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Auf Biegen und Brechen

Auszubildender zum Werkstoffprüfer bei der Untersuchung eines Materials am Mikroskop.
Werkstoffprüfer untersuchen Werkstoffe zum Teil auch unter dem Mikroskop. Dabei kann es durchaus mal vorkommen, dass Werkstücke zerstört werden.
Foto: Thomas Frey

Werkstoffprüferin

Auf Biegen und Brechen

Jessica Groß testet als Werkstoffprüferin der Fachrichtung Metalltechnik bei der DEKRA Automobil GmbH metallische Werkstoffe darauf, wie sie beschaffen sind und ob sie beschädigt wurden. Dabei prüft die 29-Jährige die Teile mechanisch oder analysiert sie unter dem Mikroskop.

Werkstücke geben ihr Innenleben nicht ohne Weiteres preis. Mitunter muss man als Werkstoffprüfer zu drastischen Maßnahmen greifen, wenn man erfahren will, wie ein Bolzen im Inneren aufgebaut oder warum eine Welle fehlerhaft ist. Man kann Werkstücke ziehen, biegen, falzen, schleifen, mithilfe von Röntgenstrahlen, Ultraschall oder unter dem Mikroskop untersuchen. Bei einigen Testverfahren zerstört man das Werkstück, bei anderen prüft man es zerstörungsfrei, so dass man es danach wieder einsetzen kann.

Jessica Groß kennt all diese Testmethoden aus ihrer mehrjährigen Berufspraxis. Nach ihrer Fachhochschulreife absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Werkstoffprüferin in der Abteilung Werkstofftechnik und Schadensanalytik der DEKRA Automobil GmbH in Saarbrücken. Seitdem übt sie diesen Beruf bei ihrer Ausbildungsfirma aus.

Werkstücke auf ihre Beschaffenheit testen

Ein Porträt-Foto von Jessica Groß.

Jessica Groß

Foto: Anika Diesinger

Viele Kunden kommen aus der Automobilbranche. „Einer davon überließ uns beispielsweise eine Kurbelwelle, bei deren Bearbeitung das entsprechende Werkzeug stark verschliss. Er wollte wissen, warum das geschieht. Wir vereinbarten, dass wir die Welle metallografisch untersuchen, um herauszufinden, wo die Ursache für das Problem lag“, berichtet Jessica Groß von einem typischen Auftrag. Sie und ihre Kollegen unterzogen das Werkstück drei aufeinanderfolgenden Testverfahren: Zunächst analysierten sie spektrochemisch die Zusammensetzung der Welle, um auszuschließen, dass von vornherein versehentlich ein falscher Werkstoff verbaut worden war. Bei dieser Analysemethode wird der Stoff einer Energiezufuhr ausgesetzt, zum Beispiel durch einen Lichtbogen. Dieser regt die darin befindlichen Atome an, so dass sie eine elektromagnetische Strahlung aussenden, die charakteristisch für bestimmte chemische Elemente ist. Daran kann man erkennen, aus welchen Stoffen die Probe zusammengesetzt ist.

In einem zweiten Arbeitsgang ermittelten die Prüfer die Härte der Welle. Danach erstellten sie einen sogenannten Mikroschliff, betrachteten also unter dem Mikroskop den inneren Aufbau der Welle. Bei der chemischen Zusammensetzung und dem Härtetest fanden sie nichts Auffälliges. „Doch die mikroskopische Untersuchung zeigte: In der Welle gab es Gefügestrukturen, die im Vergleich zum restlichen Material sehr hart waren. Dies hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit den Werkzeugverschleiß verursacht“, fasst Jessica Groß das Ergebnis zusammen.

Methodische Fehlersuche

Die 29-Jährige und ihre Kollegen testen jedoch nicht nur Werkstücke auf ihre Beschaffenheit oder auf Fehler, sondern versuchen auch, mögliche Probleme vorab zu erkennen und zu vermeiden: Bei den Korrosions- und Umweltsimulationsprüfungen setzen sie gezielt Materialien jenen Umwelteinflüssen aus, mit denen sie später konfrontiert sind. Diese Einflüsse simulieren sie, stellen sie also künstlich her.

Wer als Werkstoffprüfer erfolgreich sein und Freude an dem Beruf haben will, sollte nach Meinung von Jessica Groß handwerkliche und technische Fähigkeiten mitbringen sowie strukturiert und analytisch denken können. „Wichtig sind auch Neugier und Recherchebereitschaft – also geduldig und methodisch den Fehler im Werkstück suchen zu wollen“, sagt die junge Saarländerin.

Mittlerweile ist sie nicht nur ausgebildete Werkstoffprüferin, sondern staatlich geprüfte Technikerin der Fachrichtung Werkstofftechnik. „Ich habe die Weiterbildung gleich nach meinem Berufsabschluss begonnen, sie vier Jahre lang parallel zum Beruf absolviert und vor einigen Jahren abgeschlossen“, berichtet sie. „Ich habe so meine Kenntnisse gezielt erweitert und vertieft. Mit einer Weiterbildung erhält man meist ein besseres Gehalt und ist im Unternehmen vielseitiger einsetzbar“, begründet Jessica Groß diesen Schritt.

abi>> 14.05.2018