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Herrin der Fliegen

Eine Gärtnerin pflückt Petersilie.
Nach der Ausbildung zur Gärtnerin begann Camilla Englert mit ihrem Gartenbaustudium.
Foto: Anahi Weber

Gartenbauingenieurin

Herrin der Fliegen

Gartenbauingenieurin Camilla Englert (27) forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Julius Kühn-Institut (JKI) in Darmstadt. Ihr Ziel: Die schädliche Kirschessigfliege mithilfe natürlicher Gegner zu bekämpfen.

Raus in die Natur, um mit Blumen und anderen Pflanzen zu arbeiten – das war schon immer Camilla Englerts berufliches Ziel. Diesen Traum verfolgte die 27-Jährige konsequent: Nach der Ausbildung zur Gärtnerin mit Schwerpunkt Zierpflanzen begann sie 2009 mit ihrem Gartenbau-Bachelorstudium. 2012 schloss sie am Standort Pillnitz der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden direkt den Master in „Produktionsmanagement in Agrarwirtschaft und Gartenbau“ an.

Damals kam sie auch das erste Mal in Kontakt mit dem Thema, das heute ihren beruflichen Alltag im JKI, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Deutschland, bestimmt. „Ich wollte meine Masterarbeit im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes schreiben und habe mich für das damals hochaktuelle Problem der Kirschessigfliege entschieden“, sagt Camilla Englert.

Zwischen Labor und Obstanlagen

Ein Porträt-Foto von Camilla Englert

Camilla Englert

Foto: Privat

Die Kirschessigfliege, von Fachleuten „Drosophila suzukii“ genannt, wurde 2008 von Asien über Amerika kommend nach Europa eingeschleppt und macht seit 2011 auch den Obstbauern in Deutschland das Leben schwer. Die Fliegen befallen Weichobstarten wie Beeren, Kirschen, Zwetschgen und Trauben sowie viele wilde beerentragende Pflanzen. Diesem Problem versuchen Camilla Englert und ihre Kollegen am JKI entgegenzutreten, indem sie natürliche Gegenspieler zur Kirschessigfliege ausfindig machen wollen. Einen Nützling, der den Pflanzenschädling frisst oder als Wirt nutzt, damit die betroffenen Bauern den Einsatz von chemischen Mitteln verringern können.

Zu diesem Zweck arbeitet die gebürtige Aschaffenburgerin nicht nur im Labor, sondern immer wieder auch vor Ort in den Obstanlagen der Bauern. Dort sammelt sie im Sommer die Insekten ein, die sich im befallenen Obst niedergelassen haben. Im Labor versucht sie herauszufinden, ob diese Tiere die Kirschessigfliege als Beute anerkennen und auf natürlichem Wege vernichten. „Sie werden in Zuchtgefäßen aufgezogen und von uns betreut. Das heißt, wir kümmern uns um ihre Ernährung und halten sie sauber, solange wir mit ihnen experimentieren. Die Nützlinge sind ein bisschen wie Haustiere, nur eben viel kleiner“, erklärt Camilla Englert lachend.

Forschung erfordert viel Geduld

Die Suche fordert viel Geduld. Häufig stellen die Wissenschaftler fest, dass die Insekten, die sie als Problemlöser ins Auge gefasst haben, nicht ausreichend wirksam sind. „Das kann frustrierend sein, aber es gehört dazu. Und auch ein negatives Ergebnis ist in der Forschung ein Ergebnis – da arbeiten wir per Ausschlussverfahren“, beschreibt Camilla Englert ihre Arbeit.

Alle Resultate des Projektes werden in Aufsätzen festgehalten und publiziert. „Das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten kannte ich schon aus meinem Masterstudium, was mir den Einstieg sehr erleichtert hat“, berichtet Camilla Englert. „Auch das Präsentieren unserer Ergebnisse auf Tagungen und das Halten von Vorträgen war Teil des Studiums.“

Trotz der Tatsache, dass nicht alle Versuche so verlaufen, wie es sich Camilla Englert erhofft, kann sie sich keine spannendere Tätigkeit vorstellen. „Wir arbeiten hier im Institut ja an einem realen Problem, an etwas, das die Obstbauern in ihrer Existenz bedroht. Sollte unsere Forschung erfolgreich sein, können wir wirklich etwas bewegen.“

abi>> 06.04.2016