Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Datenaustausch per Weltraumlaser

Blick aus dem Weltraum auf die Erde.
Um die Erde kreisen mehr als 1.000 Satelliten, die Daten für Fernsehen, GPS-Navigation und vieles mehr übertragen. Systemingenieur Matthias Düll entwickelt bei der Tesat-Spacecom GmBH Module, die den Satelliten eine Kommunikation per Laser ermöglichen.
Foto: Picasa

Systemingenieur

Datenaustausch per Weltraumlaser

Mehr als 1.000 Satelliten umkreisen die Erde und sammeln ununterbrochen Informationen, etwa über die Atmosphäre, die Meere oder die Vegetation. Systemingenieur Matthias Düll (32) und seine Kollegen bei Tesat-Spacecom entwickeln Laser Terminals, die diese vielen Terabytes an Daten möglichst schnell zwischen den Satelliten übertragen und dann zur Erde weiterleiten – und das über Distanzen von bis zu 80.000 Kilometern.

Es ist ein wenig, wie wenn jemand aus dem Cockpit eines Flugzeugs eine Münze heraushält und ein anderer versucht, diese vom Boden aus mit einem Laserpointer zu treffen – so umschreibt Matthias Düll bildhaft, wie anspruchsvoll es ist, mit Satelliten per Laser zu kommunizieren. „Die technischen Anforderungen sind extrem hoch, dafür können schneller mehr Daten versendet werden – die Datenrate ist also höher – als bisher per Funk. Außerdem ist der Laserstrahl stör- und abhörsicher“, erklärt der 32-Jährige.

Für die Airbus-Tochter Tesat-Spacecom GmbH und Co.KG arbeitet er seit mehr als vier Jahren als Systemingenieur in diesem Bereich. Das Unternehmen nahe Stuttgart ist internationaler Technologieführer in der Laserkommunikation. Es stattet zum Beispiel das im Aufbau befindliche European Data Relay Satellite System (EDRS) aus, das von der europäischen Weltraumorganisation zur Erdbeobachtung betrieben wird. „Wir entwickeln am Rande des bisher Möglichen und bringen die Technologie voran. Das ist spannend und zugleich extrem herausfordernd – bei einer Frage kann man nämlich nicht mal schnell bei Wikipedia reinschauen“, betont der Ingenieur.

Kundig in vielen Disziplinen

Ein Porträt-Foto von Matthias Düll.

Matthias Düll

Foto: Ronny Geipel

Für das EDRS wird derzeit ein neuer Satellit gebaut, für den Tesat das sogenannte Laser Communication Terminal (LCT) liefert. Matthias Dülls derzeitige Hauptaufgabe ist es, dieses Projekt als technischer Verantwortlicher zu betreuen.

Der Beruf des Systemingenieurs ist äußerst anspruchsvoll: Er steht nicht nur im regen Austausch mit dem Kunden, sondern koordiniert auch die Arbeit aller beteiligten Fachabteilungen bei Tesat: „Ist der Projektvertrag abgeschlossen, geht es ins Detail. Dann bespreche ich mit den Maschinenbauingenieuren, wie groß das Gehäuse sein muss, mit den Chemikern, wie gewisse Teile verklebt werden, und mit den Informatikern, was die Software leisten soll. Es kann auch mal sein, dass ich selbst im Labor Tests durchführe oder mich ins Kleinste hineinfuchse.“ Gleichzeitig darf der 32-Jährige aber das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren – beim Endprodukt muss schließlich alles ineinander greifen und funktionieren.

Für seine Arbeit unerlässlich ist Kommunikationsfreude in den jeweiligen Fachsprachen, auf Deutsch und Englisch sowie in Stresssituationen. Auch die gute Zusammenarbeit im vielseitigen, internationalen Team und eine schnelle Auffassungsgabe gehören zu den Anforderungen.

Ausbildung und Studium als ideale Grundlage

Über die Berufsorientierung an der Realschule entdeckte der damals 16-Jährige seine Faszination für die Elektrotechnik. Bei einem mittelständischen Unternehmen machte er nach der Mittleren Reife die Ausbildung zum Kommunikationselektroniker der Fachrichtung Funktechnik (seit 2003 Elektroniker/in für Geräte und Systeme). „Mich hat sehr interessiert, wie Daten drahtlos übertragen werden können. In meinem Ausbildungsbetrieb konnte ich zudem viele Abteilungen kennenlernen, was mir auch heute beruflich nützt“, erzählt er.

Noch während der Ausbildung holte Matthias Düll die Fachhochschulreife nach, um sich mit einem Studium weiter zu qualifizieren. Er entschied sich für den Bachelorstudiengang Nachrichtentechnik an der Hochschule Ulm, anschließend für den Masterstudiengang Elektrotechnik an der Universität Ulm. „Im Master wählte ich die Vertiefung Kommunikations- und Systemtechnik, wurde aber auch in Bereichen wie Regelungstechnik, Hardware-Systeme oder Sensorik ausgebildet“ – eine inhaltliche Breite, die ihn gut auf die interdisziplinäre Tätigkeit als Systemingenieur vorbereitet hat.

Technik für extreme Bedingungen

Direkt nach dem Studium gelang ihm der Berufseinstieg bei Tesat. „Es war für mich ein großer Anreiz, Technik zu entwickeln, die später im Weltraum zum Einsatz kommt. Solche Extrembedingungen hat man in kaum einem anderen Bereich“, sagt er.

Bereits am ersten EDRS-Satelliten mit einem LCT hatte Matthias Düll mitgearbeitet. Seine Themen damals waren die digitalen Aspekte der EDRS-Nutzlast, etwa die Schnittstellen zwischen den Laser Terminals und die digitale Datenverarbeitung wie Verschlüsselung und Fehlerkorrektur auf der Nutzlast. „Es war ein besonderes Erlebnis, das Projekt vom Papier her zu kennen, zu seiner Entwicklung beizutragen, erste Prototypen im Reinraum zu sehen und dann dabei zu sein, als unser LCT bei Airbus in Toulouse auf den mehr als fünf Tonnen schweren Satelliten montiert und getestet wurde. Als der erste Laserlink zum fliegenden Satelliten hergestellt wurde, war die Freude riesig“, erinnert sich der Systemingenieur.

Da Tesat zum Airbus-Konzern gehört, bieten sich dem 32-Jährigen viele Möglichkeiten für seine weitere Karriere: „Von Flugzeugen über Helikopter bis hin zu Satelliten, von der Forschung im Labor über die technische Entwicklung bis hin zum Projektmanagement: Innerhalb des Konzerns stehen mir etliche Wege offen.“

abi>> 28.05.2018