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Mehr als nur auf Bäume klettern

Arboristik-Studierende messen im HAWK-Bodenkundelabor die Gasdurchlässigkeit von Bodenproben.
Arboristik-Studierende messen im HAWK-Bodenkundelabor die Gasdurchlässigkeit von Bodenproben.
Foto: Ute Neumann/HAWK

Arboristik – Interview

Mehr als nur auf Bäume klettern

Was machen eigentlich Arboristen? abi>> hat bei Dr. Rolf Kehr, Hochschullehrer für das Fach Arboristik an der Fakultät Ressourcenmanagement der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen, nachgehakt.

abi>> Herr Kehr, was genau umfasst der Studiengang Arboristik?
Rolf Kehr: Der Begriff ist vom lateinischen Wort „arbor“, der Baum, abgeleitet. Es geht aber um alles, was grün ist im urbanen Raum, vor allem um die Pflege, Kontrolle und Konzepte rund um Bäume in der Stadt. Arboristen klären, welche Standorte für welche Bäume geeignet sind oder welche Bäume aufgrund der Verkehrssicherheit gefällt oder geschnitten werden müssen. Es werden aber auch rechtliche und gesellschaftliche Fragen beantwortet.

 

Ein Porträt von Dr. Rolf Kehr

Dr. Rolf Kehr

Foto: privat

abi>> Wie lange gibt es den Studiengang an der HAWK in Göttingen bereits und warum wurde er eingerichtet?
Rolf Kehr: Wir bieten den Studiengang seit 2003 an. Die Idee entstand auf den Baumpflegetagen in Augsburg. Die Fachwelt war sich dort einig, dass Stadtbäume sehr wichtig sind und immer wichtiger werden. Viele Kommunen brauchen Spezialisten in diesem Bereich, denn die Grünflächenämter und auch die Förster können das oft alleine nicht mehr bewältigen, da die Fragestellungen oft sehr komplex sind.

abi>> Welche Trends zeichnen sich denn im Bereich Arboristik derzeit ab? Was bedeutet zum Beispiel „Urban Forestry“?
Rolf Kehr: Da immer mehr Menschen in die Städte ziehen und gleichzeitig der Klimawandel stattfindet, stellt sich für fast alle Metropolen weltweit die Frage, wie man mehr Natur in die Stadt bekommt. Alle sorgen sich dabei zum Beispiel darum, wie man die Grünflächen mit Wasser versorgt. Der Klimawandel treibt die Städte um – hinsichtlich langer trockener Perioden, aber auch wegen extremer Hochwasserlagen.

abi>> Können Sie ein Beispiel nennen?
Rolf Kehr: In Essen wurde etwa ein sehr gutes EDV-Management-System entwickelt, eine Art elektronisches Baumkataster. Da kann man zum Beispiel nach einem Sturm in Echtzeit abrufen, welcher Baum wo umgestürzt ist, und man kann klare Prioritäten setzen. Außerdem weiß man, wie viele Bäume überhaupt in Essen stehen. Doch auch das Projekt „Stadtgrün 2021“ in Bayern ist interessant, weil sich dort Fachleute Gedanken machen, welche Baumarten in Zukunft für die Stadt geeignet sind.

abi>> Welche Bildungswege stehen Abiturienten neben dem spezifischen Arboristikstudium offen?
Rolf Kehr: In der Forstwirtschaft hat man sehr gute Chancen, etwa als Revierförster. Voraussetzung ist ein forstwirtschaftliches Studium. Man kann auch den Masterstudiengang urbanes Baum- und Waldmanagement wählen. Landschaftsarchitektur und Umweltplanung ist geeignet für Menschen, die gerne planen. Eine sehr gute Basis bildet zudem der Fach-Agrarwirt Baumpflege und Baumsanierung. Wer erst eine Ausbildung machen möchte, dem möchte ich eine Lehre als Baumschulgärtner oder Gärtner ans Herz legen. Viele Arboristen waren außerdem vorher Baumpfleger und haben einen Motorsägeschein.

abi>> Wie sind die Berufsaussichten für Arboristen?
Rolf Kehr: Sehr gut, denn jede Menge Kommunen suchen nach gut ausgebildeten Baumspezialisten. Viele Arboristen machen sich nach dem Studium selbstständig. Bachelorabsolventen werden im Öffentlichen Dienst meist mit TVöD 9 bis 10 (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) eingruppiert, in einigen Großstädten ist auch 11 bis 12 möglich. Die Einstiegsgehälter in der freien Wirtschaft, etwa in Gutachter- und Planungsbüros, liegen durchschnittlich im Osten bei rund 2.500 Euro und rund 3.000 Euro im Westen. Mit dem Master wird man entsprechend höher eingruppiert.

abi>> Welche Anforderungen werden gestellt? Welcher Typ sollte ich sein als Arborist?
Rolf Kehr:
Man sollte auf jeden Fall kommunikationsfreudig sein. Nach dem Studium arbeiten Arboristen häufig für Kommunen und müssen in den Dialog mit Bürgern eintreten. Daher sollte man auch gut darin sein, Konflikte zu lösen. Wer sich nur mit Pflanzen beschäftigen möchte, sollte lieber Biologie studieren. Und wer ein „grüner Träumer“ ist, für den ist Arboristik auch eher nichts, denn man muss auch mal einen Baum fällen. Das Studium umfasst neben Botanik unter anderem auch Standortökologie, Recht und viele naturwissenschaftliche Fächer – es ist breit angelegt.

 

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Ingenieur/in – Gartenbau)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchworte: Arboristik, Gartenbau, Urbanes Pflanzenmanagement)

www.studienwahl.de

Baumzeitung

Fachblatt der Branche, das sich den Themen Baumpflege, Arboristik sowie rechtlichen Fragen widmet

www.baumzeitung.de

Arboristen.de

www.arboristen.de

Verband Galabau

Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. bietet unter der Rubrik „Beruf und Karriere“ aktuelle Infos zu Ausbildung und Weiterbildung sowie eine Stellenbörse.

www.galabau.de

Deutsche Baumpflegetage

Einmal im Jahr trifft sich die Arboristen- und Baumpflegebranche zum fachlichen Austausch in Augsburg. Dort gibt es auch ein Kletterforum.

www.forum-baumpflege.de

Bachelor Arboristik an der HAWK

Der Bachelorstudiengang Arboristik besteht seit 2003 und ist ein deutschlandweit einzigartiges Angebot der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen.

www.hawk-hhg.de/ressourcen/167360.php

Deutsche Dendrologische Gesellschaft e.V. (DDG)

Die DDG vereint Personen und Institutionen, denen Kenntnis und Schutz, Pflanzung und Pflege, Erforschung und Nutzung von Bäumen und Sträuchern wichtige Anliegen sind.

www.ddg-web.de

 

abi>> 30.08.2018