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Gärten als Orte der Begegnung

Skizzen einer Gartengestaltung
Die Natur planen und vermessen: Alexander Schmid arbeitet als Landschaftsarchitekt im Bereich "Urban Gardening".
Foto: Gerhard Blank

Landschaftsarchitekt

Gärten als Orte der Begegnung

Landschaftsarchitekten gestalten und planen Grünflachen und Parkanlagen – normalerweise. Alexander Schmid (32) kümmert sich nach seinem Studium der Landschaftsarchitektur dagegen um die Gärten in Stuttgart, besser gesagt um „Urbanes Gärtnern“. Als einer der ersten in diesem Bereich hat er 2014 seine Stelle angetreten.

Alexander Schmid hat seinen Job einem weltweiten Trend zu verdanken: Der Anbau von Tomaten, Kohlrabi und Co. nicht nur im Hinterhof und in Kleingärten, sondern auch zwischen Häuserschluchten, am Straßenrand und auf Parkhausdächern. All das wird „Urbaner Gartenbau“ oder auch „Urban Gardening“ genannt. Die Stadt Stuttgart sieht Gärtner, die auf eigene Faust freie Flächen bepflanzen, gerne und richtete deshalb 2014 eine Koordinationsstelle dafür ein.

„Im Garten gibt es Alt und Jung nebeneinander“, sagt Alexander Schmid. „Herkunft spielt hier keine Rolle. Wenn alle die Hände im Boden haben, ist man ziemlich gleich.“ Es gärtnert die Frau des Oberbürgermeisters neben der Raumpflegerin, der Lokführer neben dem Flüchtling. Das freut den Koordinator für Urbanes Gärtnern: Sein Konzept des Gartens als Begegnungsstätte, als Kulturort mit Lesungen und gemeinsamen Kochaktionen, als Tauschbörse und als Rückzugsort mitten in der Großstadt geht auf.

Ansprechpartner für Hobbygärtner

Ein Porträt-Foto von Alexander Schmid

Alexander Schmid

Foto: Hellstern/Stadt Stuttgart

Alexander Schmids Job ist der eines „Kümmerers“. Er organisiert Gartenwerkstätten, in denen die selbsternannten Gärtner ihre Wünsche und Ziele vorbringen und Fachvorträge hören. Er berät sie, wenn es um die Vereinsgründung, um Haftungsfragen oder das Verhandeln mit den Flächeneigentümern geht. Er sucht Brachflächen für weitere Gärten. Er macht Pressearbeit und baut gerade eine Online-Plattform auf, über die sich die Stadtgärtner selbst besser vernetzen können. Und dann sind da noch die Förderanträge abzuarbeiten, denn die Stadtgärtner können für gemeinnützige Gartenprojekte einen Zuschuss der Stadt für Erde, Pflanzgefäße und Samen erhalten. „Arbeitsalltag gibt’s bei mir eigentlich gar nicht“, sagt er.

Studienbegleitende Auslandserfahrung

Abwechslung kennt der 32-Jährige schon aus seinem Studium der Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. „Ich war viel im Ausland“, erzählt er. Das vorgeschriebene Baustellenpraktikum absolvierte er im Volcanoes National Park auf Hawaii, ein anderes bei der Stadt Aalen. Zudem verbrachte er ein Studiensemester in Finnland. „Toll war, dass die Hochschule das gefördert hat, finanziell und durch die Anerkennung der Leistungen“, merkt er an.

Mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur (FH) in der Tasche arbeitete Alexander Schmid zuerst ein halbes Jahr an der forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg, wechselte dann in ein Landschaftsarchitektur-Büro. 2014 ging er dann zur Stadtverwaltung Stuttgart. Eine günstige Konstellation ermöglichte es, ein Förderprogramm für „Urban Gardening“ zu starten. Das notwendige Pflanzenwissen und die umfassende Standortkunde brachte er aus seinem Studium mit.

Stadterneuerung als Perspektive

Das Programm schlug ein in Stuttgart. Anfangs gab es zwölf Initiativen, inzwischen sind es 30. Darunter auch eine, die auf einem Parkhausdach Aquaponik betreibt. „Was das ist? Ein Kreislaufsystem von Fischhaltung und Gemüseanbau: Die Fische liefern den Dünger, die Pflanzen den Sauerstoff“, erklärt er. Geben und Nehmen, das gehört auch in Alexander Schmids Job zusammen. „Die Verwaltung muss lernen, Verantwortung an Bürger abzugeben – die dann wieder etwas für die Stadt tun. Ich verstehe mich hier als Bindeglied“, schildert er.

Mittlerweile hat Alexander Schmid eine Kollegin. Das verschafft ihm Kapazitäten für ein berufsbegleitendes Masterstudium der Stadtplanung. Sein berufliches Ziel ist die Stadterneuerung. Sie fokussiert darauf, bestehende Quartiere lebenswerter und grüner zu machen. „Der Master eröffnet zudem bessere Karrierechancen“, ist er sich sicher.

abi>> 24.10.2016