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Handarbeit im Weinberg

Reihen von Rebstöcken in einem Weinberg
Klima, Witterungsbedingungen, Erntezeitpunkt – die Qualität der Trauben ist von vielen Faktoren abhängig.
Foto: Ann-Kathrin Hörrlein

Winzer

Handarbeit im Weinberg

Vor drei Jahren hat Christian Dautel (30) von seinem Vater das gleichnamige Weingut im baden-württembergischen Bönnigheim übernommen. Seine Erfahrungen hat er nicht nur zu Hause, sondern auch auf Weinbergen rund um den Globus gesammelt. Heute ist er das Gesicht des Familienunternehmens und weiß genau, was er will.

Das Familienunternehmen der Dautels hat sich hauptsächlich auf Rebsorten wie Lemberger, Spätburgunder, Riesling und Weißburgunder spezialisiert. „Historisch bedingt sind unsere Weinberge rund um Bönnigheim eher klein parzelliert. Das ist sehr arbeitsintensiv, denn jede Parzelle wird einzeln ausgebaut, gelesen und verkostet“, sagt der Jungwinzer. Handarbeit im Freien gehört dabei selbstredend zum Berufsalltag, etwa wenn es darum geht, neue Rebstöcke zu pflanzen, zu beschneiden und am Heftdraht anzubinden, um den Kletterpflanzen Unterstützung zu geben. „Solche Arbeiten macht man auch mal zwei Monate lang jeden Tag. Das kann manchmal etwas monoton sein, aber die Leidenschaft fürs Produkt trägt einen durch“, sagt er.

Die Arbeit im Weinberg organisiere jedoch hauptsächlich sein Vater, er hingegen sei für den Keller zuständig. Hier werden die Trauben nach der Lese verarbeitet und durch önologische Verfahren der Geschmack des späteren Weines beeinflusst. Christian Dautel überlegt genau, welche Weine später zusammen abgefüllt werden: „In einem Fass sind meistens nur die Trauben von einer Parzelle, um sie auch einzeln verkosten und bewerten zu können. Man braucht viel Fingerspitzengefühl, um anschließend aus den einzelnen Weinen das bestmögliche Produkt zu machen“, schildert er.

Beruf mit hoher Wertschätzung

Ein Porträt-Foto von Christian Dautel

Christian Dautel

Foto: Andreas Durst

Winzer müssen ganzheitlich denken und arbeiten: „Fehler, die im Weinberg passieren, bemerkt man oft erst viele Jahre später in der Flasche“, bringt es der Jungwinzer auf den Punkt. Schließlich sorgen Witterung und Klima jedes Jahr für andere Ausgangsbedingungen. „2016 gab es schon viele Niederschläge, da ist es schwierig, mit dem Traktor zu arbeiten, ohne die Böden kaputt zu machen“, sagt er. Zu anderen Zeiten sind die Böden wiederum sehr trocken oder die Reben von Krankheiten bedroht. Neben Entscheidungen über Anbau, Bodenpflege und Pflanzenschutz muss auch der Zeitpunkt der Weinlese gut überlegt sein. Denn die Trauben besitzen je nach Region und Wetterlage nur für wenige Tage eine optimale Qualität.

Außer der Arbeit im Weinberg und im Keller ist Christian Dautel als Chef des Familienunternehmens auch für die Vermarktung der Weine verantwortlich. Weinverkostungen, Führungen durchs Weingut, Präsentationen, Fachmessen, Preisverhandlungen, Medieninterviews – die Bandbreite ist groß und das gefällt ihm: „Der Winzerberuf ist sehr angesehen, ich werde oft eingeladen und es gibt viele tolle Veranstaltungen in der Branche.“ Wichtig ist ihm, den Betrieb weiterhin so erfolgreich zu führen, wie es seine Eltern getan haben. Dann wäre er schon sehr stolz, sagt er.

Praktika im Ausland

Winzer werden, weil es nahe liegt oder weil er wirklich Lust darauf hat? Zweifellos eine wichtige Frage, die sich Christian Dautel nach dem Abi stellte. Da er sich auch für Grafikdesign interessiert, folgte erstmal ein Praktikum in einer Werbeagentur. „Irgendwie hat mich das nicht überzeugt“, erinnert er sich. Er entschied sich für das Diplomstudium „Weinbau und Önologie“ an der Hochschule Geisenheim. Vor und während des Studiums zog es ihn ins Ausland, wo er auf Weingütern in Australien, Südafrika, Österreich, den USA und Frankreich mitarbeitete. „Mein Vater hat ein gewisses Alter, deshalb war klar, dass es nach dem Studium zu Hause weitergeht“, sagt er.

abi>> 12.07.2016