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Stoffen zu neuen Funktionen verhelfen

Chemikerin Lisa Koch zieht im Labor einen Stoff durch eine Maschine.
Die Chemikerin Lisa Koch erforscht derzeit am Deutschen Textilforschungsinstitut Nord-West (DTNW), welche Kunststoff-Beschichtungen Textilien zum Beispiel abweisend für Bakterien und Pilze machen. Hier trägt sie den Kunststoff auf die Stoffbahn auf.
Foto: Katharina Courth

Wissenschaftlerin im Bereich Textilforschung

Stoffen zu neuen Funktionen verhelfen

Ein Sport-Shirt, das nach einer harten Trainingseinheit kaum nach Schweiß riecht, oder Bettwäsche für Krankenhäuser, an der sich Bakterien und Co. nur schwerlich festsetzen können – Chemikerin Lisa Koch (30) entwickelt am Deutschen Textilforschungsinstitut Nord-West (DTNW) Textilien, die mehr können.

Am Anfang stehen ganz normale Stoffe, zum Beispiel solche aus Baumwolle, Polyester oder Vlies. „Wir verändern ihre Oberfläche, sodass sie neue oder bessere Eigenschaften erhalten“, erklärt Lisa Koch. Die Chemikerin forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin am DTNW etwa an Beschichtungen, die Textilien antimikrobiell und antiadhäsiv machen. Ersteres bedeutet, dass Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze auf dieser Oberfläche nicht wachsen können; Letzteres, dass sie daran gar nicht erst anhaften. Das macht diese Stoffe besonders hygienisch und damit zum Beispiel für den medizinischen Sektor, aber auch für Heimtextilien oder Sportbekleidung interessant.

„Unsere Auftraggeber sind teilweise Firmen, zum großen Teil aber öffentliche Träger, die Forschungsprojekte ausschreiben. Auf diese kann sich das Institut um die Ausführung und die Fördermittel bewerben“, schildert sie. Meist sind diese Projekte auf zwei Jahre ausgelegt. Die 30-Jährige ist daher befristet angestellt, wie die meisten ihrer Kollegen. „Das ist für mich aber in Ordnung. Ich arbeite seit April 2014 für das DTNW und promoviere hier nebenher. Meine Doktorarbeit möchte ich bis Sommer 2018 abschließen.“

Experimentieren und prüfen

Ein Porträt-Foto von Lisa Koch.

Lisa Koch

Foto: privat

Aktuell arbeitet Lisa Koch an einem Projekt, das das DTNW im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bis Ende 2019 umsetzt. „Hierfür entwickeln wir geruchsmindernde Textilien, die etwa als Gardinen in der Küche oder als hygienische Bettwäsche im Krankenhaus zum Einsatz kommen könnten“, beschreibt sie. Zunächst wurden verschiedene Materialien ausgewählt, die später mit neuen Funktionen „ausgerüstet werden sollen“, wie es in der Fachsprache heißt. Danach untersuchte die Wissenschaftlerin im Labor chemische Stoffe, in diesem Fall Polymere, die die gewünschten antimikrobiellen und antiadhäsiven Eigenschaften mitbringen. „Im nächsten Schritt beschichte ich maschinell das Textil mit dem Polymer“, erklärt sie.

Dann geht es ans Prüfen: Bleibt das Polymer auch nach einem Waschgang haften? Sind die textilen Eigenschaften noch vorhanden? „Denn ein Baumwollstoff soll sich später immer noch nach Baumwolle anfühlen und weiß sein“, betont Lisa Koch. Und die wichtigste Frage: Hat der Stoff nun die gewünschten neuen Funktionen? Um das zu testen, trägt sie beispielweise E.coli-Bakterien auf die Probe auf und überwacht, ob diese wachsen.

„Gerade diese frühe Projektphase im Labor ist knifflig und ich muss viel herumprobieren. Dafür ist Durchhaltevermögen gefragt. Wissenschaftler müssen auch mit frustrierenden Ergebnissen umgehen können und Lösungen finden“, betont sie.

Projekte von Anfang bis Ende betreuen

Ist die Laborarbeit abgeschlossen, wertet Lisa Koch die Ergebnisse aus, recherchiert passende Forschungsliteratur und verfasst daraus einen Bericht. „Dieser wird dem projektbegleitenden Ausschuss vorgestellt. In ihm sitzen Unternehmen, für die unsere Forschung relevant sein könnte. Gerade kleine und mittelständische Firmen ohne eigene Forschungsabteilung haben ein großes Interesse an solchen öffentlichen Projekten. Sie kommen dann mit ihren Materialien auf uns zu und wir optimieren unsere bisherigen Ergebnisse für diese spezifischen Anwendungsfälle“, erklärt sie.

Ein Projekt so eng von Anfang bis Ende zu betreuen, ist für die junge Forscherin der große Reiz an ihrer Arbeit: „In anderen Instituten sind Wissenschaftler oft spezialisiert und bearbeiten nur einen Teil des Prozesses. Ich bin sehr froh, hier die ganze Bandbreite kennenzulernen.“ Ebenfalls positiv findet sie, dass sie als Mutter einer zweijährigen Tochter Beruf und Familie gut vereinbaren kann. „Ich arbeite 30 Stunden die Woche und kann mir die Zeit auch mal flexibel einteilen, wenn etwa meine Tochter krank ist. Da sind alle im Institut zum Glück sehr entgegenkommend“, freut sie sich.

„Wie kann ich Produkte verbessern?“

Eine Balance zwischen Theorie und Praxis war Lisa Koch bereits für ihr Studium wichtig: Nach dem Abitur 2007 entschied sie sich für das duale Bachelorstudium „Chemie- und Biotechnologie“ an der Hochschule Niederrhein, das auch eine Ausbildung zur Chemielaborantin beinhaltete. Dem schloss sie den Master „Angewandte Chemie“ an. Nach einem kurzen Intermezzo als Produktentwicklerin für einen Kosmetikhersteller ergatterte sie ihre Stelle am DTNW samt der Möglichkeit, zu promovieren.

Hat die 30-Jährige ihre Doktorwürde erlangt und ihr aktuelles Forschungsprojekt abgeschlossen, wäre sie offen für einen Wechsel: „Mich interessiert, was Produkte können und wie ich sie verbessern kann. Für die Zukunft könnte ich mir daher gut vorstellen, in der Industrie im Bereich Anwendungstechnik zu arbeiten.“

abi>> 19.03.2018