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Das Beste ist gerade gut genug

Einige Zangen hängen an einer Wand.
Die verwendeten Materialien sind für die Qualität der Werkzeuge entscheidend.
Foto: Martin Rehm

Ingenieurin der Materialwissenschaften

Das Beste ist gerade gut genug

Nur die besten Materialien schaffen es an Angela Durst vorbei in die Produktion eines Wuppertaler Werkzeugherstellers. Die 35-jährige Materialwissenschaftlerin prüft als Angestellte im Qualitätsmanagement, ob Stahl, Kunststoff oder Aluminium den hohen Ansprüchen genügen.

Im Jahr 2000 ging der Studiengang Materialwissenschaften an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen an den Start – und mit ihm Angela Durst. Sie absolvierte als eine der Ersten den Bachelor und im Anschluss daran gleich den Master: „Endlich bekam ich Antworten auf die Fragen, die im Physikunterricht immer mit ‚Ist halt so‘ abgetan wurden“, schwärmt sie.

Nach praktischen Erfahrungen als Werkstudentin in Konzernen wie Hochtief oder Siemens und als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschung entschied sie sich für eine Berufstätigkeit in einem mittelständischen Familienunternehmen: „Ich schätze es sehr, dass man einander kennt.“

Werkstoffe für Handwerk-Profis

Ein Porträt-Foto von Angela Durst

Angela Durst

Foto: Privat

Die Tätigkeit von Angela Durst ist ein gutes Beispiel dafür, dass Materialwissenschaft und Werkstofftechnik untrennbar miteinander verbunden sind. Mit ihrem Wissen um den strukturellen Aufbau der Materialien und deren mechanische, physikalische und chemische Eigenschaften entscheidet sie, ob die angelieferten Werkstoffe zu Hammer, Zange und Schraubendreher verarbeitet werden können.

„Meine Arbeit beginnt ganz profan mit einer Wareneingangsprüfung. Passen die Angaben auf dem Lieferschein zum Inhalt des LKW?“ Wenn das abgehakt ist, nimmt sich Angela Durst den Werkstoff vor. Stimmt die Zusammensetzung des Stahls? Wurden die vorgegebenen Farbcodes eingehalten? Entsprechen die mechanischen Eigenschaften, zum Beispiel Zugfestigkeit, der Bestellung im Stahlwerk? „Für bestimmte Arbeitsschritte wie Lackierungen arbeiten wir mit externen Dienstleistern zusammen.“

Im Labor entwickelt Angela Durst Tests, um etwa den lackierten oder pulverbeschichteten Prototypen eines Schraubendrehers auf Korrosionsbeständigkeit und Härtegrad hin zu prüfen. Die Qualität der Werkstoffe ist auch entscheidend dafür, wie die Maschinen eingestellt und so mitunter Prozesse optimiert werden. Läuft die Produktion an, behält das Qualitätsmanagement die maschinellen Abläufe im Auge und bessert bei Bedarf nach.

Immer auf dem neuesten Stand

Da viele technologische Innovationen auf Materialien und Werkstoffen basieren, ist es wichtig, neue Entwicklungen in der Forschung zu verfolgen und zum eigenen Vorteil zu nutzen. „Ich habe mit meinem Arbeitgeber sehr viel Glück: mir wurde noch nie eine Schulung verweigert“, sagt Angela Durst. Als Spezialistin besucht sie Fortbildungen zu neuen Anlage- und Verfahrenstechniken oder Form- und Lage-Toleranzen. Dabei geht es um die zulässige Toleranz und Abweichung bei Bauteilen. „Aus- und Weiterbildung funktioniert bei uns auf allen Ebenen.“, erläutert Angela Durst. Obwohl sie nicht direkt in die Ausbildung involviert ist, steht sie den Auszubildenden und Studenten bei speziellen Fragestellungen, zum Beispiel zum Thema Abschlussarbeit, zur Seite.

Ihre Aufstiegschancen in dem Familienunternehmen sieht Angela Durst realistisch: „Karriere ist in großen Unternehmen unter Umständen einfacher. Aber ich mag meinen Job sehr – auch in meiner Position. Da ich sehr heimatverbunden bin, kommt mir außerdem entgegen, dass wir ausschließlich in Wuppertal produzieren.“

abi>> 09.03.2016