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Die Welt der Wanderfische

Nahaufnahme eines Fischs.
Über 30 Fischarten durchqueren den Koblenzer Fischpass, um in die Nebenflüsse zu gelangen. Dieses exotische Exemplar ist vermutlich nicht dabei ...
Foto: Mathias Lange

Biologin

Die Welt der Wanderfische

Die Biologin Julia Walbrühl (25) weiß genau, welche Fische sich wie durch den Koblenzer Fischpass schlängeln. An der Bundesanstalt für Gewässerkunde untersucht die Biologin das Wanderverhalten heimischer Fische.

Der Fischpass Koblenz ist einer der modernsten Fischwechselanlagen in Europa. Die 39 Becken ermöglichen wandernden Fischen die Passage der Stauanlage. Denn nur wenn die Fische ihre Laichgewässer in den Nebenflüssen erreichen, können Jungfische heranwachsen.

Ein Porträt-Foto von Julia Walbrühl

Julia Walbrühl

Foto: Privat

Bei einer Führung beantwortet Julia Walbrühl präzise die Fragen von Wissenschaftlern, die zu einer Tagung in der Stadt sind: Sie erklärt, dass über 30 Fischarten die Fischtreppe nutzen, von Aal bis Zander: „Am häufigsten sind es Rotaugen, Ukeleie und andere Cypriniden.“ Hauptaufstiegsphase ist von April bis Juni. „Typischerweise sind die Nasen die ersten großen Fische, die schwarmweise die Laichwanderung beginnen, dicht gefolgt von den Rotaugen“, so Julia Walbrühl. Ein Fischüberwachungssystem detektiert mit Infrarotscannern und Videokamera die Schwimmer. Die Daten geben Auskunft über Größe, Fischart und Uhrzeit.

Kalte Hände bei der Fisch-OP

Die Biologin ist angestellt im Referat Tierökologie der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz (BfG), wo sie in ganz unterschiedliche Projekte eingebunden ist: Neben den Führungen fährt sie mit Kollegen im Boot auf den Main hinaus, um dort Fischen Sender zu implantieren. Sie ist die helfende Hand bei den OPs und überwacht nach dem Eingriff die Fische solange, bis sie von alleine wegschwimmen können: „Natürlich bekommt man da auch schon mal kalte Finger.“

Die Fische wandern meist im Frühjahr und im Herbst. Den Großteil ihrer Arbeitszeit verbringt sie daher im Trockenen. Ihr Referat hilft unter anderem bei der Zielerfüllung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die unter anderem vorschreibt, dass die Flüsse europaweit durchgängig sein müssen, damit Fische ihre Laichplätze erreichen können. „Dabei stellen Wehre mit Wasserkraftwerken und Schleusen oft ein Hindernis dar.“ Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung muss als Eigentümerin der Bundeswasserstraßen dafür sorgen, dass die Fische dennoch durchkommen.

Die Aufstiegsanlage in Koblenz ist ein beispielhaftes Pilotprojekt. Die Experten der BfG wissen, wie die Fische ticken, und worauf es folglich beim Bau einer solchen Fischtreppe ankommt. „Wir sind hier beratend tätig“, erklärt die 25 Jährige. Allein in den kommenden Jahren sollen moselaufwärts bis Trier neun weitere moderne Anlagen errichtet werden, damit der Fischaufstieg bis Luxemburg gewährleistet ist.

Für jede größere Flussregion bundesweit gibt es im Referateinen Bearbeiter. Im Berufsalltag unterstützt Julia Walbrühl ihre Kollegen: „Vieles ist Kommunikation: Ich habe die Übersicht über die Termine, Fristen und Vereinbarungen mit den Ansprechpartnern vor Ort und bündele das Wissen“, umreißt sie ihren Aufgabenbereich. Da kommen viele kleine Aufgaben zusammen.

Punkten mit Elektrofischerei

Als Julia Walbrühl vor zwei Jahren ihren Bachelor im Internationalen Studiengang Technische und Angewandte Biologie an der Hochschule Bremen abschloss, hatte sie schon einen Masterstudienplatz an der Universität Bremen in Biologie, surfte aber aus reiner Neugierde unter anderem auf greenjobs.de und bund.de nach passenden Stellenausschreibungen. „Für Bachelorabsolventen gab es nur wenige Angebote.“ Da die Stelle der BfG wie für sie gemacht schien, bewarb sie sich: „Gesucht wurde jemand mit Erfahrung im Bereich der Elektrofischerei und Bestandserhebungen in Flüssen. Ich habe mich während des Studiums in einer Arbeitsgruppe engagiert, die sich mit heimischer Fischökologie befasst, bin durch Flüsse gewatet und habe Fische gezählt. Ich habe zudem auf eigene Kosten einen Sportbootsführerschein erworben.“ Dieses Engagement war in dem Ausmaß nicht im Modulhandbuch vorgesehen: „Aber das hat sicherlich dazu beigetragen, diese Stelle zu bekommen.“

abi>> 06.07.2015