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Ein Zuhause für Kühe

Zwei Kühe im Stall.
Deutschland ist der größte Milchproduzent Europas.
Foto: Vogel

Ingenieurin - Agrarwirtschaft

Ein Zuhause für Kühe

Seit sie ihren Bachelor in Agrarwirtschaft in der Tasche hat, ist Ramona Hesse (22) im Außendienst der Firma SL Stallbau GmbH & Co. KG für den Verkauf von Kuhställen zuständig.

Drei Tage pro Woche ist Ramona Hesse mit dem Dienstwagen unterwegs, fährt Milchviehbetriebe an und erläutert das Stallkonzept ihrer Firma. Die restlichen zwei Arbeitstage verbringt sie im Büro, um das Besprochene auf Papier zu bringen und bereits erstellte Planungsskizzen zu überarbeiten: „Wir arbeiten mit Betonfertigelementen, die wie ein Lego-System aufgebaut werden. Die Ställe brauchen keine Fundamente. Die Hallenstützen werden direkt auf die Fertigteile gesetzt, sodass das komplette Stallbausystem aus einer Hand kommt“, erklärt sie.

Die 22-Jährige kümmert sich um die Planung, ihre Kollegen erarbeiten ein Angebot für den Kunden. Erhält die Firma den Auftrag, errichtet der Bautrupp den Stall. Anschließend kümmert sich Ramona Hesse um die weitere Betreuung der Kunden. „Manchmal rufen mich Kunden an, weil sie einen Stallbau planen oder Ersatzteile benötigen. Ich fahre die Milchviehbetriebe aber auch einfach ohne vorherige Terminvereinbarung an, um unsere Stallkonzepte vorzustellen und Neukunden zu gewinnen“, sagt die Agrarwirtin.

Einstieg über ein Praktikum

Ein Porträt-Foto von Ramona Hesse

Ramona Hesse

Foto: Privat

Ramona Hesse konnte vor drei Monaten direkt im Anschluss an ihr Bachelor-Studium in den Job einsteigen. Die Firma und ihr jetziges Tätigkeitsfeld hat sie bereits vor ein paar Jahren kennengelernt, als ihre Familie für den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb einen Stall bauen ließ. Ramona Hesse studierte zu dem Zeitpunkt schon Agrarwirtschaft an der FH Südwestfalen in Soest. Im Studium lernte sie die Bereiche Tier-, Pflanzenproduktion, Agrarökonomie und Agrartechnik kennen. Sie interessierte sich vor allem für die Anatomie und Fütterung von Tieren sowie für die Grünlandwirtschaft, weil diese Themen auch im elterlichen Betrieb eine wichtige Rolle spielen. Im dritten Semester belegte sie dann ein Modul im Bereich „Landwirtschaftliches Bauwesen“ und sie hatte auch viel Spaß an den Planungen des elterlichen Kuhstalls. Deshalb sprach sie den Chef der Firma an, der sie schließlich als Praktikantin mit in den Außendienst nahm. Anschließend arbeitete Ramona Hesse in den Semesterferien als Werkstudentin für die Firma, sodass sie beim Berufseinstieg schon ziemlich genau wusste, worauf es ankommt.

Während ihrer Werkstudententätigkeit hat sie zum Beispiel einen Stall gezeichnet und verkauft, der jetzt steht und bald von den Kühen bezogen werden soll. Doch während sie damals noch viel Unterstützung bekam, ist sie heute auf sich allein gestellt. Das macht ihr einerseits Spaß, ist andererseits aber auch eine große Herausforderung. „Man muss sehr offen gegenüber den Landwirten sein und sich auf die jeweiligen Anliegen gut einstellen können“, sagt sie. Auch was die Arbeitszeiten angeht, sei in ihrem Job Flexibilität gefragt: An ihren Bürotagen arbeitet sie von 8 bis 16.30 Uhr, ansonsten kommt es durchaus vor, dass sie mal von 7 bis 20 Uhr unterwegs ist. Doch sie kann ihren Arbeitstag selbst gestalten: „Wenn das Wetter gut ist, sind die Landwirte überwiegend auf dem Feld unterwegs und schwieriger zu erreichen. Deshalb bin ich bei schlechtem Wetter häufiger unterwegs, da ich dann die Landwirte zu Hause antreffen kann.“

Perspektiven für die Zukunft

Ramona Hesse freut sich, dass sie in ihrem Job viel über unterschiedliche Stallsysteme lernt. „Im Moment ist die Stimmung aufgrund der niedrigen Milchpreise allerdings getrübt und die Bereitschaft, in Ställe zu investieren, gering. Das hat mir den Einstieg ein bisschen erschwert“, erzählt sie. Auf lange Sicht würde Ramona Hesse gerne irgendwann den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern übernehmen. Sie kann sich aber durchaus vorstellen, auch dann weiterhin parallel Kuhställe zu verkaufen, da sie viel Spaß daran hat, mal im Büro und mal unterwegs zu sein und mit unterschiedlichen Menschen zu tun zu haben.

abi>> 02.12.2015