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Komponist im Labor

Jemand bedient die Regler an einem Mischpult.
Neben einem Feingespür für Musik, Klang und Akustik sollten Sounddesigner auch eine Affinität zu Technik mitbringen.
Foto: Karsten Socher

Sounddesigner in der Automobilindustrie

Komponist im Labor

Wie sich ein Fahrzeug anhört, wenn es beschleunigt, hupt oder blinkt, ist alles andere als Zufall. Hersteller wie BMW beschäftigen zahlreiche Experten, die störende Geräusche beseitigen und für die optimale Akustik sorgen. Einer dieser Mitarbeiter ist Renzo Vitale (37). Der Sounddesigner gestaltet insbesondere die Klänge innerhalb des Autos und macht so die Marke hörbar.

Renzo Vitale kommt gerade von einer Testfahrt zurück. Auf dem Erprobungsgelände hat er ein neues Elektroauto getestet, das BMW 2018 auf den Markt bringen wird. „Ich versuche, ein Fahrzeug bestmöglich zu kennen, bevor ich einen Sound kreiere. Später im Labor habe ich noch genau im Kopf, wie es klingt, wenn man verschiedene Geschwindigkeiten und Manöver fährt, ein- oder aussteigt“, sagt der gebürtige Italiener, der zu einem zehnköpfigen Team von Sounddesignern gehört. Er und seine Kollegen gestalten alle Töne, die in einem Fahrzeug entstehen – angefangen beim Geräusch des Antriebs, bis hin zum Blinker, Gurt- oder Temperaturwarner.

„Jeder Klang muss eine Funktion übermitteln, aber auch einer bestimmten Ästhetik entsprechen, also zur Fahrzeugmarke passen“, erklärt der 37-Jährige. Ein Mini soll schließlich anders klingen als ein SUV. „Diese Stimmigkeit herzustellen, ist ein langer Prozess, auch wenn am Ende nur ein oder zwei Sekunden zu hören sind.“ Jede Klangentwicklung beginnt im Labor, sei es am Computer, am Keyboard oder mit Instrumenten: Alles ist erlaubt. Dann werden die Klänge im Fahrzeug getestet und später auch von Probanden bewertet.

Ein Blick hinter die Musik

Porträt von Renzo Vitale

Dr. Renzo Vitale

Foto: Thilo Vogel

Als Sounddesigner in der Automobilindustrie zu arbeiten, hatte Renzo Vitale ursprünglich gar nicht geplant – auch wenn ihn sein Bildungsweg optimal darauf vorbereitet hat: Er studierte erst Musik, danach Elektrotechnik und spezialisierte sich am KTH Royal Institute of Technology in Stockholm und an der RWTH Aachen auf Akustik. „Für mich ist diese Kombination immer selbstverständlich gewesen, denn ich wollte Musik aus allen Perspektiven betrachten“, erzählt der diplomierte Konzertpianist. „Dazu gehören eben auch physikalische, biologische oder technische Kenntnisse darüber, wie Klänge entstehen, wahrgenommen und verändert werden. Man kann sich mit Akustik aber auch ohne musikalischen Hintergrund beschäftigen, zum Beispiel indem man Physik oder Maschinenbau studiert.“

Anschließend promovierte Renzo Vitale in Aachen im Bereich Psycho- und Raumakustik und war drei der insgesamt sechs Jahre als Gastforscher an der Kunsthochschule Pratt Institute in New York City tätig. Als ihn ein ehemaliger Promotionskollege fragte, ob er Interesse an einer Stelle als Akustiker bei BMW hätte, war seine erste Antwort Nein, da er zurück nach Amerika ziehen wollte. „Er hat mir die Stelle aber so herzlich und drängend empfohlen, dass ich mich doch beworben habe und nach einem längeren Bewerbungsprozess auch ein Angebot bekam“, erinnert er sich. Er begann im reinen Akustikbereich, stieg jedoch später ins Team der Sounddesigner ein. Inzwischen arbeitet er seit über zwei Jahren bei dem Autobauer mit Sitz in München.

Zwischen Kunst und Technik

Bei BMW arbeiten rund 300 Mitarbeiter im Bereich Akustik und Schwingung; mehr als 90 Prozent von ihnen sind Ingenieure. Die Aufgaben sind vielseitig: Zunächst müssen im und am Fahrzeug alle unerwünschten Geräusche beseitigt werden. Denn wenn beispielsweise ein Armaturenbrett bei jeder Bodenwelle knarzt, wird sich ohnehin kein Fahrvergnügen einstellen. Sind die Effekte optimiert, kann die eigentliche Klanggestaltung beginnen. „Dabei ist es wichtig, eine Balance zwischen der technischen und der künstlerisch-gestalterischen Sprache zu finden“, sagt der Sounddesigner.

Zugute kommt ihm seine Musikalität. Dadurch bringt er auch ein Feingefühl für Klänge mit. Die Bereitschaft, sich zu engagieren und in neue Themen zu vertiefen, ist aber ebenfalls wichtig. So gehört es etwa zu seinen Aufgaben, gesetzliche Vorgaben mit der Klanggestaltung abzustimmen. Als Beispiel nennt er den akustischen Fußgängerschutz für die leisen Elektroautos, der in den USA ab September 2019 für jede Neuzulassung vorgeschrieben ist.

Nach seinen beruflichen Zukunftsplänen gefragt, antwortet Renzo Vitale: „Ich habe gelernt, dass das Leben einem oft Wege zeigt, die man sich am Anfang nicht vorstellen konnte. Ich mag sehr, was ich gerade mache und Kreativität wird immer im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen.“

abi>> 24.05.2017