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Bahn ohne Fahrer

Fahrerlose U-Bahn in Nürnberg
Fahrerlose Züge gehören in Nürnberg bereits seit Jahren zum Verkehrsbetrieb.
Foto: Martin Rehm

Elektroingenieur

Bahn ohne Fahrer

Elektroingenieur Michael Etzkorn (27), der für Siemens Mobility in Erlangen arbeitet, war schon an verschiedenen Projekten mit vollautomatischen U-Bahn-Systemen in Saudi-Arabien, Malaysia und Deutschland beteiligt.

Der Arbeitsweg von Michael Etzkorn wird demnächst etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen: Denn der Projektmanager wird beim Bau von zwei vollautomatischen U-Bahn-Linien in Saudi-Arabien vor Ort nach dem Rechten sehen. „Die Übergabe an den Kunden erfolgt schlüsselfertig, das heißt, wir fangen bei einem unbebauten Grundstück an und liefern die fertige, betriebsfähige U-Bahn-Linie. Unsere Signal- und Zugbeeinflussungstechnik stellt dann sicher, dass die Züge im Takt von unter zwei Minuten verkehren können“, erläutert der 27-Jährige, der für Siemens Mobility in Erlangen arbeitet. Durch diese schnelle Taktung können pro Stunde über 21.000 Fahrgäste befördert werden.

Unverzichtbares Fachwissen

Ein Porträt-Foto von Michael Etzkorn

Michael Etzkorn

Foto: Privat

Es ist nicht das erste Projekt des Elektroingenieurs, in dem er sich mit automatisiertem Schienenverkehr beschäftigt. Als Teilnehmer des „Siemens Graduate Programm“ lernt er innerhalb von zwei Jahren verschiedene Arbeitsbereiche kennen. Während seiner ersten Station war er an der Ausschreibung für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) beteiligt, für den der Konzern die Züge baut. Die Region ist einer der größten Ballungsräume Europas und die öffentlichen Nahverkehrs- und Zugverbindungen sind seit Jahren erheblich überlastet. Von 2018 an soll der RRX die Strecke zwischen Köln und Dortmund mit 82 neuen Zügen entlasten. „Wesentlicher Bestandteil der Ausschreibung war die Energiebilanz des Zuges. Dazu mussten Energiedaten aller Geräte, die im Zug Strom verbrauchen – also von der Klimaanlage, vom Motor, von der Beleuchtung und vielem mehr –, ermittelt werden. Auch die Rückspeisung der Bremsenergie mussten wir einbeziehen. Eine sehr komplexe Rechnung“. Ob Riad oder Rhein-Ruhr – das Fachwissen aus seinem Elektro- und Informationstechnikstudium ist für Michael Etzkorn im Job unverzichtbar.

Während seines dualen Studiums, das er an der Technischen Hochschule Nürnberg und bei seinem heutigen Arbeitgeber absolvierte, kam er das erste Mal mit dem Thema Bahn in Berührung, als er parallel zum Studium eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik im Lokomotivengeschäft des Konzerns machte. Bevor er sich für das Graduiertenprogramm bewarb, absolvierte er ebenfalls an der TH Nürnberg außerdem ein Masterstudium in „Elektronische und Mechatronische Systeme“.

Die Zukunft der Mobilität

Michael Etzkorn ist sich sicher: Mobilität ist eines der ganz großen Zukunftsthemen. „Die Nachfrage nach Mobilität wird weltweit bis 2050 voraussichtlich um mehr als das Doppelte steigen. Betreiber und Städte müssen darauf reagieren und ihre Transportkapazitäten erhöhen, die vorhandene Infrastruktur optimal nutzen und den öffentlichen Personennahverkehr so attraktiv wie möglich machen. Nicht zuletzt gilt es, die CO2-Bilanz zu optimieren und Klimaziele zu erreichen.“ Vollautomatische U-Bahn-Systeme spielen dabei seiner Auffassung nach eine wichtige Rolle. Was ihre technische Entwicklung angeht, ist diese weiter fortgeschritten als beispielsweise im Automobilbereich.

Laut dem Elektroingenieur, der bereits im malaysischen Kuala Lumpur an der lokalen Fertigung von 58 vollautomatischen U-Bahnen beteiligt war, werden sie vor allem für den städtischen Nahverkehr immer wichtiger. „Sie können den Durchsatz auf bestehenden Strecken deutlich erhöhen und so mehr Fahrgäste befördern. Gleichzeitig können Betreiber deutlich flexibler auf erhöhte Fahrgastaufkommen reagieren und die Züge einfach per Knopfdruck in der Leitzentrale schnell zum Fahrgast bringen“, sagt Michael Etzkorn und fügt hinzu: „Unsere Vision für 2065: Der Verkehr auf Straße und Schiene wird vollständig vernetzt sowie automatisiert sein und alle Fahrzeuge werden autonom fahren.“

abi>> 23.05.2016