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Mit kritischem Blick auf die Gesellschaft

Eine Ansicht der verfuegbaren Kosmetika
In ihrer Doktorarbeit befasst sich Susanne Richter mit dem Schwerpunktthema „Weiblichkeitsperformances in Beauty-Tutorials“.
Foto: Thomas F. Starke

Genderwissenschaftlerin

Mit kritischem Blick auf die Gesellschaft

Beauty-Tutorial-Videos für die Forschung auswerten: Susanne Richter (30) nimmt neue Kommunikations- und Medienformate genauer unter die Lupe. Sie ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld tätig.

Genderwissenschaftler analysieren Geschlechterrollen und Bilder von Frauen und Männern in verschiedenen Zeiten, Kulturen und Kontexten. So auch Susanne Richter: Die 30-Jährige hat für ihre Doktorarbeit das Schwerpunktthema „Weiblichkeitsperformances in Beauty-Tutorials“ festgelegt. Darin untersucht sie kurze Amateurfilme im Internet, in denen junge Frauen Schminktechniken und Frisuren erklären, ihre Einkäufe sowie Lieblingskosmetik besprechen, über Mode und PR-Events von Kosmetikfirmen erzählen oder über ihren Alltag berichten. „Soziologisch gesehen sind diese Videos sehr spannend. Hier erfährt man als Forscherin jede Menge über die Darstellung und Aushandlung von Geschlecht und Normalität, was die Clips zu sehr interessantem Material für eine geschlechtersoziologische Analyse macht“, erklärt Susanne Richter: „Wie inszenieren diese jungen Frauen sich selbst und ihr Frausein?"

Ein Porträt-Foto von Susanne Richter

Susanne Richter

Foto: BGHS Bielefeld

Das Thema der 30-Jährigen ist nur ein möglicher Schwerpunkt. An der Fakultät für Soziologie forschen ihre Kollegen zu verschiedenen Themen, etwa zur Kommunikation unter Druck im Spitzensport, zu sozioökonomischer Bildung oder zu Jugendkriminalität in der modernen Stadt.

Ihre Untersuchungsergebnisse trägt die Genderwissenschaftlerin regelmäßig auf Konferenzen und Seminaren in ganz Deutschland vor. „Man darf keine Scheu haben, seine Arbeit vor Kollegen zu präsentieren. Außerdem sollte man bereit sein, Kritik von anderen anzunehmen, um mit der eigenen Arbeit voranzukommen“, zählt sie wichtige Anforderungen in ihrem Beruf auf.

Neben ihrer Forschungsarbeit ist die 30-Jährige in die Hochschullehre eingebunden. Sie hält beispielsweise Gender-Studies-Seminare zu Themen wie „Schönheit aus soziologischer Perspektive“ oder „Weiblichkeiten: Theoretische Konzepte und empirische Untersuchungen“. Darüber hinaus war sie zwischenzeitlich für die Koordination des Studiengangs „Gender Studies“ zuständig.

Forschungserfahrung während des Studiums

Susanne Richter absolvierte ein Bachelorstudium in Soziologie und Romanistik an der Universität Rostock. Während des anschließenden Masterstudiums im Fach „Gender Studies“ an der Universität Bielefeld merkte sie, dass sie später gern in der Forschung arbeiten würde. Als eine Professorin ihr eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft anbot, sagte sie zu. „Durch diese Tätigkeit war ich ganz nah dran am wissenschaftlichen Tagesgeschäft und habe frühzeitig einen guten Eindruck von der Arbeit an einer Universität bekommen“, sagt sie.

Susanne Richter lernte nicht nur, wie man wissenschaftliche Texte verfasst, sondern auch, wie man Anträge schreibt, Tutorien gibt und Hausarbeiten von Studierenden korrigiert. „All das hat mir Lust auf eine Tätigkeit in der Wissenschaft und der Lehre gemacht und hilft mir auch ganz konkret in meinem aktuellen Job.“

Viel Eigenverantwortung und Flexibilität

Rund zwei Jahre wird es noch dauern, bis Susanne Richter ihre Dissertation fertiggestellt hat. Sie kann sich gut vorstellen, anschließend weiterhin an einer Universität zu bleiben, zu forschen und zu lehren. „Die Arbeit in der Wissenschaft ist spannend, denn sie ermöglicht es mir, einen kritischen Blick auf die Gesellschaft und die aktuelle Politik zu werfen – etwas, das auch in meinem außeruniversitären Alltag von Bedeutung ist. Und ich mag die Tatsache, dass der Beruf viel Eigenverantwortung und gleichzeitig viel Freiheit mit sich bringt, was die Zeiteinteilung angeht.“

Generell sind Sozialwissenschaftler, zu denen oft auch Genderwissenschaftler gezählt werden, nicht nur in der Hochschulforschung und -lehre tätig. Auch in der Markt- und Meinungsforschung, im redaktionellen Bereich sowie im Verlagswesen oder in der Öffentlichkeitsarbeit bieten sich berufliche Möglichkeiten.

abi>> 25.07.2016