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„Über den Mond wissen wir mehr als über die Tiefsee“

Detail: Umweltschutztechnischer Assistent beurteilt die Einwirkung des Reaktionsgemisches auf die Wasserprobe.
Auf seinen Forschungsreisen sammelte Dr. Andreas Türke Wasserproben aus bis zu 4.000 Metern Tiefe. Bis heute ist er mit der Präparation und Analyse beschäftigt.
Foto: Axel Jusseit

Wissenschaftler auf einem deutschen Forschungsschiff

„Über den Mond wissen wir mehr als über die Tiefsee“

30 Tage lang war Dr. Andreas Türke auf dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ im Pazifik unterwegs, um gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über die Tiefsee zu gewinnen. Für abi>> berichtet der 30-jährige promovierte Geowissenschaftler von seiner Reise.

Wie entstand und entsteht Leben auf der Erde? Diese essenzielle Frage hat mich bewogen, in die Meeresforschung zu gehen und die Tiefsee unter die Lupe zu nehmen. Denn es ist durchaus möglich, dass das Leben auf unserem Planeten dort begann.

Um über die dortigen Bedingungen etwas herauszufinden, benötigt man Wasserproben – und um an diese heranzukommen ein Forschungsschiff. Bislang habe ich an zwei Forschungsreisen teilgenommen: Eine führte mich auf dem Eisbrecher „Polarstern“ in die Arktis, die zweite auf der „Sonne“ in den Pazifik zwischen Neukaledonien und Neuseeland.

Wasserproben aus bis zu 4.000 Metern Tiefe

Ein Porträt-Foto von Dr. Andreas Türke

Dr. Andreas Türke

Foto: Christian Hansen

Mein Weg in die Forschung führte mich zunächst über das Bachelorstudium Geowissenschaften der Uni Bremen. Als wissenschaftliche Hilfskraft konnte ich an einigen Projekten mitarbeiten und entdeckte dabei mein Interesse an der marinen Forschung. Daraufhin entschied ich mich für den Masterstudiengang „Marine Geosciences“, ebenfalls in Bremen, und promovierte danach zum Thema mikrobielles Leben in der Tiefsee.

Heute arbeite ich als Post-Doktorand in der Arbeitsgruppe „Petrologie der Ozeankruste“ an der Uni Bremen, die die Entstehung und Eigenschaften der Erdkruste in den Ozeanen untersucht. In dieser Funktion war ich mit einer internationalen Gruppe von rund 40 Wissenschaftlern, die an Unterwasservulkanen geforscht haben, auf der „Sonne“ unterwegs.

Meine Aufgabe bestand darin, hydrothermale Systeme zu untersuchen, also solche, in denen sich Minerale aus gas- oder salzhaltigen, wässrigen Lösungen bilden. Mit der sogenannten CTD-Rosette, mit der man mehrere 10-Liter-Flaschen ins Meer herablassen kann, habe ich Wasserproben aus bis zu 4.000 Metern Tiefe genommen. Erste Untersuchungen konnte ich in einem der Labore an Bord machen, um anhand der Ergebnisse zu entscheiden, wo als nächstes geprobt werden soll. Auch heute arbeite ich noch mit diesen Proben – die eigentliche Arbeit beginnt nämlich nach der Expedition. Oft beschäftigt man sich noch zwei bis drei Jahre mit den Proben und Analysen einer solchen Schiffsreise.

Kostbare Zeit auf dem Forschungsschiff

Das Faszinierende an der Tiefsee: Bislang wissen wir vergleichsweise wenig über sie, wir kennen sie schlechter als den Mond. Aber: Nur was wir kennen, können wir auch schützen. Wir haben also eine wichtige Aufgabe, denn die Ozeane spielen eine entscheidende Rolle beim Klimawandel.

Doch gerade die Tiefseeforschung ist sehr aufwendig und teuer, weil man immer ein entsprechend ausgestattetes Schiff braucht. Die Reisen müssen von den Organisatoren mehrere Jahre im Voraus bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt werden, die solche Projekte finanziell fördert. An dem Unterwasservulkan-Projekt auf der „Sonne“ beteiligen sich allein sechs deutsche Partner: vier Unis sowie das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, MARUM, und das Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie.

Austausch unter verschiedenen Disziplinen

Im Juni werde ich erneut im Pazifik unterwegs sein. Ich freue mich schon sehr auf die Fahrt. Zum einen ist das Leben und Arbeiten auf der „Sonne“ rundum angenehm: Man hat seine eigene Kammer, wird bekocht, kann in seiner Freizeit Tischtennis und Kicker spielen, es gibt einen Fitnessraum und eine Bibliothek mit einem Fernseher.

Worauf ich mich besonders freue, ist der Austausch mit den Kollegen. Geochemiker, Geologen, Biologen – Vertreter verschiedener Disziplinen gehörten bei meiner letzten „Sonnen“-Fahrt zum Team. In den täglichen Meetings, bei denen neue Ergebnisse vorgestellt werden, und durch Gespräche zwischendurch erhält man spannende Einblicke in die Forschung der Mitreisenden. Und wenn man frei hat und nicht gerade schläft oder isst, kann man den Kollegen auch mal im Labor über die Schulter schauen. Dort trifft man immer jemanden, denn um die in mehrfacher Hinsicht kostbare Schiffszeit voll auszunutzen, wird 24 Stunden am Stück gearbeitet.

abi>> 08.01.2018