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Robinson Crusoe mit Internetanschluss

Einige Möwen fliegen am Himmel
Auf einer einsamen Insel in der Nordsee beobachtet der Ornithologe Marco Maier Zug- und Brutvögel.
Foto: Möller Medien

Ornithologe

Robinson Crusoe mit Internetanschluss

Sein erster Job nach dem Masterabschluss in Biologie führte Marco Maier (27) auf eine einsame Insel: Auf Trischen in der Nordsee zählte der Ornithologe einen Sommer lang Zug- und Brutvögel und schrieb ein Blog über seine Beobachtungen.

Gleich nach dem Abitur verschlug es Marco Maier vom Bodensee an die Nordsee: Für den Zivildienst zog er zum Speicherkoog in Schleswig-Holstein. „Das Team hat zwei Schutzgebiete betreut, Vögel gezählt und Pflanzenführungen gemacht“, erzählt der 27-Jährige. „Außerdem habe ich dort an einem Projekt über den Bruterfolg von Austernfischern mitgearbeitet.“ So wurde sein Interesse für Vögel, das heute seinen Beruf prägt, schon damals begründet.

Porträt von Marco Maier

Marco Maier

Foto: privat

Anschließend studierte er Biologie an der Uni Hamburg – und die Vögel begleiteten ihn: Für seine Bachelorarbeit stattete er Silbermöwen auf der Insel Amrum mit GPS-Loggern aus, folgte ihnen zu ihren bevorzugten Fressplätzen und nahm dort Bodenproben. Für die Masterarbeit wiederum fuhr er Enten auf der Ostsee mit einem Boot hinterher. Und schon vor dem Abschluss bewarb er sich erfolgreich beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) – als Vogelwart auf der Nordseeinsel Trischen.

Vor Sonnenaufgang auf Posten

Der Job ist einer der einsamsten, den man in Deutschland machen kann: Sechs bis sieben Monate verbringt man nahezu allein auf der Insel. Marco Maier bezog Ende März 2016 die Hütte des Vogelwarts. Einmal die Woche brachte ihm ein pensionierter Krabbenfischer mit seinem Boot Proviant vorbei, und ein paarmal hatte er Besuch. Mehr Menschen sah er in dieser Zeit nicht.

„Gleich am ersten Tag habe ich angefangen, Zugvögel zu beobachten“, erzählt er. Das gehörte zu seinen wichtigsten Aufgaben im Frühjahr und später auch wieder im Herbst. „Ich bin vor Sonnenaufgang aufgestanden, habe mich vor die Hütte gesetzt und gezählt, wie viele Vögel wann und in welcher Höhe vorbeiflogen.“ Die Beobachtungen trug er später – aufgeteilt in Fünf-Minuten-Intervalle – am Laptop in eine Tabelle ein. Im späten Frühjahr lief er durch die Salzwiesen der Insel, um die Brutvögel zu zählen, und im Hochsommer maß er mit Hilfe eines GPS-Geräts, wie sich die Insel durch Wind und Gezeiten seit dem vergangenen Jahr verformt hatte. Daneben gehörte auch Öffentlichkeitsarbeit zu seinen Aufgaben: Als Vogelwart von Trischen bloggte er in unregelmäßigen Abständen, was er auf der Insel erlebt und beobachtet hatte.

Mittlerweile ist er zurück an Land. Jetzt hat der zweite Teil seines Jobs begonnen: Er schreibt Berichte für den Nabu, das Nationalparkamt und den zuständigen Ranger. Außerdem muss er noch einen Vortrag über seine Zeit auf Trischen halten. Seine Stelle läuft Ende Januar aus, danach wird sie neu ausgeschrieben. „Der Nabu schickt fast nie zweimal hintereinander dieselbe Person dorthin“, sagt Marco Maier.

Die Nordsee kartieren

Für seine berufliche Zukunft hat er schon ein paar Ideen: „Ich werde mich in Hamburg bei Naturschutzämtern und Umweltschutzorganisationen umhören“, sagt er. „Oder ich mache mich selbstständig und arbeite dann zum Beispiel für Planungsbüros.“ In deren Auftrag würde er dann vor einem geplanten Neubau das Gebiet kartieren sowie Tier- und Pflanzenarten dokumentieren. Aus seinen Daten geht dann hervor, welche Ausgleichsflächen ein Bauträger schaffen muss.

Eine solche Tätigkeit könnte ihn wieder aufs Wasser führen: Durch den Boom bei Offshore-Windparks sind zurzeit viele Biologen auf Nord- und Ostsee unterwegs und zählen dort Möwen oder Enten – in Gebieten, die bislang noch niemand wirklich erforscht hat. „Dort herrscht gerade eine richtige Goldgräberstimmung“, sagt Marco Maier. Dass man dabei mitunter bis zu zwei Wochen am Stück auf dem Meer unterwegs ist, stört ihn nicht – Einsamkeit konnte er auf Trischen ja bereits üben.

abi>> 07.12.2016