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Wissenschaft als Herzensangelegenheit

Thema Forschung, Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Stammzellen untersuchen, um damit kranken Menschen zu helfen: Im Deutschen Primatenzentrum Göttingen arbeiten Forscher an der Heilung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Foto: Tim Pingel

Biologe in einem Forschungsinstitut

Wissenschaft als Herzensangelegenheit

Menschen mit schweren Herzerkrankungen eine Behandlungsalternative zur Organtransplantation bieten – an dieser Vision forscht der Biologe Dr. Michael Stauske (34) am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen.

„Wir forschen mit so genannten pluripotenten Stammzellen, die wir aus den Hautzellen von Rhesusaffen gewinnen. Diese Alleskönner-Stammzellen können sich in jeden Zelltyp des Körpers entwickeln. Aktuell versuche ich, sie mithilfe verschiedener Methoden zu Herzmuskelzellen und dann zu Herzgewebe zu differenzieren – ihnen also neue Aufgaben beizubringen“, erklärt Michael Stauske sein Forschungsprojekt. Sein Arbeitgeber, das Göttinger DPZ, ist Mitglied des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). „Gerade experimentiere ich mit verschiedenen Chemikalien und suche nach dem besten Differenzierungszeitpunkt im Lebenszyklus der Zellen“, ergänzt der Biologe. Langfristiges Ziel ist es, Patienten mit schwerwiegenden Herzerkrankungen mithilfe gesunder Herzmuskelzellen aus Stammzellen zu heilen.

Michael Stauske verbringt rund die Hälfte seiner Arbeitszeit im Labor: „Ich verwende sehr empfindliche Zellkulturen, lebende Zellen in sterilen Kulturgefäßen, um die ich mich regelmäßig auch am Wochenende kümmern muss.“ Den Rest der Zeit sitzt er am Schreibtisch. „Ich dokumentiere zum einen meine Experimente und bereite sie weiter auf, beispielsweise grafisch für einen Vortrag. Zum anderen recherchiere ich Fachliteratur.“

Erst Doktorarbeit dann Postdoc

Ein Porträt-Foto von Dr. Michael Stauske

Dr. Michael Stauske

Foto: privat

„Den Spaß an der Wissenschaft habe ich während meiner Promotionsphase für mich entdeckt“, erinnert er sich an sein Studium an der Georg-August-Universität Göttingen, das er 2010 als Diplom-Biologe abschloss. „Die Promotion ist für Biologen praktisch ein Muss.“ Bereits dabei forschte Michael Stauske an Stammzellen: „In meiner Doktorarbeit befasste ich mich mit der Entstehung der erblich bedingten Herzkrankheit Brugada-Syndrom.“ Mit dem Thema beschäftigte er sich noch zwei Jahre als Postdoc an der Universitätsmedizin Göttingen (Zusammenarbeit der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums in Göttingen) und veröffentlichte dazu einige Fachartikel.

Bei seiner heutigen Arbeitsgruppe am DPZ hatte er sich zunächst initiativ vorgestellt. Kurz darauf bewarb er sich dort auf eine Stellenausschreibung: „Wer sich in der Wissenschaft bewirbt, der muss seine bisherigen Forschungsergebnisse in einem Vortrag vorstellen – neben den sonst üblichen Bewerbungsgesprächen“, beschreibt er das typische Verfahren. Seit Mai 2016 arbeitet er an seinem Forschungsprojekt. Dieses läuft bis Ende 2018: „Dann prüft das DZHK meine bisherigen Ergebnisse und entscheidet über eine Fortsetzung.“

Geduld, Selbstmotivation und Teamfähigkeit

„Es ist wichtig, seine Forschungsarbeit gut vor anderen präsentieren zu können“, betont Michael Stauske. Grundlegend seien auch analytische Fähigkeiten, Kreativität und Lösungsorientierung – sowie eine große Portion Selbstmotivation: „Viele Versuche muss man sehr oft wiederholen bis sie klappen. Da braucht es viel Geduld und unerschütterliche Begeisterung für sein Thema.“

Zudem sei Teamfähigkeit gefragt, beispielsweise für das Arbeiten in Forschungskooperationen: „Ich tausche mich mit Kollegen in Japan, Großbritannien und Kanada aus, was sehr gute Englischkenntnisse voraussetzt.“ Ihm gefällt sein spannendes Forschungsthema: „Die regenerative Medizin fasziniert mich. Mich motiviert die Vision, dass meine Arbeit dazu beiträgt, neue Behandlungsoptionen für bisher unheilbare Erkrankungen zu finden.“ Für seine berufliche Zukunft wünscht er sich daher: „Ich möchte weiter in diesem Bereich forschen – sehr gerne mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag – sei es an der Uni, einem Forschungsinstitut oder in der Privatwirtschaft.“

abi>> 20.02.2017