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Das optimale Brummen

Nachtaufnahme von fahrenden Autos mit Langzeitbelichtung
Auch wenn sich auf der Autobahn die Geräusche vieler Fahrzeuge zu einem Rauschen vermischen – jedes Modell klingt einzigartig.
Foto: Lisa Zirkelbach

Sounddesigner in der Automobilindustrie – Hintergrund

Das optimale Brummen

Beim Kauf eines Autos ist nicht nur die Optik wichtig, auch der Klang von Motor, Blinker und Co. löst unmittelbar Gefühle aus und kann damit die Entscheidung beeinflussen. Kein Wunder, dass Autofirmen ganze Abteilungen mit Akustikexperten und Sounddesignern besetzen. Viele von ihnen haben ein technisches Fach studiert, andere haben einen musikalischen Hintergrund. Mit dem Ausbau der Elektromobilität steigt auch die Nachfrage nach Absolventen.

Der Sound im Auto ist eine komplexe Angelegenheit, schließlich müssen bis zu 400 Geräuschquellen im Fahrzeug harmonisch aufeinander abgestimmt werden. Je nach Modell gelten unterschiedliche Klänge als optimal. „Das Fahrzeug ist ein sehr emotionales Produkt. Sportwagenliebhaber haben ganz andere Erwartungen an Sound und Emotionen als etwa eine Familie. Das muss entsprechend hörbar gemacht werden“, erklärt Ercan Altinsoy, Professor am Institut für Akustik und Sprachkommunikation an der TU Dresden. „Teil des Sounddesigns ist aber auch, den Nutzer über unterschiedliche Betriebszustände zu informieren, zum Beispiel über Warn- oder Betätigungsgeräusche“, fügt er hinzu.

Wege in die Branche

Porträt von Prof. Ercan Altinsoy

Prof. Ercan Altinsoy

Foto: privat

Das Institut ermöglicht eine breite Ausbildung in den Fächern Akustik, Haptik, Sprachtechnologie und kognitive Systeme und spricht Studierende aus verschiedenen Disziplinen an. „Es gibt viele, die Physik, Informatik oder Medieninformatik studieren und sich in Richtung Akustik spezialisieren. Aber auch Studierende der Musik oder Psychologie wollen mal über den Tellerrand schauen“, sagt Ercan Altinsoy. Viele Akustikexperten sind ausgebildete Elektrotechniker oder Ingenieure mit den Schwerpunkten Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik. Doch auch Musiker und Tontechniker, die sich zum Tonmeister weitergebildet haben, gibt es in der Branche.

Empfohlen wird in jedem Fall ein Studium mit einer entsprechenden Spezialisierung. Inzwischen werden an privaten Hochschulen auch Studiengänge im Bereich Audiodesign angeboten, die aber kostenpflichtig sind.

Multitalente sind gefragt

Porträt von Dr. Martin Grabenstein

Dr. Martin Grabenstein

Foto: Ralph Wagner

Martin Grabenstein, Abteilungsleiter für Luftschallakustik, Sounddesign und Aeroakustik bei BMW, achtet bei Bewerbern genau darauf, wie sie Geräusche erfassen: „Ich frage konkret nach, welches Fahrzeug der Bewerber in der letzten Zeit gefahren ist und wie es akustisch wahrgenommen wurde. Manche haben einen eher technischen Zugang, weil sie zum Beispiel gerne an Autos basteln, andere bringen Hörerfahrungen mit, da sie ein Instrument spielen oder im Chor singen.“

Beide Herangehensweisen sind wichtig: Während die Akustiker vor allem dafür zuständig sind, Motoren, Getriebe und Abgasanlagen leiser zu machen, werden die Töne von Blinker, Gurtwarner oder Fensterheber von Sounddesignern gestaltet, die – ähnlich wie bei einem Orchester – auch für einen harmonischen Gesamtklang im Fahrzeug sorgen. Doch unabhängig davon, in welche Richtung man gehen möchte, sollte das Interesse nicht eindimensional sein, findet Ercan Altinsoy: „Sounddesign umfasst immer die Seite der Technik und die der Wahrnehmung durch den Menschen. Wer sich nur auf ein Gebiet konzentrieren möchte, wird kein guter Sounddesigner.“

Töne für leise E-Autos

Hauptarbeitgeber für Sounddesigner ist die Automobilindustrie. Bei der Entwicklung neuer Modelle investieren die Fahrzeugbauer hohe Summen ins sogenannte Acoustic Branding; genaue Zahlen sind nicht bekannt. Bei den Herstellern gibt es zurzeit rund 10 bis 20 Prozent offene Stellen in diesem Bereich, die nicht besetzt werden können, schätzt Ercan Altinsoy. Gute Arbeitsmarktchancen für Akustiker und Sounddesigner bestätigt auch Martin Grabenstein: „Durch den Ausbau und die Weiterentwicklung der Elektroautos haben wir laufend Bedarf an neuen Absolventen.“

Bis 2020 werden die deutschen Hersteller das Angebot ihrer E-Modelle mehr als verdreifachen, prognostizierte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie auf der Jahrespressekonferenz 2016. Jeder vierte oder fünfte verkaufte Neuwagen wird dann einen Elektroantrieb haben. Für Sounddesigner stellt das eine besondere Herausforderung dar: Weil die Elektromotoren sehr leise sind, müssen mehr Geräusche künstlich erzeugt werden, um die Passanten rechtzeitig zu warnen und Unfälle zu vermeiden.

Aber auch grundsätzlich wird sich der E-Sound vom bisherigen Klang abheben. „Elektrofahrzeuge sollen sich nicht wie klassische Verbrennungsmotoren anhören“, betont Martin Grabenstein und erzählt: „Bei der Marke Mini haben wir uns von futuristischen Klangwelten inspirieren lassen – auch von Star Wars und anderer Science Fiction.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild. (Suchbegriffe: Audio-, Sounddesign, Akustik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 500.000 Bildungsangeboten. (Suchbegriffe: Audio-, Sounddesign)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Verband der Automobilindustrie (VDA)

Über Ausbildungs- und Jobchancen in der Automobilindustrie informiert die VDA-Webseite unter dem Menüpunkt Services > Nachwuchsförderung.
www.vda.de

medienstudienfuehrer.de

Online-Portal für Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich Medien an Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Suchbegriffe: Audio-, Sounddesign, Akustik)
www.medienstudienfuehrer.de

abi>> 24.05.2017