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Hochschullehre mit Praxisbezug

Professor zeigt einen Versuch vor dem gefüllten Hörsaal
Die Arbeit des Professors beinhaltet weit mehr als nur das Halten von Vorlesungen.
Foto: Michael Neuner

Professor an der Hochschule

Hochschullehre mit Praxisbezug

Von einer Synthesegas-Produktionsanlage eines Chemieunternehmens in den Hörsaal einer Technischen Hochschule: Auf diesen Berufsweg blickt Dr.-Ing. Philipp Brüggemann (36) zurück. Als Professor für Physikalische Chemie lehrt er an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm.

„Ein wesentlicher Teil meiner Arbeitszeit besteht aus Vorlesungen und seminaristischem Unterricht. Meine Lehrverpflichtung als Fachhochschulprofessor beträgt im Mittel 18 Semesterwochenstunden. Vor allem für Vorlesungen ist ausführliche Vorbereitung notwendig – mit unterschiedlichem zeitlichen Aufwand, manchmal bis zu drei Stunden“, beschreibt Philipp Brüggemann seine Arbeit an der Technischen Hochschule. Derzeit bringt er den Studierenden im 3. und 5. Bachelorsemester fachliches Grundlagenwissen bei, beispielsweise in der Phasengleichgewichtsthermodynamik und Kinetik. „Im Master-Studiengang geht es um Vertiefungsfächer wie die wirtschaftliche Bewertung chemischer Produktionsverfahren“, erläutert er.

Nach den Vorlesungen folgen meist Laborpraktika. „Hier prüfe ich die Studierenden vorab mündlich zu den geplanten Versuchen und korrigiere anschließend ihre Protokolle“, erklärt Philipp Brüggemann, der sein Lehrgebiet gemeinsam mit einem weiteren Professor betreut. Beide werden zudem unterstützt von zwei Laboringenieuren. Aufgrund des großen Lehre-Anteils an Fachhochschulen spielt die Forschung in seinem Berufsalltag keine große Rolle.

Jahrelange Industrie-Erfahrung

Ein Porträt-Foto von Philipp Brüggemann

Philipp Brüggemann

Foto: Doris Keßler

Neben seiner Lehrtätigkeit ist er für die IT-Ausstattung seiner Fakultät zuständig – beispielsweise wenn es um die Beschaffung neuer Spezialsoftware für die Modellierung chemischer Verfahren geht. „Außerdem nehme ich an Sitzungen des Fakultätsrats oder anderer Gremien teil“, ergänzt er.

Dass er einmal Professor sein würde, hatte Philipp Brüggemann eigentlich nicht geplant. Nach seinem Diplom-Ingenieur-Abschluss „Engineering and Computing“ an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg promovierte er dort 2010: „In meiner Doktorarbeit ging es um die Verfahrensverbesserung in der Synthesegasherstellung.“ Danach fand er direkt eine Stelle bei einem großen Chemie-Unternehmen und forschte hier zur Verfahrensentwicklung in der Petrochemie. Nach vier Jahren wechselte er in die Synthesegas-Produktion, bevor er 2016 zum Professor berufen wurde.

Verbeamtung auf Lebenszeit

„Ich hatte bereits im Studium eine positive Einstellung zum Professorenberuf. Daher habe ich gelegentlich nach entsprechenden Ausschreibungen Ausschau gehalten“, erinnert er sich. Schließlich bewarb er sich auf seine heutige Stelle. „Das Berufungsverfahren bestand aus einer Probevorlesung zu chemischen Grundlagen und einem Fachvortrag. Beides habe ich vor meinen heutigen Kollegen sowie teilweise vor Studierenden gehalten. Dazu kam ein Gespräch mit der Berufungskommission und dem Präsidenten. Dann bekam ich nach einigen Wochen die Zusage.“ Es folgten einige Formalien wie die Bestätigung des Wissenschaftsministeriums und die Verbeamtung.

Termindisziplin im Hochschulbetrieb

Für die Berufung zur Professur an einer Fachhochschule sind weder Habilitation noch ein spezielles Postdoc-Programm nötig (Begriffe siehe Glossar). Stattdessen zählen die Erfahrungen in der Praxis. Der Bewerber muss mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, drei davon außerhalb der Hochschule. Philipp Brüggemann ergänzt: „Analytische Fähigkeiten und theoretisches Verständnis sind ebenfalls Voraussetzungen für meine Arbeit. Vieles versteht man erst richtig, wenn man es erklären muss. Und interessanterweise verlangt der Hochschulbetrieb eine pragmatisch-striktere Termindisziplin als die Privatwirtschaft.“ Ihm gefällt die Arbeit: „Es macht mir große Freude, wenn ich erlebe, wie ich wirklich etwas voranbringen kann.“ Für die Zukunft plant er, praxisbezogene Forschungsprojekte im Bereich der Prozess- und Verfahrensentwicklung anzustoßen. Neben gesicherten Perspektiven bietet sein Beruf ihm aber auch ausreichend Flexibilität für die Vereinbarkeit mit einem Familienleben.

abi>> 20.02.2017