dazu findest du in der Studienreportage „Von Fischorganen und Meer“). Er ist dem agrarwissenschaftlichen Institut zugeordnet und behandelt auch andere Aspekte der Fischereiwissenschaften. Studierende des Masterstudiengangs Marine Ökosystem- und Fischereiwissenschaften an der Uni Hamburg können sich unter anderem auf Aquakulturen im Meer spezialisieren. Die Süßwasser-Teichwirtschaft spielt bei diesem Studiengang dagegen keine Rolle. Für alle drei Masterprogramme gelten als Zulassungsvoraussetzung unter anderem Bachelorabschlüsse in den Fächern Agrar-, Lebensmittelwissenschaften oder Biologie. Zum Teil ist der Nachweis englischer Sprachkenntnisse auf gutem Niveau erforderlich.

Aquakultur-Fachkräfte gesucht

Aber auch Absolventen aus anderen Studiengängen finden im Bereich Aquakultur Beschäftigung. „Vielfalt zählt. Als Beispiel dafür steht die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Hier können angehende Maschinenbauer und Verfahrenstechniker auch Aquakulturkurse belegen. Es sind dann zum Beispiel auch Verfahrens- und Automatisierungsfragen, die in den praktischen Arbeiten behandelt werden“, erläutert Bert Wecker. Die beruflichen Perspektiven sieht er als grundsätzlich vielversprechend und vielseitig wie das Berufsfeld selbst. Neben Anstellungen im Rahmen des Öffentlichen Diensts in Landesforschungsanstalten und Behörden steht Absolventen eine Beschäftigung bei Herstellern von Aquakulturanlagen (siehe Berufsreportage „Ein gutes Zuhause für Nemo und Co.“), in der Futtermittelindustrie, in Brutanstalten und in Fischfarmen offen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 3.000 Berufsbeschreibungen. Suchwörter: Fischereiwesen, Aquakultur.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. Gebe dazu „Aquakultur“ ein.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach Studiengängen und schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort z.B.: Fischereiwesen).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesverband Aquakultur

Homepage des Verbands mit Informationen zu Arten in der Süß- und Salzwasseraufzucht, neuen Technologien und Mitgliedern. Mit Kontaktdaten zu Ansprechpartnern und einer Stellenbörse

www.bundesverband-aquakultur.de

Verband der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur e.V. (VDBI)

Internetpräsenz der deutschen Fischzucht. Neben dem Engagement für Umwelt-, Gewässer- und Tierschutz Unterstützer der Angler in Deutschland. Mit Veranstaltungskalender und Mitgliedsmöglichkeit.

www.vdbi.de

 

abi>> 12.10.2016